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Artikel „Roederer, Johann Georg“ von Franz von Winckel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 20–21, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Roederer,_Johann_Georg&oldid=- (Version vom 9. Dezember 2019, 18:12 Uhr UTC)
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Roederer: Joh. Georg R., geboren am 15. Mai 1726 in Straßburg, studirte zuerst in seiner Vaterstadt, namentlich bei Fried dem Vater, ging 1747 nach Paris zu Grégoire und später nach London zu Smellie und W. Hunter. Ueber Leyden kam er dann 1750 nach Göttingen, wo er auf Grund seiner Diss. inaugur. de foetu perfecto in demselben Jahre promovirt wurde. Als nun im J. 1751 in der Berliner Charité die erste deutsche Hebammenschule nach dem Vorbilde der in Straßburg bestehenden gegründet wurde, schlug auf Antrag Haller’s der Curator der Universität Göttingen G. A. v. Münchhausen dem König Georg III. die Errichtung einer Entbindungsanstalt an der Universität in Göttingen vor und durch Haller’s Einfluß wurde J. G. R. mit der Direction dieser ersten deutschen Lehranstalt für Geburtshülfe betraut, welche bereits im November 1751 eröffnet wurde. R., damals erst 25 Jahre alt, hat in rastloser Thätigkeit als Lehrer und Schriftsteller in den verschiedensten Zweigen der Medicin gewirkt. Anfangs Extraordinarius, wurde er 1754 Ordinarius und Leibarzt des Königs von England. Sein Hauptwerk: „Elementa artis obstetriciae in usum praelectionum academicarum“ erschien [21] 1753 in erster, 1759 in zweiter, 1766 in dritter Auflage; es wurde ins Deutsche, Französische und Italienische übersetzt und ist besonders ausgezeichnet durch die knappe Darstellung und vorzügliche Schilderung des Geburtsmechanismus. Nach Haller’s Weggang von Göttingen übernahm er auch die Professur der Anatomie und Chirurgie, las ferner gerichtliche Medicin, und hielt Secirübungen und Operationsübungen an der Leiche ab. 1756 erschienen seine: „Observationum medicarum de partu laborioso decades duae“ und 1759: „Icones uteri humani observationibus illustrate“. Dabei hatte er eine ausgebreitete medicinische, chirurgische und obstetricische Praxis. Sein großer Ruf und seine Bekanntschaft mit französischen Officieren während des siebenjährigen Krieges veranlaßten seine Berufung zur Operation einer hochgestellten Dame nach Paris. Auf dem Wege dahin erkrankte er aber in Straßburg am Typhus und starb, noch nicht 37 Jahre alt, am 4. April 1763. Einen Theil seiner Schriften: „Opuscula medica collecta“ gab noch Kästner heraus, Göttingen 1763 und 1764.

F. B. Osiander, Lehrbuch der Entbindungskunst. 1799. I, 322. – E. C. J. v. Siebold, Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe. Berlin 1845. II, 435. – H. Häfer, Lehrbuch der Geschichte der Medicin. 3. Aufl. 1881, II, 728. – Kleinwächter in Gurlt-Hirsch, Biographisches Lexicon. Wien 1887. V, 56.