Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Victor Blüthgen
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Vielleicht?!
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 827
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1879
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[825]
Die Gartenlaube (1879) b 825.jpg

„Ob ich’s erreiche?“
Nach seinem Gemälde auf Holz gezeichnet von Prof. Struys.

[827]
Vielleicht?!
(Vergl. das Bild auf S. 825.)

Ein ärmlich Stübchen unterm Dach:
Drin lehnt der junge Musikant;
Es streicht der Saiten Zauber wach
im Bogenzug die schmale Hand.
Das rauscht und flüstert, perlt und singt
Schon seit dem frühsten Morgenlicht:
Ob er’s erreicht? Ob er’s erringt?
Vielleicht – o Gott: vielleicht auch nicht

An kahler Wand ein Lorbeerkranz,
Der Preis für seiner Jugend Müh’,
Verwelkt nun; stumpf der Blätter Glanz;
Der stolze Kranz, er kam zu früh.
Schier endlos dehnet sich der Gang
Zum Ziel, das höchsten Ruhm verspricht,
Ihm wird so schwül, ihm wird so bang:
Vielleicht – o Gott: vielleicht auch nicht!

Beim Lorbeerkranz ein Mädchenbild,
Mit Sternenaugen, gleich der Nacht.
Ein Lächeln weich und gnadenmild
Umschwebt der dunklen Lippen Pracht.
In seine Seele fiel ein Strahl
Von diesem Engelsangesicht:
Dereinst – vielleicht dereinst einmal!
Vielleicht – o Gott: vielleicht auch nicht!

Ein roh Geschirr auf rohem Tisch –
Es trug sein kärglich Morgenbrod.
Längst schwand die Wange jugendfrisch;
In hohlen Zügen haust die Noth.
Doch einst – – dem Ruhm ein Fürstenkleid
Zu weben hält die Welt für Pflicht –
Geduld – vielleicht nur kurze Zeit!
Vielleicht – o Gott: vielleicht auch nicht!

Und hast’ger geigt die schmale Hand,
Und heißer brennt der tiefe Blick – –
Das ist der Traum im Wüstensand,
Der Traum von künft’gem Künstlerglück!
Und ob so oft die Hoffnung dorrt,
Wie Kraft im Fieberringen bricht –
Fort lebt das dunkle Marterwort:
Vielleicht – o Gott: vielleicht auch nicht!

Victor Blüthgen.[1]
  1. Aus des Verfassers soeben erscheinender Weihnachtsgabe: „Gedichte“ (Leipzig, Edwin Schloemp).