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Titel: Zwei deutsche Fürstenjubiläen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 25, S. 427
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[427] Zwei deutsche Fürstenjubiläen. Am 21. Juni erreicht Herzog Ernst von Sachsen-Koburg-Gotha sein siebzigstes Lebensjahr, am 25. Juni Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar, zwei deutsche Fürsten, die stets eine nationale Gesinnung bewährt und sich gleichzeitig als Förderer der Litteratur und Kunst ausgezeichnet haben. Was Goethe in den „Venetianischen Epigrammen“ von Karl August sang, das ist ein Motto, welches auf seinen Enkel und Nachfolger sowie auf den Fürsten des Nachbarlandes noch heute berechtigte Anwendung findet:

„Klein ist unter den Fürsten Germaniens freilich der meine;
Kurz und schmal ist sein Land, mäßig nur, was er vermag;
Aber so wende nach innen, so wende nach außen die Kräfte
Jeder, da wär’s ein Fest, Deutscher mit Deutschen zu sein.“

Ueber das vielfach mit den wichtigsten politischen Begebenheiten verkettete Leben des Herzogs Ernst haben wir, im Anschluß an den ersten Band seiner Selbstbiographie, vor kurzem eingehend gesprochen, er wird unter den Förderern einer wahrhaft nationalen Gesinnung in trüber Zeit stets in erster Linie genannt werden müssen. Doch nicht minder lebhaft als für des deutschen Volkes politische Bedeutung und Größe ist er begeistert für die Thaten des deutschen Geistes in Wissenschaft und Kunst, und nicht abhängig von alten Ueberlieferungen, sondern dem Neuen und Neuesten freudig zugewendet. Selbstschöpferisch ist er als Opernkomponist auf dem Gebiete der Musik aufgetreten; mit allen namhaften dichterischen und schriftstellerischen Talenten der Gegenwart stand er mehr oder weniger in persönlichen Beziehungen. Wie nahe hat jahrzehntelang ihm und seinem Hofe Gustav Freytag gestanden! Doch wie hervorragende Dichter, so hat er auch, mit dem deutschen Theater vertraut, Künstler von Ruf und tüchtige Bühnenleiter stets in ihren Bestrebungen verfolgt und Gelungenes nach Verdienst ausgezeichnet; er hat von seiner hohen Warte aus stets den ganzen Horizont des geistigen Lebens deutscher Nation erfaßt, nicht im Sinne eines herablassenden Mäcenatenthums, sondern einer freithätigen Mitarbeiterschaft.

Großherzog Karl Alexander von Weimar, der drei Tage später den Siebzigjährigen sich anschließt, hat ebenfalls stets auf der Seite des nationalen Fortschritts gestanden und mitgewirkt für Deutschlands einheitliche Gestaltung. Auch er ist als verständnißvoller Gönner neuer Dichtung, Musik und bildender Kunst zu den Förderern des geistigen Lebens unserer Nation zu rechnen. Die Pflege der Erinnerungen unserer klassischen Dichtungen, das Protektorat über die Schiller- und Goethevereine, die an den Ufern der Ilm so die rechte Heimathstätte fanden und denen sich auch die Shakespearegesellschaft anschloß, hat den Fürsten durchaus nicht neuer Dichtung entfremdet, welcher er mit stets feinfühliger Theilnahme entgegenkam, so wie seine Bühne unter der Leitung eines Dingelstedt und Loën ihre Pforten bereitwillig allen jüngeren Talenten öffnete. Stets hat ihm Franz Liszt nahegestanden und die Anregungen dieses edeln, allseitig gebildeten Musikers waren für den Hof von Weimar nicht verloren. An der Ilm hatte des geächteten Richard Wagner Musik eine Stätte gefunden, noch ehe König Ludwig ihr ein glänzenderes Asyl an der Isar eröffnete. Auch hervorragende Maler hatte die vom Großherzog in Weimar begründete Kunstakademie nach der Stadt an der Ilm gezogen. So nach allen Seiten hin eingreifend, von freudiger Empfänglichkeit für das Schöne der klassischen Stadt den alten Ruhm wahrend, hat Karl Alexander edlem Streben im Sinne der großen Männer vergangener Zeit eine Schutzherrlichkeit gewährt, die Altes und Neues in schöner Eintracht verknüpfte.

Mögen die Länder selbst die Segnungen der fürstlichen Fürsorge feiern, welche für ihre materielle Entwickelung und ihr geistiges Wohl soviel gethan: das deutsche Volk darf mit Stolz auf die beiden siebzigjährigen Fürsten blicken, die niemals seinen edelsten Bestrebungen untreu geworden sind und stets seine höchsten Interessen gewahrt haben, und sich so den Glückwünschenden an den beiden Festtagen anschließen.

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