ADB:Müller, Joseph (Naturforscher)

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Artikel „Müller, Joseph (Naturforscher)“ von Wilhelm von Gümbel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 637–638, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:M%C3%BCller,_Joseph_(Naturforscher)&oldid=- (Version vom 2. Juli 2020, 13:18 Uhr UTC)
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Müller: Joseph M., Naturforscher und Philologe, Professor an dem Gymnasium zu Aachen war geboren am 12. November 1802 zu Aachen und starb daselbst am 5. August 1872. Dem kleineren Bürgerstande entsprossen besuchte M. das Gymnasium seiner Vaterstadt und dann die Universität Bonn, wo er Philologie und Naturwissenschaft studirte. Nach bestandener Prüfung erhielt derselbe [638] 1827 eine Lehrerstelle an dem Gymnasium zu Aachen und war in die höheren Stellungen nach und nach vorrückend an dieser Anstalt bis zu seiner durch körperliche Leiden veranlaßten Pensionirung im J. 1869 thätig. M. besaß in verschiedenen Zweigen der Naturwissenschaft umfassende Kenntnisse, besonders auf dem Gebiete der Versteinerungskunde und der Botanik. Die Umgebung seiner Vaterstadt gab ihm zunächst Veranlassung, die Versteinerung der sog. Aachenkreide emsig zu sammeln, die er dann monographisch beschrieb. Diese Monographie der Aachener Kreideversteinerungen aus den 3 Stufen der cretacischen Schichtenreihe, nämlich aus Cenomangrünsand von Vaels, aus oberen, der weißen und Mastrichter Kreide gleichstehenden Schichten von Wolfsgracht und Vetschau bei Aachen in 3 Theilen (1. Th. im J. 1847, 2. Th. 1851 und Supplement 1859, publicirt und theilweise als Programmschriften erschienen, als Ganzes von dem naturhistorischen Verein in Bonn herausgegeben) ist als seine hervorragendste Leistung auf paläontologischem Gebiete zu bezeichnen. Namentlich zeichnen sich die Abbildungen durch Naturtreue vortheilhaft aus, während die Artenbestimmung mit geringerer Sicherheit ausgeführt ist. Außerdem veröffentlichte M. noch einige kleinere Aufsätze paläontologischen und geologischen Inhaltes in den Schriften des Bonner naturhistorischen Vereins. M. sammelte auch mit Fleiß Pflanzen und gab 1845 einen Prodrom der phanerogamen Flora von Aachen heraus. Häufig hielt er Vorträge in populärer Weise, meist über Gegenstände der physikalischen Geograpie. Während des Aufenthalts der Prinzessin Louise von Preußen[WS 1], jetzigen Großherzogin von Baden, in Aachen wurde M. berufen, der Prinzessin Vorträge zur Einleitung in die Kunde des Weltsystems zu halten. M. war außerdem ein Forscher und gründlicher Kenner der Aachener Mundart. Dieser Dialect, ein Zweig des Niederrheinischen, ist in Form und Ausdruck so eigenthümlich, daß er mit seinen Bestandtheilen aus alten und neuen fremden Sprachen unter den verschiedenen Idiomen sehr isolirt dasteht. Am meisten Verwandtschaft hat er mit dem Niederländischen, wie es im Limburgischen gesprochen wird, nur daß seine Aussprache viel weicher ist. Mit Weiz begann er schon 1836 ein (nicht fortgesetztes) Idiotikon dieses Dialects, in dem er auch selbst mancherlei schrieb und dichtete. Eine Sammlung davon erschien 1869 in 2 Bändchen unter dem Titel: „Prosa und Gedichte in Aachener Mundart“. Seine Dichtungen zeichnen sich durch einen gesunden und harmlosen Humor vortheilhaft aus. – Im J. 1858 gab er auch einen Band Aachener Sagen und Legenden heraus.

A. v. Reumont, biogr. Denkblätter. Briefl. Mittheilungen.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Luise von Preußen (1838–1923), Tochter von Wilhelm I. und Augusta.