ADB:Teschenmacher, Werner

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Artikel „Teschenmacher, Werner“ von Woldemar Harleß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 582–584, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Teschenmacher,_Werner&oldid=- (Version vom 6. Juli 2020, 21:46 Uhr UTC)
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Teschenmacher: Werner T., einer im Wupperthale sehr verbreiteten Familiensgruppe entstammend, die ihren Namen der Gerberei und dem Anfertigen von Ledertaschen als einer alten und im 16. Jahrhundert schwunghaft betriebenen Industrie des Thales verdankte, wurde im J. 1590 zu Elberfeld als Sohn des Bürgermeisters und Schöffen Peter Teschenmacher aus dessen Ehe mit Margaretha Nippel geboren. Durch seine Eltern im reformirten Bekenntnisse erzogen, erhielt T. seine erste Ausbildung in der 1592 gestifteten lateinischen Schule seiner Vaterstadt, bezog sodann 1601 das von dem Grafen Johann dem Aeltern von Nassau errichtete Pädagogium oder gymnasium illustre zu Herborn, das unter dem Rectorate des weit gefeierten Theologen und Schulmannes M. Johannes Piscator recht eigentlich eine Bildungsstätte für künftige Geistliche war, und kam von dort 1607 an die Universität Heidelberg, wo er bereits im folgenden Jahre, als 18jähriger Jüngling, die Magisterwürde erwarb. Nach erlangter Ordination wirkte er zuerst von 1611 (oder vielleicht schon vom Herbst 1610 ab) bis November 1613 als Prediger der kleinen reformirten Gemeinde zu Grevenbroich im Jülichschen und war in dieser Eigenschaft zugleich Inspector der sogenannten Erft’schen oder dritten Klasse der Gemeinden seines Bekenntnisses (d. h. der Gemeinden in den Gegenden der Erftniederung). Schon im December 1613 folgte T. aber einem Rufe nach der gleichfalls Jülichschen Stadt Sittard, welche wie so manche andern Gemeinden in Jülich-Berg und Cleve-Mark im Juli 1609, also unmittelbar nach Unterzeichnung der die Freiheit der religiösen Bekenntnisse verbürgenden Reversalien vom 14./24. Juni und 11./21. Juli desselben Jahres seitens der possidirenden Fürsten (Markgrafen Ernst von Brandenburg als Statthalter seines Bruders des Kurfürsten Johann Sigismund und Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Neuburg), die öffentliche Cultusübung begonnen hatte. Doch auch in Sittard blieb T. nur kurze Zeit, indem er bereits im April 1615 eine Predigerstelle in der Vaterstadt Elberfeld annahm; zwei Jahre später (1617) finden wir ihn in Cleve, an dessen reformirter Gemeinde er nun in großer Thätigkeit und in einflußreicher, von dem Vertrauen ebenso der brandenburgischen Regierung wie der vielfach bedrängten evangelischen Gemeinden in den vier Fürstenthümern getragenen Stellung bis in das Jahr 1623 wirkte. Ein Ruf nach [583] Emmerich an Stelle des Pastors Konrad Mircken und die vorher erfolgte, durch die Kriegsereignisse bedingte Verlegung des Regierungssitzes in diese Stadt führten im letztgenannten Jahre sodann T., dessen Gattin Johanna Bruyns, die Schwester des Bürgermeisters und brandenburgischen Raths Cornelius Bruyns zu Emmerich war, dorthin und machten es ihm möglich, seine in kirchenpolitischer wie litterarischer Hinsicht bedeutsame Wirksamkeit zunächst unverändert fortzusetzen. Schließlich ward er aber durch Mißhelligkeiten mit Regierung und Gemeinde 1632 bewogen, sein Amt niederzulegen und zog nach dem benachbarten Xanten, um daselbst vorzugsweise seinen historischen Studien zu leben. Als Aeltester der Gemeinde zu Xanten unterschrieb er am 3. Juni 1637 eine Bittschrift an den Kurfürsten von Brandenburg, betreffend die Berufung des Predigers Gerhard Wirtz zu Mülheim am Rhein an Stelle des von Xanten nach Wesel abgegangenen Hermann Ewich. Andauernd unterleibsleidend, starb T. zu Xanten am 2. April 1638 an den Folgen eines Schlagflusses, erst 48 Jahre alt. Seine Leiche wurde in der St. Wilibrordskirche zu Wesel beigesetzt, eine Auszeichnung, die nicht nur dem eifrigen Geistlichen und Gelehrten, sondern auch dem geschäftsgewandten Synodalen galt, als welcher er 1616 der bergischen reformirten Synode zu Wülfrath präsidirt, beziehungsweise bei derselben in der Eigenschaft eines Deputirten der clevischen Schwestersynode gewirkt hatte: so 1618 zu Gemarke im Wupperthal, 1619 zu Monheim, 1621 zu Elberfeld, 1628 bei Barmen. Der glücklichen Ehe Teschenmacher’s entstammte ein einziger Sohn Peter, der als ein kenntnißreicher und besonders sprachkundiger Mann gerühmt wird, vom 29. November 1648 bis zu seinem Tode am 16. August 1686 Prediger der reformirten Gemeinde zu Vierlingsbeek in der Grafschaft Cuyk (in der heutigen niederländischen Provinz Nordbrabant) gewesen sein soll und von dem gleichfalls reformirten Pastor Petrus Teschenmacher thom Lohe zu Elberfeld († am 5. Juli 1661) zu unterscheiden ist. Das weitaus bekannteste Werk Werner’s sind die „Annales Cliviae Juliae Montium“, die zuerst 1638 erschienen und 1721 von dem Professor Justus Christoph Dithmar zu Frankfurt a. O. neu herausgegeben wurden, noch heute ein unentbehrliches Hülfsmittel für das Studium der Geschichte der drei niederrheinischen Herzogthümer. Außerdem veröffentlichte T. (zu Wesel im J. 1635) eine Schrift unter dem Titel: „Repetitio brevis catholicae et orthodoxae religionis“, welche durch das hundertjährige Jubiläum der Kirchenordnung Herzogs Johann III. von Cleve-Jülich-Berg vom 8. April 1633 veranlaßt war und diese als den Ausgangspunkt der Reformation in den drei Landen feierte sowie auch durch den Inhalt des Anhangs das Andenken an Konrad Heresbach zu erneuern bestimmt war. Wichtiger als diese jetzt sehr seltene Schrift sind Teschenmacher’s handschriftlich hinterlassene Kirchenannalen („Annales ecclesiastici Reformationis ecclesiarum Cliviae Juliae Montium“, in deutscher Sprache) in fünf Abschnitten, von welcher um 1633 abgeschlossenen, zum vollständigen Abdrucke indessen wenig geeigneten Arbeit die königliche Bibliothek zu Berlin (aus Dithmar’s Nachlaß) und das Staatsarchiv zu Düsseldorf Abschriften (aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts) bewahren. Mehr als ein Viertel dieses Manuscriptes hat übrigens J. D. v. Steinen in seiner Beschreibung der Reformationshistorie des Herzogthums Cleve (1727) fast wörtlich reproducirt. Zu erwähnen ist noch, daß T. eine leider verloren gegangene Autobiographie verfaßte, sowie daß noch eine Zusammenstellung kurzer Lebensbeschreibungen um Kirche, Staat und Wissenschaft verdienter Männer der Lande Jülich, Cleve, Berg, Mark und Ravensberg von ihm herrührt, die sich (im Staatsarchiv zu Düsseldorf) in einer von dem Weseler Prediger Anton v. Dorth gefertigten und durch weitere Sammlungen ergänzten Abschrift erhalten hat. Eifriger Protestant und treuer Anhänger des brandenburgisch-hohenzollernschen Fürstenhauses – er [584] widmete seine politischen Annalen dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Brandenburg, die Kirchenannalen der Pfalzgräfin Elisabeth Charlotte – war T. ein fleißiger und sorgfältiger Arbeiter und meist zuverlässig in seinen vielfach auf handschriftliche und archivalische Quellen gestützten Angaben, dagegen mangelte ihm gleich anderen Sammelgenies des 17. Jahrhunderts die Gabe übersichtlicher und zusammenfassender Darstellung.

Vgl. die ausführliche Biographie Teschenmacher’s von K. W. Bouterwek in der ersten Ausgabe von Herzog’s Real-Encyklopädie für protest. Theologie und Kirche Bd. XXI, (1866), S. 246–259. – Zeitschr. des Berg. Gesch.-Vereins Bd. XXVIII, (1892), S. 207–210. – P. Hassel, die handschriftl. Kirchenannalen W. Teschenmacher’s. Zeitschr. d. B. G.-V. I, S. 170–196 mit Nachtrag von K. W. Bouterwek das. S. 197–200. Benutzt außerdem Handschriftliches im Staatsarchiv zu Düsseldorf.