ADB:Schubert, Wilhelm (2. Artikel)

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Artikel „Schubert, Wilhelm“ von Franz Kindscher in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 741–742, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schubert,_Wilhelm_(2._Artikel)&oldid=- (Version vom 25. September 2020, 01:32 Uhr UTC)
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Schubert **): Wilhelm S., evang. Geistlicher in Anhalt, geb. zu Dessau am 21. Januar 1810, † als Pastor und Kreisschulinspector zu Groß-Alsleben am 11. December 1873. Sohn des Fleischermeisters und Gastwirths August S., mit strebsamen Altersgenossen (Geh. Medicinalrath Hieronymus Fränkel in Dessau, Pastor Friedrich Ahlfeld in Leipzig) von anregenden Lehrern (Hofrath Wilhelm Müller, vgl. A. D. B. XXII, 683) ausgezeichnet vorgebildet, studirte er seit 1829 Theologie in Halle unter Prof. Karl Ullmann’s Leitung, ward 1832 als Candidat Mitglied der anhaltischen Pastoralgesellschaft, an deren Verhandlungen und Bestrebungen er seitdem eifrig sich betheiligte. 1833 zum Prediger an St. Nicolai zu Zerbst erwählt stand er hier bis 1849, wo er auf das Pastorat der Vorstadt Ankuhn berufen ward. 1857 von hier nach Alsleben versetzt, hat er überall ein gesegnetes Andenken hinterlassen. Verheirathet mit Therese Schrader, † 1853 und Emma Gelbke, † 1883, hat er reichlich Freude und Leid mit 4 Söhnen und 4 Töchtern erfahren. Mit herrlichen Anlagen ausgerüstet, lebhaften Geistes und mit opferfähigster Herzensgüte überall für edle Zwecke zu helfen bereit, wußte er seine weit umfassenden Kenntnisse vorzüglich auf den Gebieten der Kirchengeschichte der Neuzeit, der Volkspoesie und der poetischen Litteratur überhaupt mit hinreißender Beredsamkeit besonders auch für die Zerbster Litteraria seit 1834 in fesselnden wissenschaftlichen Vorträgen und Gesprächen zu verwerthen. Für die thüringisch-sächsischen Mittheilungen schrieb er 1837 über die Zerbster Nicolaikirche, an deren ersten Superintendenten Dr. Theodor Fabricius er 1842 erinnerte, wie er 1848 den Superintendenten Kluge aus dem 18. Jahrhundert [742] vorführte, 1853 den ersten Zerbster Gymnasialrector Gregorius Bersmann (vgl. A. D. B. II, 508 wo statt Guid. als Guil. zu lesen ist) und nach Camerarius Vorbild Fürst Georg III. zu Anhalt (vgl. A. D. B. VIII, 595 f.). Aus seiner Amtsthätigkeit liegen sehr erbauliche Zeugnisse vor: Probepredigt und Antrittspredigt 1833, Herzog Franz von Dessau und Orgelweihe 1840, Luther 1846, Sermon de mariage 1851, Synodalrede 1861. Seinem versöhnlichen, allem confessionellen Hader abholden Sinne entsprach seine Christenlehre nach Luther und Melanchthon mit geschichtlicher Einleitung 1860. Vertrautem Umgang mit Friedrich Schneider (vgl. A. D. B. XXXII, 118) entstammt der Text zu dessen Oratorium Gethsemane und Golgatha 1838, sowie manches stimmungsvolle Lied für Chorgesang geselliger Kreise. Glücklich begabt für Poesie wirkte er geschickt mit in Umwandlung unverständlich gewordener Verse werthvoller alter Kirchenlieder bei Erneuung des Zerbster Gesangbuches 1846 (vgl. Litteraturblatt 1855 Nr. 81 ff. zur Darmstädter Kirchenzeitung), bot in Gebet und Lied 1845 eine Sammlung kurzer Andachten und feierte im Liederkranz Licht und Liebe 1847 seinen Lehrer Prof. Wegscheider. Als eine Christgabe erschien 1854 eine Sammlung religiöser Lieder und Gedichte „Vom Herzen zum Herzen“ (4. Aufl. 1859). Seine zuweilen lateinisch verfaßten Gelegenheitsgedichte fanden unbeschränkten Beifall.


[741] **) Zu Bd. XXXII, S. 637.