ADB:Gloger, Constantin

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Artikel „Gloger, Constantin Wilhelm Lambert“ von Adolf Eduard Grube in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 240–241, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gloger,_Constantin&oldid=- (Version vom 7. August 2020, 02:28 Uhr UTC)
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Gloger: Constantin Wilhelm Lambert G., sorgfältiger Beobachter und Schriftsteller auf dem Gebiet der Zoologie, geb. in Kasischka in Oberschlesien, auf dem Gut seines Vaters, starb in Berlin 1859. Vorgebildet durch Privatunterricht und dann durch das Gymnasium in dem unfern gelegenen Neisse, bezog G. 1821 mit einem Zeugniß ersten Grades entlassen, die Universitäten Breslau und Berlin, um unter Gravenhorst’s, Otto’s, Steffens’, Lichtenstein’s Leitung Naturwissenschaften und vorzugsweise Zoologie zu studiren, ohne seine Neigung für die alten Sprachen ganz zurück zu drängen. Er verlebte die größere Hälfte seiner Jahre in Breslau, wo er dann auch den anregenden Umgang von Nees von Esenbeck genoß, und wol durch ihn und Steffens der naturphilosophischen Richtung zugewendet wurde, die in einer beabsichtigten, aber nicht ausgeführten Systematik des Thierreichs zu voller Geltung kommen sollte. In Uebereinstimmung mit seiner Vorliebe für die Jagd und die Beobachtung der Säugethiere und Vögel in der freien Natur, die ihn schon auf dem Gymnasium in seinen Freistunden beschäftigten, legte er sich ganz auf das Studium dieser beiden Thierclassen, erwarb sich 1830 durch seine Dissertation „De avibus ab Aristotele commemoratis“ in Breslau den Doctorgrad, lernte gründlich die Naturverhältnisse des Riesengebirges wie der übrigen Provinz kennen, legte seine Wahrnehmungen über die Lebensweise und Verbreitung der betreffenden Thiere namentlich in den obersten Regionen des Gebirges in mehreren theils in der Isis und Froriep’s Notizen, theils in den Acta Leopoldina veröffentlichten Abhandlungen nieder, und faßte dann die ganze schlesische Wirbelthierfauna in einem von sehr schätzbaren Bemerkungen begleiteten Verzeichniß zusammen. Hiedurch hat sich G. ein dauerndes Verdienst um die Thierkunde dieser Provinz erworben. Dabei blieb aber G. nicht stehen: er dehnte seine Studien auch über die gesammte europäische Vogelfauna aus, wobei ihm die mit größter Liberalität gewährte Benutzung des Berliner Museums die wesentlichsten Dienste leistete, doch ist von diesem „Handbuch der Naturgeschichte der Vögel Europa’s“, welches mit großem Beifall aufgenommen wurde, leider nur der erste, die Landvögel enthaltende Theil erschienen. Als entschiedener Gegner der Auflösung allgemein angenommener Arten in eine Anzahl neuer, wie sie Brehm eingeführt wissen [241] wollte, suchte G. die Abänderungen im Größenverhältniß einzelner Theile und Färbung, durch welche jener sich dazu berechtigt glaubte, aus climatischen und localen oder anderen Einflüssen zu erklären; genaueste Beobachtung der Lebensweise und eingehendste Studien der geographischen Verbreitung der Vögel waren für G. die Hauptaufgabe. Doch fand er, was zu bedauern ist, keinen seinen Neigungen entsprechenden dauernden Wirkungskreis. Eine Zeit lang hatte er die Stelle eines Collaborators am Mathias-Gymnasium in Breslau inne, aber auch diese gab er auf und zog sich, nachdem er 1842 noch von einem „gemeinnützigen Hand- und Hülfsbuch der Naturgeschichte“ den ersten Band herausgegeben, als Privatmann nach Berlin zurück, wo er gegen ein Jahrgeld für das Berliner Museum schlesische Naturproducte herbeischaffte, vermuthlich auch in diesen Sammlungen hülfreich arbeitete. Aus dieser letzten Lebensperiode stammen die beiden kleinen Abhandlungen über den Vogelschutz und den Schutz nützlicher Thiere, deren wiederholte Auflagen den Beweis liefern, daß sie ein durchaus zeitgemäßes Bedürfniß befriedigten.

Vgl. Hoffmann’s Monatschrift von und für Schlesien 2. Bd. S. 610 und Nowack, Schles. Schriftstellerlexikon 4. Heft.