ADB:Reindl, Georg Karl

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Artikel „Reindl, Georg Karl“ von Alois Knöpfler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 13–15, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reindl,_Georg_Karl&oldid=- (Version vom 8. August 2020, 06:56 Uhr UTC)
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Reindl: Georg Karl R., Dr. theol., Domdechant des Metropolitancapitels München-Freising, wurde geboren am 4. November 1803 zu Bamberg, als der Sohn des dortigen fürstlich-bambergischen Hofbuchdruckers Joh. Bapt. R. Seine wissenschaftliche Ausbildung erhielt er an den Lehranstalten Bambergs (Lateinschule, Gymnasium, Lyceum), promovirte 1826 an der Universität Landshut und wurde am 6. December desselben Jahres zum Priester geweiht. Schon am 11. December wurde R. auf Empfehlung seines Bischofs Fraunberg von der Herzogin Auguste von Leuchtenberg, Schwester König Ludwig I., zum Hauscaplan bestellt, in welcher Stellung er sieben Jahre verblieb. Am 1. April 1834 ernannte ihn dann Ludwig I. zum Religionslehrer der drei jüngeren königlichen Prinzessinnen Adelgunde, Hildegard und Alexandra, sowie zum Erzieher des jüngsten Prinzen Adalbert. Ebendamals ging der Begeisterungssturm des Philhellenismus durch Europa, von dem auch König Ludwig von Baiern erfaßt worden. In idealer Begeisterung für das neuerstandene Hellas hatte er sich bestimmen lassen, durch Uebereinkunft vom 7. Mai 1832 für seinen zweiten Sohn Otto die Krone Griechenlands anzunehmen. Auch R. nahm regen Antheil an den Schicksalen des neuen Königreichs, er sah darin nicht nur die Keime zur politischen, sondern vor Allem auch zur religiösen Wiedergeburt der Griechen und einen frohen Hoffnungsschimmer der endlichen Verwirklichung der langersehnten Union der griechischen und lateinischen Kirche. Er beklagte es, daß die Regentschaft nicht vor Allem dieses Ziel ins Auge faßte und rieth, für religiöse Erziehung und Bildung des Volkes die richtigen Mittel anzuwenden: man solle gute Bücher für Schule und Haus aus dem Deutschen ins Griechische übersetzen lassen, wie z. B. die Werke von Christoph Schmid, talentvolle griechische Geistliche an der Universität München ausbilden lassen u. a., um so die Union allmählich anzubahnen. Der Plan war freilich zu ideal, um verwirklicht werden zu können; vor Allem trat Rußlands übermächtiger Einfluß [14] hindernd in den Weg, indem es für Beibehaltung der starren Orthodoxie in der anatolischen Kirche eintrat, ja diese Forderung selbst für die königliche Dynastie durchzusetzen wußte. Man machte die äußersten Concessionen – Taufe des Thronfolgers nach griechischem Ritus –, da man hoffte, durch Aufschub das gewünschte Ziel doch erreichen zu können. R., der bei seinen Anschauungen offenbar mehr durch seine irenische Natur, als durch theologische Erwägungen beeinflußt wurde, kam als Berather des Hofes bald in schlimmen Ruf. Noch ernster wurde die Frage, als bei der Kinderlosigkeit König Otto’s sein königlicher Zögling Prinz Adalbert präsumtiver Thronfolger von Griechenland wurde (der ältere Bruder, Prinz Luitpold, derzeitiger Prinzregent von Baiern, hatte bei seiner Vermählung 1844 auf die griechische Krone verzichtet). R. dachte nun daran, sich bezüglich dieser griechischen Frage vor dem Papst selbst zu rechtfertigen, allein die über Deutschland hereinbrechenden Stürme hinderten seine Reise nach Rom. Uebrigens blieb ihm die Gunst des Hofes ungeschmälert erhalten; 1836 wurde er mit dem Titel eines geistlichen Rathes und 1843 mit der Würde eines Stiftspropstes von St. Cajetan ausgezeichnet, und als 1846 seine Aufgabe als Erzieher des Prinzen Adalbert beendigt war, ernannte ihn König Ludwig zum Domdechant des Erzbisthums München, dessen Hirtenstab gleichzeitig in die Hände des Grafen Reisach überging. Die Stellung Reindl’s, als eines Anhängers Sailer’s und Diepenbrock’s, zu dem römisch gebildeten Prälaten blieb, so lange letzterer den Stab des heil. Corbinian führte, eine kühl zurückhaltende und formell abgegrenzte, wogegen ihm König Maximilian II., dem Ludwig 1848 den Thron abgetreten, womöglich noch größeres Vertrauen schenkte, als sein Vater und ihn auch zu seinem Beichtvater erwählte. Bei dieser Gesinnung des Monarchen ist es nicht zu verwundern, daß derselbe bei Besetzung der bischöflichen Stühle des Landes seine Augen wiederholentlich auf R. warf; so bei der Vacanz des Bamberger und Augsburger Stuhles. Die Einwilligung Roms war aber nie zu erlangen. Als dann König Max II. bei einer persönlichen Rücksprache mit dem Papst die Zusage der Promotion Reisach’s und damit dessen Entfernung aus München erlangte, erwirkte er für R. zugleich die Bewilligung einer persönlichen Rechtfertigung vor dem hl. Stuhl. 1855 trat R. die Reise in die ewige Stadt an, wo er während eines zweimonatlichen Aufenthalts zweimal Audienz bei Pius IX. erhielt und sich einer gnädigen Aufnahme zu erfreuen hatte. Es wurde ihm Gelegenheit geboten, seine Angelegenheit dem Msgr. Ferrari vorzutragen, bei dem er auch ein Memorandum über die griechische Angelegenheit einreichte. Bei der Abschiedsaudienz wurde er vom Papste mit dem Rathe entlassen: „er möge sich nie um ein Bisthum bewerben; er habe viele Feinde. Er möge dem königlichen Hause wie bisher dienen, dann werde er immer seine Achtung haben.“ Mit diesem Bescheid kehrte R. nach München zurück und widmete seine Thätigkeit nun vorherrschend dem socialen Gebiet der Kirche durch Förderung der Vereine für Jugenderziehung. Schon 1848 hatte er den „Waisenverein für mittlere Stände“ gegründet, dessen thätiger Vorstand er bis zu seinem Tode verblieb. Ebenso war er 1854 bei Gründung des „kathol. Vereins zur Erziehung verwahrloster Jugend“ mitthätig, dessen Anstalten noch heute zu Andechs und Algasing blühen. Das Verhältniß zu Reisach’s Nachfolger, dem Erzbischof v. Scherr seit 1856 hatte sich freundlicher gestaltet, R. nahm jetzt an der Leitung der Diöcese thätigen Antheil, dabei erhielt er fortwährend Zeichen der Gewogenheit seines Königs. So übertrug ihm derselbe 1853 den Religionsunterricht der beiden Prinzen Ludwig und Otto, welches Amt er bis zum Tode des Königs versah. Der 9. März 1864 war für R. einer der herbsten Tage seines Lebens, mußte er ja doch seinem königlichen Gönner Max II., dem er als Beichtvater in den ernstesten Stunden beigestanden, [15] die Augen zum Schlaf des Todes zudrücken. Seinem Zöglinge Ludwig II. blieb der ehemalige Lehrer stets ferne. R. war eine durchaus irenische Natur, weshalb er auch allem Parteigetriebe abhold war und stets nach Aussöhnung der Gegensätze trachtete. Die immer schärfer hervortretende feindliche Gesinnung gegen den Clerus, dabei die divergirenden Ansichten im eigenen Lager, die Ereignisse des vaticanischen Concils und das Auftreten des Altkatholicismus hatten sein Gemüth tief erschüttert. Das Leben des Domdechanten wurde immer mehr vom Aeußern abgekehrt, er fühlte die Periode des vorgerückten Alters, wo man die Lösung der höchsten Probleme der Menschheit von einer anderen Welt erhofft. Zu seinen schönsten Erholungen gehörte der Besuch des stillen Ammersees, wo er in dem ihm gehörigen Landhäuschen im lieblichen Diessen alljährlich seine Herbstferien verbrachte. Daselbst erhielt er auch den Besuch manch lieben Freundes, darunter auch der Kinder seines ehemaligen Zöglings, des Prinzen Adalbert. Als ihm der Tod auch diesen hohen Gönner entriß, am 21. September 1875, sah er hierin eine ernste Mahnung an den eigenen baldigen Heimgang, der denn auch am 22. December 1882 erfolgte. Die litterarischen Arbeiten Reindl’s sind von keiner größeren Bedeutung. Seine Doctordissertation handelte „über den Propheten Jonas“. Als Religionslehrer am königl. Hofe gab er 1834 einen „Abriß der christlichen Religionsgeschichte“ heraus, der in principiellen Punkten ziemlich farblos, auch viel zu compendiös ist, um mehr als ein bloßes Schema der Kirchengeschichte zu geben. Später erschien noch ein Gebetbuch unter dem Titel: „Tempel der häuslichen Andacht“, in 2. Auflage, Regensburg, Manz 1875 mit 12 Kupfern. Dasselbe ist eine etwas freie Uebersetzung des französischen „année spirituelle“, eine Blumenlese aus den Werken des hl. Franz v. Sales und Fenelon’s. Ein Vortrag: „Unser Glaube an die Gottheit Jesu Christi“, München 1863, mit Rücksicht auf Renan’s Schrift gehalten, ist nach Inhalt und Form mehr eine Paränese.