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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Wasserstoff als Heizmaterial
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aus: Die Gartenlaube, Heft 30, S. 479–480
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1864
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[479] Wasserstoff als Heizmaterial. Wie so oft schon läuft auch jetzt wieder durch die Zeitungen die Nachricht, daß es gelungen sei, „aus dem Wasser das Wasserstoffgas auf so billige Weise herzustellen, daß man dasselbe zur Kesselheizung und dergleichen statt Kohlen mit großem Vortheil benutzen könne“. Der Glückliche, der diesmal den Ring von unschätzbarem Werth besitzt, ist ein Spanier Namens Mundo, und nach der „Revista minora“ sollen mit nach seiner Methode erzeugtem Wasserstoffgase die Dampfmaschinen des Schiffes „Antilope“ bereits geheizt worden sein.

Das ist möglich – aber „mit Vortheil“ – das ist unmöglich. Warum? Wasser besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff, der erstere ist ein brennbares Gas. Beim Verbrennen verbindet er sich mit Sauerstoff und bildet damit eben wieder Wasser. Während der Vereinigung der beiden Bestandtheile erzeugt sich, wie bei jeder Verbrennung, Hitze und diese ist bei der Verbrennung von Wasserstoff ganz besonders groß, so daß es begreiflich erscheinen kann, warum so Viele immer und immer wieder die Idee der Wasserzersetzung verfolgt haben.

Aber was würde man von einem Manne sagen, der am Ufer eines Sees, aus welchem kein Abfluß stattfindet, eine Wassermühle anlegen wollte, indem er das mit Hülfe einer Dampfmaschine aus dem See emporgehobene Wasser auf das Wasserrad fallen und das letztere dadurch in Bewegung setzen läßt? Man würde ihn für albern halten, weil sich Jeder sagen muß, daß ihm das Wasser nicht mehr Kraft geben kann, als die Dampfmaschine zum Schöpfen nothwendig hat, und daß es viel zweckmäßiger sein muß, gleich von der Dampfmaschine das Mühlwerk treiben zu lassen, als eine Menge kraftzehrender Mittelwerke dazwischen zu legen.

Genau denselben Fehler, wie der Seemüller, begehen aber alle diejenigen, welche aus dem Wasser den Wasserstoff abzuscheiden versuchen, um ihn dann zu verbrennen. Denn das Wasser läßt nicht etwa seinen Wasserstoff so gutmüthig fahren, – die Trennung seiner Bestandtheile erfordert ebensoviel Kraft, als die Wiedervereinigung derselben, die Verbrennung des Wasserstoffs, durch die Wärme auszuüben im Stande ist. Dies Gesetz ist ganz unumstößlich – bestände es nicht, dann allerdings könnten unversiechliche Kraftquellen eröffnet werden, das perpetuum mobile wäre gefunden und die Arbeit stände umsonst zu Diensten. Allein es herrscht unerbittlich durch die ganze Natur, und ebenso wie kein Theilchen des Stoffes verloren geht, wird auch keine Spur von Kraft durch irgend eine Vorrichtung gewonnen, das heißt: aus Nichts erzeugt. Wir können die vorhandenen Kräfte nur umwandeln: Wärme in mechanische Kraft (Dampfmaschine), mechanische Kraft in Elektricität (Electrisirmaschine), Elektricität in Magnetismus und umgekehrt Magnetismus in Elektricität, wie es in elektromagnetischen Apparaten geschieht. Die Pflanze nimmt Licht und Wärme auf und macht dadurch chemische Processe, welche Licht und Wärme geliefert haben, wieder rückgängig; sie braucht Licht und Wärme, um die durch Verbrennung entstandene Kohlensäure wieder in verbrennbare Kohle zu verwandeln, und die Muskelkraft der Thiere und Menschen erhält sich schließlich durch ganz analoge Processe, wie die Spannung des Dampfes unter dem Kolben der Maschine, durch die chemische Verwandlung (Verbrennung) der Nahrungsmittel im Innern des Körpers.

Das Wasser vermögen wir auf verschiedene Weise zu zersetzen: wir können es über glühendes Eisen leiten, sodaß dieses den Sauerstoff daraus anzieht und den Wasserstoff frei macht; wir können es mit Zink und Schwefelsäure zusammenbringen, wobei ebenfalls der Sauerstoff sich mit dem Metall verbindet; wir können die Pole einer elektrischen Batterie hineinleiten und verschiedene andere Mittel anwenden, – aber es giebt keins, welches im Großen und Ganzen auch nur den geringsten Vortheil brächte. Das Eisen müßten wir aus dem Eisenoxyd (in welches es sich durch Sauerstoffaufnahme verwandelt, [480] das Zink aus dem Zinkoxyd wieder herstellen, was durch Kohle zu bewerkstelligen ist; wir würden aber dabei finden, daß eine Kohlenmenge dazu nöthig wäre, welche, für sich verbrannt, mindestens ebensoviel Hitze gäbe, als der auf Umwegen erzeugte Wasserstoff beim Verbrennen liefert. Die galvanische Batterie müssen wir durch Eisen, Kupfer, Schwefelsäure und dergleichen speisen, allein die Erzeugung dieser Produkte kostet uns, wenn bei der Darstellung auch nicht das geringste Theilchen für uns verloren ginge, genau ebensoviel, als der Wasserstoff für Zwecke der Heizung werth wäre – und dies Resultat zeigen uns ebenso alle andern Verfahrungsarten der Wasserzersetzung.

Durch Hinterthüren und auf krummen Wegen läßt sich die Natur nichts abgewinnen, wohl aber verlieren wir dabei an Zeit und durch die unausgesetzte Ausstrahlung der Wärme während dieser Zeit auch an Kraft.

Unter Umständen kann allerdings eine solche Umwandlung Vortheile dringen, es muß aber dieselbe dann eine andere Krafterscheinung darbieten, Wärme muß z. B. in Licht sich verwandeln oder nutzbare chemische Processe hervorrufen, nicht aber, wie hier, Wärme, die billigste Form der physikalischen Kräfte, wieder in Wärme verwandelt werden.

Kohle und die kohlenstoffhaltigen Producte des Pflanzenreichs sind die einzigen natürlichen Brennmaterialien. Alle andern können wir uns erst mit ihrer Hülfe in verbrennbarer Form herstellen, während sie sich durch die nie mangelnde Licht- und Wärmestrahlung der Sonne aus ihren Verbrennungsproducten immer auf’s Neue und von selbst wieder erzeugen. Sie sind Sparbüchsen der Sonneneinwirkung (Insolation), welche wir zu unserm Nutzen leeren; alle andern sind bloße Drechselbänke, an denen wir Provision und Zinsen verlieren, – sie sind deswegen die billigsten und die Idee der Wasserzersetznng zu Zwecken der Wärmeerzeugung ist ein national- und universalökonomischer Unsinn, der mit dem perpetuum mobile genau auf gleicher Stufe steht.