Zu Schiller’s Jubelfeier

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Zu Schiller’s Jubelfeier
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 692
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[692]
Zu Schiller’s Jubelfeier.

Die deutsche Schillerstiftung an die Deutschen. Am heutigen Tage hat sich die Deutsche Schillerstiftung constituirt zu dem in §1 der Satzungen ausgesprochenen Zwecke: „Deutsche Schriftsteller und Schriftstellerinnen, welche für die Nationalliteratur (mit Ausschluß der strengen Fachwissenschaften) verdienstlich gewirkt, vorzugsweise solche, die sich dichterischer Formen bedient haben, dadurch zu ehren, daß sie ihnen oder ihren nächstangehörigen Hinterlassenen in Fällen über sie verhängter schwerer Lebenssorge Hülfe und Beistand darbietet.“ – „Sollten es die Mittel erlauben, und Schriftsteller oder Schriftstellerinnen, auf welche obige Merkmale nicht sämmtlich zutreffen, zu Hülfe und Beistand empfohlen werden, so bleibt deren Berücksichtigung dem Ermessen des Verwaltungsrathes überlassen.“ – Die Constituirung dieser Stiftung fällt nahe zusammen mit dem hundertjährigen Geburtstage des unsterblichen Dichters, zu dessen würdiger, nationaler Feier, so weit die deutsche Zunge klingt, die großartigsten Vorbereitungen getroffen werden. Deutsche! Bei dem festlichen Klang jener Glocke, die in ewiger Höhe tönt, sammelt Euch, nicht blos um zu seinen Ehren ein begeistertes Gedächtnißfest zu begehen, sondern auch um ein bleibendes Denkmal werkthätiger Liebe für unsern volksthümlichsten Dichter auf alle Zeiten zu stiften. Wie er selbst gesungen:

Göttern kann man nicht vergelten;
Schön ist’s ihnen gleich zu sein.
Gram und Armuth soll sich melden,
Mit den Frohen sich erfreu’n,

so können wir auch ihm selbst nicht vergelten, wohl aber durch die mit seinem Namen geschmückte Stiftung den Dank keines Volkes dadurch abtragen, daß wir geistig Strebende, die von schwerer Lebenssorge heimgesucht sind, durch Beistand und Hülfe ehren. – Deutsche! Keinen Ort gibt es im Vaterlande, so abgeschieden von den großen geistigen Besitzthümern unseres Daseins, daß nicht Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen darin lebten, in denen die Dankbarkeit glüht für das, was Schiller uns Allen geworden. In der Fremde lebt kein Deutscher, dem nicht der Name Schiller ein heiliger Heimathsruf ist, so daß in diesem Namen eine Weihestimmung, einzig in ihrer Art, und ein Gesammtbewußtsein, aus so vielen Gebieten des öffentlichen Lebens schmerzlich vermißt, zur erhebenden Erscheinung kommt. – So tretet denn am 10. November zur Bildung von Schillerstiftungen überall zusammen; wo eine solche sich nicht gründen läßt, sammelt Beiträge, wo sich frohe Herzen zum Festmahle vereinigen, verkündet diese unsere Worte und laßt nach dem Festgruß für den Dichter durch die Hände Eurer Frauen und Jungfrauen Spenden der Liebe in Empfang nehmen. Wo Gesangvereine und Liedertafeln, wo Kapellen und Theater seinem Andenken huldigen, opfert ihm den Ertrag seines Ehrentages. – Und du, deutsche Jugend, in deren frische Herzen er die ersten Keime edler Begeisterung senkt, fehle auch du nicht in den Reihen der Opfernden. Die kleinste Gabe ist willkommen. - Auf Deutsche! Laßt uns ein Beispiel geben zur Ehre für uns und unsere Nachkommen, daß der Freude schöner Götterfunken, der Begeisterung Flamme, nicht wirkungslos verlodere, sondern daß die hundertjährige Jubelfeier von Schiller’s Geburt als der Geburtstag der in seinem Namen gegründeten Stiftung ein Lichtpunkt sei und bleibe, tröstlich hineinleuchtend in die Nacht der Sorge und der Noth.

Die bis jetzt bestehenden Schillerstiftungen befinden sich in: Berlin, Breslau, Coburg, Darmstadt, Dresden, Frankfurt a. M., Gratz, Hamburg, Leipzig, München, Nienburg, Nürnberg, Offenbach, Stuttgart, Weimar (als Vorort für die nächsten fünf Jahre gewählt, Wien,

An eine derselben wollen die Beiträge für die Stiftung eingesandt werden.

     Dresden, den 10. October 1859.


Die constituirende Versammlung der Deutschen Schiller-Stiftung:

Dr. Berthold Auerbach aus Dresden. Dr. Ludwig Blum aus Stuttgart. Dr. Ludwig Braunfels aus Frankfurt a. M. Heinrich Brockhaus aus Leipzig. Geh. Medicinalrath Dr. Karl Gustav Carus aus Dresden. Generalintendant Dr. Franz Dingelstedt aus Weimar. Dr. Johann Georg Fischer aus Stuttgart. Dr. Ernst Förster aus München. Advocat Adolar Gerhard aus Leipzig, Dr. Karl Gutzkow aus Dresden. Professor Dr. Friedrich Haase aus Breslau, Dr. Julius Hammer aus Dresden, Dr. Gustav Haubold aus Leipzig. Graf Stanislaus Kalckreuth aus Weimar, Dr. Moritz Lazarus aus Berlin. Generalconsul Ernst Merk aus Hamburg. Hoftheaterregisseur Ferdinand Pirscher aus Darmstadt. Karl Rick aus Wien. Major Serre auf Maxen aus Dresden. Karl Voigt aus Weimar. Staatsminister a. D. Dr. Ernst von Wietersheim aus Dresden, Dr. Friedrich Zabel aus Berlin, Dr. Georg Zimmermann aus Darmstadt.