ADB:Hackmann, Friedrich August

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Hackmann, Friedrich August“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 297–298, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hackmann,_Friedrich_August&oldid=- (Version vom 8. März 2021, 22:48 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Hackmann, Jacob
Band 10 (1879), S. 297–298 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Friedrich August Hackmann in der Wikipedia
GND-Nummer 116354313
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|10|297|298|Hackmann, Friedrich August|Jakob Franck|ADB:Hackmann, Friedrich August}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116354313}}    

Hackmann: Friedrich August H. (Hackemann, v. Hackemann), bekannt durch seine ersten Nachrichten über Hinric van Alkmar als Ueberarbeiter des niederdeutschen Reinecke de Vos. Sein Geburts- und Todesjahr sind bis jetzt unbekannt und auch sein Leben vor 1709, sowie nach 1734 noch nicht aufgehellt. Ein Sohn des 1676 als lutherischer Generalsuperintendent zu Gandersheim gestorbenen Johannes H. (Leuckfeld, Antiq. Gandersh. p. 350), war er um das J. 1709 außerordentlicher Professor zu Helmstädt und hielt daselbst Vorlesungen über den Reineke Fuchs, wobei er sich jedoch viele anstößige und leichtfertige Anspielungen auf höhere Personen und Spöttereien auf die christliche Religion erlaubte, was ihm das Verbot seiner Vorlesungen, sowie das Consilium abeundi zuzog. H. verließ Helmstädt in der Stille und wurde katholisch, versprach aber, als er sich später um Unterstützung an den preußischen Hof wandte, dafür reformirt werden zu wollen, kehrte jedoch auf hohe Vorstellung wieder zur lutherischen Kirche zurück und wurde 1729 zu Halle Professor der Rechte und Geheimrath. Aber schon ein Jahr darauf war er genöthigt, weil er außer der juristischen auch deistische Collegia lesen wollte, auf Befehl des Berliner Hofes und bei Strafe des Staupenschlages, Halle über Hals und Kopf zu verlassen. Er begab sich nun (1734) nach Wien und wurde wieder katholisch. Dieser so häufige und leichtsinnige Religionswechsel gab seinen Zeitgenossen zu dem Witze Veranlassung (Stoll’sche Bibliothek IV, 334), seine Religion müsse von gutem Tuche gewesen sein, weil sie sich so oft wenden ließ. Mit seinem Aufenthalte zu Prag 1734 verlieren sich alle Nachrichten über sein äußeres Leben. – Als Schriftsteller hat sich H. außer dem „Koker“ lediglich durch den Wiederabdruck des niederdeutschen Reineke und speciell dadurch ein Verdienst erworben, daß er zum ersten Male aus der Lübecker Ausgabe nachwies, daß nicht Baumann der Verfasser des Gedichtes gewesen sei. Seine Ausgabe erschien 1711 in Wolfenbüttel, nachdem er schon vorher (1. November 1709) eine hierauf bezügliche akademische Einladungsschrift herausgegeben hatte. Auch hatte er Lust, den Reineke Fuchs in lateinische Hexameter zu übersetzen, wenn er dazu einen Verleger hätte [298] finden können. Zugleich fügte er seiner Ausgabe den „Koker“ (Köcher) bei, ein Gedicht, das vorher noch niemals gedruckt war und größtentheils aus alten Sprüchen und Sprichwörtern besteht, die in ihrem Humor, ihrer Derbheit und Ironie ganz den niederdeutschen Charakter tragen, sich jedoch weniger dem Freidank als dem Morolf nähern. In der Form haben diese Sprüche, deren Zahl sich auf ungefähr 500 beläuft, das Eigenthümliche, daß hier die einzelnen, durchaus (bis auf zwei auf S. 330–31) zweizeiligen Sprüche mit absichtlichem Eigensinn in der Art ausgedrückt und gestellt sind, daß die beiden Zeilen nicht aufeinander, sondern immer auf die vorhergehende und folgende reimen, wodurch äußerlich alle, wie eine Kette, an einander hangen. Die in einander gereimten Sprüche sind die Pfeile, von denen dieser Köcher seinen Namen hat und deren man bleierne und goldene, scharfe und stumpfe hier beisammen findet. Die Abtheilungen sind, ohne inneren Zusammenhang, nach dem Alphabete so geordnet, daß ungefähr, wie im „Güldenen ABC“, die Anfangsbuchstaben des Spruches, der an der Spitze einer Reihe steht, die Ordnung bestimmen. Ob indessen H. wirklich der Verfasser oder nur der Wiederauffinder dieses Spruchgedichts gewesen, ist noch unentschieden; auch Hagen (Büsching’s wöchentliche Nachr. I. 224) stellt dessen Autorschaft bestimmt in Abrede und versucht aus dem Gedichte selbst zu erweisen, daß nicht H., sondern ein bis jetzt noch Unbekannter, dessen Heimath aber ohne Zweifel in der Nähe von Jütland gelegen und wahrscheinlich Ditmarsen gewesen, der Verfasser oder Sammler sei, deren Abfassung in das 14.–15. Jahrhundert falle; für diese Annahme sprächen Mundart und Ausdruck.

Faßmann, Leben und Thaten d. Königs von Preußen Friedrich Wilhelm (Hamb. 1735) I. 1027–37. Flögel, Kom. Litt. III. 87–88 und dessen Gesch. d. Hofnarren S. 229–32. Adelung, Gelehrten-Lexikon II. 1708. Strieder, Hessische Gelehrten-Geschichte V. 226–27. Scheller, Bücherkunde d. sassischen Sprache S. 340–43. 469.