ADB:Strunck, Nicolaus Adam

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Artikel „Strunck, Nicolaus Adam“ von Max Seiffert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 667–669, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Strunck,_Nicolaus_Adam&oldid=- (Version vom 29. März 2020, 10:35 Uhr UTC)
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Strunck: Nicolaus Adam St., Sohn von Delphin St., war einer der ersten Vertreter der ältesten deutschen Oper. Seine Lebensschicksale waren etwas bewegtere als die seines Vaters. St. wurde am 15. November 1640 in der St. Martinikirche zu Braunschweig getauft; Braunschweig war demnach sein Geburtsort, nicht Celle, wie alle Lexika angeben. Daß er schon im Alter von zwölf Jahren Organist an St. Magni wurde, beruht ebenfalls auf einem Irrthum. Diese Organistenstelle wurde erst 1667 Delphin St. übertragen, welcher jene durch seinen zweiten Sohn, Christian Friedrich, verwalten ließ. St. trieb aber unter Leitung seines Vaters eifrig Musikstudien. So ist es erklärlich, daß er, nachdem er die Braunschweiger Schule absolvirt und die Universität Helmstedt bezogen hatte, die Muße der Ferien benutzte, um bei dem als Violinisten berühmten N. Schnittelbach in Lübeck Unterricht zu nehmen. Hier erlangte St. eine solche virtuose Fertigkeit auf der Violine, daß ihn 1660 Herzog August als ersten Violinisten in seiner Hofcapelle zu Wolfenbüttel anstellte. Doch blieb er nicht lange. Schon 1661 trat er mit 220 Thalern Gehalt in die Capelle des Herzogs Christian Ludwig zu Celle ein. Mit Bewilligung seines Herrn unternahm St. eine Reise nach Wien, wo er sich am Hofe des musikverständigen [668] Kaisers Leopold I. hören ließ, der den Künstler durch eine goldene Kette auszeichnete. Nach seiner Rückkehr nahm St., da Herzog Christian Ludwig 1665 gestorben war, Dienste in der Capelle des Herzogs Johann Friedrich von Hannover, von wo ihn Hamburg 1678 als Rathsmusicus berief. Schon 1679 wurde er hier städtischer Musikdirector und brachte als solcher in kurzer Zeit neun Opern auf die Hamburger Bühne: 1678 „Der glückselig steigende und der unglücklich fallende Sejanus“; 1680 „Esther“, „Doris“, „Die drei Töchter Cecrops“, „Alceste“; 1683 „Theseus“, „Semiramis“, „Floretto“. Als der Große Kurfürst 1682 Hamburg besuchte, hörte er die Alceste, welche ihm so gefiel, daß er St. als Capellmeister in Berlin zu haben wünschte. Aber der Herzog Ernst August von Hannover konnte den Großen Kurfürsten überbieten; er berief St. zum Kammerorganisten und verlieh ihm eine Präbende als Domherr des reichen Stiftes Beatae Virginis zu Eimbeck. Mit seinem Herzog reiste St. 1685 nach Italien, wo in Rom seine Begegnung mit Arcangelo Corelli erfolgte. In Venedig erreichte St. eine Trauernachricht aus der Heimath; aus diesem Anlaß componirte er am 20. December 1685 ein „Ricercar auf den Tod seiner Mutter“. Als St. nach längerer Zeit die Rückreise antrat, suchte er zum zweiten Male Wien auf, wo ihm wiederum ehrenvolle Auszeichnungen zu theil wurden. Als er in Dresden ankam, wurde er im Januar 1688 vom Kurfürsten Johann Georg III. als Vicecapellmeister angestellt, mit einer Besoldung von 500 Thlrn., welche noch in demselben Jahre auf 600 Thlr. stieg; sein vorgesetzter Capellmeister war (seit 1682) Christoph Bernhard. St. mußte sogleich die von Pallavicini begonnene Oper Antiope zu Ende componiren. Im Februar amtirte St. zum ersten Male beim Gottesdienst, und zu Ostern brachte er sein Oratorium „Die Auferstehung Jesu“ in der Kirche zu Gehör. Im Februar 1692 ging der Kurfürst Johann Georg IV. nach Berlin, um sich dort zu verloben. Bei dieser Gelegenheit scheint auch St. in Berlin gewesen zu sein, da er in einem Gedichte die Festlichkeiten beschrieben haben soll. Das Jahr 1692 wurde für St. in mehreren Beziehungen ereignißreich. Im November starb Bernhard, St. wurde sein Nachfolger als erster Capellmeister. Schon vorher, im Juni, hatte St. von dem Kurfürsten ein Privileg zur Errichtung einer deutschen Oper in Leipzig erhalten. In dem Erlaubnißdecret hatte der Kurfürst die Hoffnung ausgesprochen, er werde die Leipziger Oper zur Beförderung der Kunst und zugleich hinsichtlich der Instrumentalisten eine Art Vorschule für die Dresdener Oper abgeben. Die Eröffnung des neuen Theaters am Brühl fand Anfang Mai 1693 mit Strunck’s Alceste statt. Da nur während der drei Messen gespielt wurde, konnte St. daneben bequem seine Amtspflichten in Dresden erfüllen. Mit der Oper, für welche er selbst 16 Singspiele schrieb, machte aber St. schlechte Geschäfte; er setzte sein ganzes Geld zu. Zum Unglück löste nun noch 1697 Kurfürst Friedrich August die Dresdener Hofcapelle auf, so das St. seiner Stellung verlustig ging. Nur eine kleine Entschädigung wurde ihm zu theil dadurch, daß er 1699 mit einem Gehalt von 300 Thlrn. die Oberaufsicht über alle Capellen im Lande erhielt. Nur solche Capellen, deren Directoren von St. eingesetzt wären, sollten auf Hochzeiten u. s. w. aufspielen dürfen. Am 20. September 1700 starb St.; seine Wittwe, dann seine Töchter, welche als Sängerinnen auf der Bühne mitwirkten, sowie sein Schwiegersohn Döbricht führten das Opernunternehmen weiter.

Außer den genannten Opern schrieb St. Compositionen für die Kirche und Kammer, Chorwerke mit Instrumentalbegleitung, Orgelstücke, sowie Arien und Compositionen für Violine und Violdigambe. Die Handschriften bezw. Drucke befinden sich in der Kgl. Bibliothek Berlin, Kgl. Privatbibliothek Dresden, Universitätsbibliothek Königsberg, Stadtbibliothek Hamburg, Herzogl. Bibliothek Wolfenbüttel. – Von Litteratur über St. ist zu nennen: Prof. Fr. Zelle, J. Theile und N. A. Strungk, Progr. des Humboldt-Gymnasiums in Berlin, 1891. – [669] Fr. Chrysander, Allg. Musikal. Ztg., 1877. – Fürstenau, Zur Gesch. d. Musik in Dresden. – Kümmerle, Encyklopädie d. evang. Kirchenmus. III. – Monatshefte f. Musikf., 1889, S. 89.