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Textdaten
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Autor: R. M.
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Titel: Zwei Schwüre auf Hohbarr
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 554
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[554]

 Zwei Schwüre auf Hohbarr.*[1]

Deß’ Lob aus Dichters Munde so oft und laut erklang,
Du burgenreicher Wasgau, Dir töne heut mein Sang!
Von einer Veste sing’ ich, an steilem Bergesrand,
Wo Deine blaue Kette sich ostwärts senkt in’s Land.

In stolzem Glanze prangte Hohbarr in alter Zeit,
Das künden seine Trümmer dem Wandersmann noch heut;
Es sah in seinen Mauern der üpp’gen Feste Pracht,
Der Zecher wüstes Lärmen in mancher lust’gen Nacht.

Fürwahr, wer sind die Herren bei’m edlen Rebensaft,
Mit weinerglühtem Antlitz? Ist’s eine Brüderschaft
Von Kriegern, die im Felde so reichen Preis gewann?
Sind’s ritterliche Räuber, ein Graus dem Wandersmann?

O nein, zwar sind es Krieger, doch nicht im Waffenkleid;
In Kutte und Kapuze, so ziehen sie zum Streit.
Ihr Schild der Masse Thorheit, ihr Feind des Menschen Geist,
Ihr Banner ist die Lüge, entfaltet oft und dreist.

Von Fürstenberg Herr Egon tagt hier so manches Jahr,
Der würd’ge Bischof Straßburgs mit seiner Priester Schaar;
Zu dieser Veste pilgert die heil’ge „Brüderschaft“,
So oft vom vielen Fluchen die Zungen sind erschlafft.

Man sieht auf hohem Söller die trunk’nen Zecher stehn,
Mit weingetrübtem Blicke in’s reiche Elsaß sehn,
Wo aus der weiten Fläche, leicht sichtbar rings, hervor
Erwin’s erhabnes Münster zum Himmel ragt empor.

Und eben sinkt im Westen die Sonn’ in Purpurgluth,
Da hebt sein Glas der Bischof in trunk’nem Uebermuth:
„Ihr Herr’n, bei dieser Sonne, die über Frankreich sinkt,
„Bei Straßburgs hehrem Dome, deß’ Thurm uns Grüße winkt:
 Straßburg.

„Bald soll auf seiner Spitze die weiße Fahne weh’n
„Und an dem Hochaltare der große Ludwig steh’n.
„Bald soll das schöne Elsaß in seinen Händen sein
„Und Galliens Grenze bilden dort hinten weit der Rhein.“

Er hat den Schwur erfüllet, der wortgetreue Mann –
Bald stand die freie Reichsstadt in des Despoten Bann;
Bald konnt’ am Hochaltare der Herrscher Frankreichs steh’n,
Des christlichsten Monarchen Panier vom Thurme weh’n.



Zweihundert Jahre rauschten dahin im Strom der Zeit –
In Trümmer ist zerfallen des Baues Herrlichkeit;
Allein ein klarer Morgen im Wonnemonat Mai
Bringt wieder frohe Gäste zum alten Schloß herbei.

Auch dies sind wackre Krieger, doch friedlich ist ihr Streit;
Die Wissenschaft ihr Schlachtfeld, so herrlich und so weit,
Ihr Feind der Masse Thorheit, ihr Schwert des Menschen Geist,
Ihr Banner ist die Wahrheit, verkündet laut und dreist.

Man sieht die Musensöhne auf hohem Felsen steh’n,
Mit stolzem, freud’gem Blicke in’s reiche Elsaß seh’n,
Wo aus der weiten Fläche, leicht sichtbar rings, hervor
Erwin’s erhab’nes Münster zum Himmel ragt empor.

Und wieder sinkt im Westen die Sonn’ in Purpurgluth –
Sie heben ihre Gläser in frohem Jugendmuth:
„Ein Hoch dem deutschen Elsaß, das wir mit starker Hand
„In blut’gem Streit erkämpften dem theuren Vaterland!

„Und gilt’s, nochmals zu streiten für Dich mit Gut und Blut,
„Wir zieh’n zum zweiten Male hinaus in frischem Muth!
„In deutschen Volkes Namen sei Dir der Schwur geweiht:
„Deutsch bist und sollst Du bleiben in alle Ewigkeit!“

 R. M.


  1. * Zur Erläuterung diene, daß das alte Schloß Hohbarr bei Zabern im Elsaß vor zweihundert Jahren der Schauplatz der wüsten Gelage des Bischofs von Fürstenberg, des Verräthers Straßburgs, mit seiner sogenannten „Brüderschaft“ war. Hierher eilte er mit seinen Genossen, um in Sicherheit wüste Gelage und Trink-Orgien feiern zu können. Deutsche Studenten aus Straßburg waren es, die im letzten Maimonate in ihrer Weise ein Fest feierten, welches mit dem in dem Gedichte erwähnten Schwure schloß.