ADB:Pfister, Albrecht

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Artikel „Pfister, Albrecht“ von J. Braun in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 792–794, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pfister,_Albrecht&oldid=- (Version vom 11. August 2020, 10:38 Uhr UTC)
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Pfister *): Albrecht P., berühmter Buchdrucker zu Bamberg, der lange Zeit und vielfach für den Erfinder oder Miterfinder der Buchdruckerkunst gehalten wurde, ist um 1420 geboren und um 1470 gestorben. Von seinen Lebensumständen ist nichts Authentisches bekannt; doch ist er wahrscheinlich der Sohn Ullrich Pfister’s, welcher als „Geleitsgeldner“ auf der Frankfurter Messe in einer Urkunde vom Jahre 1440 vorkommt. Er war anfänglich Formschneider und Briefdrucker, wie aus den verschiedenen seinen Werken beigegebenen Holzschnitten hervorgeht, fing aber schon kurze Zeit nach der Erfindung Gutenbergs, und zwar noch während der Thätigkeit des Erfinders in Mainz, die Ausübung der Druckkunst in Bamberg an, wodurch diese Stadt der Zeit nach an die Spitze derjenigen deutschen Städte zu stehen kommt, in welchen die neue Kunst zuerst Eingang fand. Bei dem Mangel irgend welcher urkundlichen Nachrichten über den typographischen Bildungsgang Pfister’s läßt es sich nur vermuthen, daß Gutenberg sein Meister war, in welchem Falle er allerdings Mainz kurz nach des Letzteren Trennung von Fust und lange vor der Einnahme der Stadt verlassen haben muß. Die früheste Nachricht über Bambergs ersten Drucker verdanken wir einem böhmischen Gelehrten, Dr. Paul von Prag, welcher um 1459 auf die letzte Seite eines Glossariums die Notiz schrieb, daß zu seiner Zeit in Bamberg ein Mann gewesen sei, der die ganze Bibel abgedruckt habe, womit nur Albrecht P. gemeint sein kann. Verschiedene seiner Drucke, und besonders die 36zeilige Bibel, hat man häufig bis in die neueste Zeit als Erzeugnisse der Gutenberg’schen Presse bezeichnet, aber so lange nun die Gelehrten unter sich selbst noch uneinig sind über die Zeit des Erscheinens dieser Bibel, und so lange dieses Bibelwerk von ebensoviel Forschern dem Albrecht P. in Bamberg zugeschrieben wird, während die Anderen für Gutenberg stimmen, so lange wird man dieses ehrwürdige Druckwerk demjenigen Drucker überlassen müssen, der nachweislich und unbestritten eine ganze Reihe anderer Werke mit den gleichen Typen in Bamberg gedruckt hat. Denn es ist eine unumstößliche Thatsache, daß das „Buch der vier Historien“ von 1462, in welchem sich Albrecht P. ausdrücklich als Drucker genannt hat, mit den Typen der 36zeiligen Bibel gedruckt ist, und ferner steht es fest, daß die Typen dieses Druckes genau mit denen anderer Werke übereinstimmen, die bereits früher entstanden sind. Außer [793] Donaten und sonstigen Gebet- und Schulbüchern, seinen ersten typographischen Erzeugnissen, kennt man aus Pfister’s Werkstatt noch eine ganze Anzahl von Drucken, die für die Geschichte der Druckkunst von besonderer Wichtigkeit sind. Die Ablaßbriefe von 1454 und 1455, welche Papst Nikolaus V. zu Gunsten des von den Türken hart bedrängten Königs Johann II. von Cypern schrieb, weisen in einzelnen Zeilen bereits Typen auf, die in Form und Größe denen der 36zeiligen Bibel entsprechen. Es sind bis jetzt gegen 20 solcher Ablaßbriefe bekannt geworden. „Eyn manung der christenheit widder die Durken“ ist von 1454–1455 ebenfalls mit den Typen Pfister’s gedruckt, aber dennoch mehrfach Gutenberg zugeschrieben worden. Dieses früheste datirte Druckdenkmal stellt eine Art Kalender für das Jahr 1455 dar, verbunden mit einer geistlichen Ermahnung gegen die Türken, welche damals gerade Constantinopel erobert hatten und das christliche Europa zu überschwemmen drohten. Das Büchlein, welches von Docen in dem Jesuitenkloster zu Augsburg aufgefunden wurde, befindet sich jetzt als Unicum in der Staatsbibliothek zu München. Mit derselben Type, wie vorstehendes Schriftchen, ist die „Biblia sacra vulgata“ um 1457–1460 von P. in Bamberg gedruckt. Diese sogenannte 36zeilige Bibel, auch die Schelhorn’sche genannt, weil ein Gelehrter dieses Namens sie zum ersten Male beschrieben hat, wird selbst von Solchen, welche die „Mahnung“ dem P. lassen, für die erste Gutenbergbibel gehalten, sie vermögen aber eine Erklärung für die Typengleichheit nicht beizubringen. Die Begründung, daß Gutenberg mit einer ähnlichen Type seine ersten Donate gedruckt habe, ist gegenüber der Thatsache, daß P. eine ganze Reihe von Werken mit derselben Type gedruckt, durchaus nicht stichhaltig. Man kann wohl annehmen, daß P., sofern er ein Schüler Gutenbergs war, bei seinem Fortgange von Mainz einen Theil der Typen vom Erfinder käuflich erworben habe. Auch der Umstand, daß in Bamberg und dessen Nähe die jetzt noch vorhandenen 11 Exemplare aufgefunden wurden, läßt nicht etwa nur den Schluß zu, wie von den Verfechtern der Bibel für Gutenberg behauptet wird, daß zwischen P. und Gutenberg wirklich nähere Beziehungen bestanden haben müssen, sondern er ist vielmehr ein Grund zu der Annahme, daß P. der Drucker dieser Bibel war. Der Kalender mit der Jahrzahl 1457, der mit der sogenannten kleineren Missaltype, ähnlich derjenigen der 36zeiligen Bibel gedruckt ist, gehört zu den datirten Druckwerken, welche aller Wahrscheinlichkeit nach aus Pfister’s Presse hervorgegangen sind; ein Gleiches gilt auch von dem „Donatus“, von welchem von 1458–1460 einige Ausgaben mit den Typen der mehrgenannten Bibel gedruckt wurden. Noch deutlicher als diese spricht „Boner’s Edelstein oder Fabelbuch“, das 1461 mit voller Nennung des Ortes und Jahres, und mit den gleichen Lettern gedruckt ist, für P., als den Drucker der Bibel. Dieses erste Buch in deutscher Sprache, welches deutlich Druckort und Druckjahr angiebt, hat die bekannten 85 Fabeln (s. A. D. B. III, 121) mit je einem Holzschnitte versehen. Es wurde lange Zeit für das älteste deutsche Buch mit Holzschnitten gehalten, doch gebührt die Priorität in dieser Hinsicht unstreitig den „Sieben Freuden Mariä“ und der gleichzeitigen „Leidensgeschichte Jesu“, die beide schon vor dem Fabelbuch aus der Presse Pfister’s hervorgegangen sind. Jedenfalls war P. der erste Typograph, welcher seine Drucke mit Abbildungen zu schmücken begann. Ist es schon angesichts der bisher aufgeführten Drucke Pfister’s unbegreiflich, wie man bis in die neueste Zeit die Ansicht verfechten konnte; die mehrfach genannte Bibel sei nicht aus der Presse Pfister’s hervorgegangen, so muß diese Meinung noch unverständlicher erscheinen, wenn man in Betracht zieht, daß das „Buch der vier Historien“, welches im J. 1462 erschienen ist, in demselben, in dem vermuthlich auch „Belial oder der Trost der Sünder“ die Presse Pfister’s verlassen hat, unzweifelhaft [794] mit den Typen der Bibel gedruckt, die hierin allerdings schon etwas bedeutend abgenutzt erscheinen, und dabei am Ende genau Druckfirma, Ort und Jahrzahl genannt ist. Als weitere Erzeugnisse der Pfister’schen Druckerei sind noch zu nennen: „Die Allegorie auf den Tod“, der „Rechtsstreit des Menschen mit dem Tode“ und die „Armenbibel“, sowie die lateinische Ausgabe derselben, die „Biblia pauperum“, die sämmtlich um 1462 erschienen sind. Nach diesem Jahre kommen keine Druckwerke mit seinem Namen mehr vor, auch ist der Ort und das Jahr seines Todes unbekannt. Jedenfalls hatte P. keinen bleibenden Aufenthalt in Bamberg, denn wie ließe es sich sonst erklären, daß von 1462 bis 1481 aus dieser Stadt keine neuen Drucke hervorgegangen sind. Kann man P. auch nicht unbedingt als einen gleichzeitigen Erfinder der Typographie rühmen, welche Ehre ihm mehrfach zugedacht wurde, so bleibt ihm doch das Verdienst, der erste deutsche Buchdrucker außerhalb Mainz gewesen zu sein.

Vgl. Wetter, Geschichte der Buchdruckerkunst. Mainz 1836. – Falckenstein, Buchdruckerkunst. Leipzig 1840. – Jaeck, Albrecht Pfister und dessen Nachfolger. Bamberg 1835. – Sprenger, Aelteste Buchdruckergeschichte von Bamberg. Nürnberg 1800. – Camus, Notice d’un livre imprimé par A. Pfister. Paris 1791. – Klemm, Katalog des Bibliogr. Museums I. Dresden 1884 etc.

[792] *) Zu S. 666.