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Titel: Zur Zeitkunde
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aus: Die Gartenlaube, Heft 14, S. 208
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[208] Zur Zeitkunde. Das Bedürfniß, sich über Wesen und Geschichte des Mannes zu unterrichten, der sich als Befreier Italiens aufdrängte und deutsche Regierungen und Nationen in Moniteurartikeln wie Schulbuben herunterkanzelte, tritt jetzt mit jedem Tage mehr hervor. Wir können zu diesem Zwecke ein jüngst in Leipzig bei Hirzel erschienenes Buch: „Geschichte Frankreichs von 1814–1852 von L. v. Rochau“ sehr empfehlen Der Verfasser vereinigt mit den gründlichsten Studien eine sehr anziehende frische Darstellungsweise, und wie präcis und gedrängt er zu schreiben versteht, mag nur ein Passus beweisen, den wir willkürlich aus dem 2. Bande wählen:

Am 20. Decbr, 1848 wurde das Ergebniß der Volkswahl in der Nationalversammlung feierlich verkündigt. Hierauf erklärte Cavaignac im eignen Namen und im Namen des Ministeriums die Abdankung der bisherigen Regierung. Alsdann erfolgte die Ausrufung Ludwig Bonaparte’s zum Präsidenten der Republik, vom heutigen Tage an bis zum zweiten Sonntage des Mai 1852, und die Beeidigung desselben. Der Vorsitzende der Nationalversammlung, Armand Marrast, sprach die in der Verfassung vorgeschriebene Eidesformel: „Im Angesichte Gottes und des französischen Volkes schwöre ich, der einen und untheilbaren demokratischen Republik treu zu bleiben, und alle Pflichten, welche mir durch die Verfassung auferlegt worden sind, zu erfüllen,“ und Ludwig Bonaparte leistete den ihm vorgelegeen Eid mit den Worten: „ich schwöre es.“ Marrast fügte hinzu: „Wir nehmen Gott und Menschen zu Zeugen des geleisteten Schwurs.“

Der neue Präsident bat jetzt um das Wort und hielt eine Anrede an die Nationalversammlung, welche folgendermaßen begann: „Die Stimme der Nation und der Eid, den ich eben geleistet, zeichnen mir mein künftiges Verfahren vor. Meine Pflichten sind mir vorgeschrieben, und ich werde sie als Ehrenmann erfüllen. Ich werde als Feinde des Vaterlandes alle diejenigen betrachten, welche darauf ausgehen, durch ungesetzliche Mittel abzuändern, was Frankreich angeordnet. Zwischen mir und Ihnen, Bürger Abgeordnete, kann es keine Meinungsverschiedenheiten geben. Unser Wille und unsre Wünsche sind die nämlichen. Ich will, wie Sie, die Staatsgesellschaft wieder auf ihren Grundlagen sicher stellen, die demokratischen Einrichtungen befestigen, und Alles aufbieten, um die Leiden des hochherzigen und einsichtigen Volkes zu lindern, welches mir einen so glänzenden Beweis seines Vertrauens gegeben hat“ u. s. w.