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Titel: Vermißten-Liste
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aus: Die Gartenlaube, Heft 41, S. 705–706
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[705] Vermißten-Liste. (Fortsetzung aus Nr. 42 des Jahrg. 1887.)

137) Der Bäcker Johann Gustav Karl Rödling, geb. am 3. Januar 1850 zu Apolda, ging im November 1876 von Weimar fort. Im Jahre 1880 ist er in Bremen gesehen worden, und man vermuthet, daß er sich noch dort oder in Oldenburg aufhält. Der Verschollene hat an der linken Hand drei verstümmelte Finger.

138) Ferdinand Püschel, Kaufm., geb. 1822 zu Leipzig, weilte vor etwa 35 Jahren längere Zeit in Triest, in Calcutta und Plymouth. Im Jahre 1869 kehrte er nach Leipzig zurück, verließ die Stadt aber wieder, um nach Dover zu reisen. Seitdem fehlen alle Nachrichten über ihn, und doch wären solche erbtheilshalber sehr erwünscht.

139) Der frühere Matrose Paul Sperling, geb. am 12. Dez. 1848 zu Posen. Den letzten Brief sandte er vom Fort Falkenstein bei Friedrichsort, woselbst er als Matrose diente, am 30. Januar 1876.

140) Der Sprachlehrer, Maler und Pianist Louis Heinrich Gustav O’Kelly, geb. zu Eisenach am 18. April 1838. Das letzte Lebenszeichen von dem Vermißten traf im Jahre 1877 aus Colchester in England ein.

141) Der Seemann Karl Adolph Hermann Grimm, geb. am 8. Febr. 1838 zu Hamburg. Er war an Bord eines Kriegsdampfers; die letzte Nachricht von dem Verschollenen kam im Febr. 1869 aus Rio de Janeiro in Brasilien.

142) Eine Mutter bittet herzlich um Auskunft über ihren Sohn, den Maschinentechniker Gustav Adolf Müller, geb. 24. August 1861 zu Buxtehude. Er trat im April 1883 eine Stelle in Medinas bei Tucuman in Argentinien an und arbeitete dann in Cordoba, Buenos Ayres, Rosario, Frias; sein letztes Schreiben, in dem er angiebt, daß er nach Chile wolle, datirt vom Oktober 1884 aus Mendoza.

143) Der Glaser Ernst Paul Gehre, geb. 13. März 1855 zu Crimmitschau, wanderte im Juni 1879 nach Brasilien aus. Von Antwerpen, wo das Schiff, auf dem sich Gehre befand, anlegte, traf noch ein Brief ein. Seitdem ist nur noch die glückliche Landung des Vermißten in Santos von anderer Seite gemeldet worden.

144) Der Kaufmann Jakob Straßburger, geb. 21. Juni 1862 zu Reilingen in Baden, lebte in Heidelberg; von dort machte er sich vor etwa 11 Jahren auf, um nach Angabe des Bezirkskommandos zur See zu gehen. Er soll dann anderen Mittheilungen zufolge auch verschiedene Male als Matrose die Fahrt nach Indien gemacht haben.

145) Der Tischler Friedrich Wilhelm Jacob, geb. 22. Sept. 1852 in Ebersbach in Sachsen, siedelte nach beendeter Militärzeit nach Hamburg über, von wo er mehrere Male als Feuermann die Fahrt nach Amerika unternahm. Ende März 1881 fuhr er nach Australien, woher er seine Ankunft in Sydney meldete. Seitdem sind alle Nachrichten ausgeblieben.

146) Jean Weber, geb. 19. März 1841 zu Hottingen b. Zürich, Reisetaschenarbeiter, hatte als Werkführer Stellung in London und Glasgow. Den letzten Brief schrieb er mit Datum vom 20. Sept. 1876 aus Dublin (Irland), seitdem hat die betrübte Gattin keine Nachricht wieder erhalten.

147) Der Strumpfsortirmeister Karl Wilhelm Jäger, geb. 12. Dez. 1815 in Oberlungwitz bei Hohenstein in Sachsen, wanderte im Jahre 1867 aus und ließ nichts mehr von sich hören. Einer Mittheilung von anderer Seite zufolge soll der Verschollene sich in St. Katharina in Brasilien aufhalten.

148) Damit an ihn ein kleines Legat aus gezahlt werden kann, wird der Weber Eduard Karl Prasse gesucht, der am 13.Oktober 1841 zu Warnsdorf in Böhmen geboren wurde und sich im Jahre 1879 nach Deutschland wandte.

149) Otto Heinrich Zöllner, geb. 29. September 1852 zu Bautzen, gelernter Kaufmann, unternahm mit der Barke „Pacific“ von Brake in Oldenburg aus als Schiffskoch eine Reise, welche die Häfen von Bahia, Rio, Valparaiso und Iquique berührte. Nach Europa zurückgekehrt, verließ Zöllner die Barke in Antwerpen. Die letzte schriftliche Mittheilung wurde der Mutter im Dezemb. 1884 von Falmouth aus.

150) Von seiner tiefbetrübten Mutter wird gesucht der Kaufmann Salmon Jonas, geb. 8. Oktober 1858 zu Weisenheim a. Bg. in der Rheinpfalz; er verließ am 22. Februar 1887 das elterliche Haus, um Weingeschäfte zu machen. Am 24. Febr. 1887 ist er noch in Eichholzheim in Baden gesehen worden, seitdem aber spurlos verschwunden. Jonas hatte dunkelbraunen Schnurrbart und schwarzes Haar.

151) Heinrich Theodor Gronau, geb. 15. Juli 1828 zu Dessau, hat als Kaufmann gelernt und war im Juli 1866 im Spandauer Militär-Choleralazareth als Gehilfe thätig. Im Spätsommer desselben Jahres ging er nach Berlin. Seit dieser Zeit ist von Gronau nichts mehr gehört und gesehen worden.

152) Der Schmiedemeister Josef Langenbacher, geb. zu St. Andrae v. d. Hagenthale in Oesterreich am 15. Juli 1830, reiste im Jahre 1868 nach Wien, hat sich dort am 20. Oktober 1870 zuletzt angemeldet und ist seitdem verschwunden. Des Vorgenannten Sohn hielt in der angeblichen Wohnung dort im Jahre 1883 Nachfrage, aber niemand im ganzen Hause kannte den Verschollenen.

153) Eine Mutter im Alter von 79 Jahren, erwerbsunfähig und lediglich von geringen Unterstützungen lebend, sucht ihren Sohn Karl Robert Schmidt, geb. 14. März 1843 zu Breitenbrunn im Königreich Sachsen. Derselbe war Tischler und ging als solcher auf die Wanderschaft. Später wandte er sich mehr der Bildhauerei zu, in der er 7 Jahre in Wien thätig war, dann fand er in Dresden Arbeit. Im Juli 1879 [706] verließ er die sächsische Residenzstadt wegen dort „gemachter übler Erfahrungen“ und siedelte nach Berlin über, woher er 14 Tage später zwei Thaler an seine Mutter schickte. Von da soll ihn eine Strikebewegung nach Hamburg getrieben haben, das er, wahrscheinlich um auszuwandern, verlassen hat. Schmidt war ein strebsamer, intelligenter Arbeiter seines Faches; die Mutter, welche große Stücke auf ihren Sohn hält, lebt der festen Überzeugung, daß sie mit Hilfe dieses Aufrufs in der „Gartenlaube“ ihren verlorenen Sohn wiederfinden werde.

154) Der Küfergeselle Michael Kohl, geb. 1. Febr. 1862 in Koblenz, wandte am 14. Dez. 1886 seinem Heimathsort den Rücken. Wohin sich derselbe begeben, der seiner Eltern einziges Kind ist, hat trotz der eifrigsten Nachforschungen und erlassenen Aufrufe nicht ermittelt werden können. Der Vater nimmt in tiefer Betrübniß an, daß, wenn sein Sohn nicht verunglückt ist, derselbe unter Führung eines anderen Namens in die französische Fremdenlegion oder in die holländische Armee eingetreten ist. Ermittelungen bei den deutschen Gesandtschaften in Paris und Rotterdam hatten keinen Erfolg.

155) Der Matrose Julius Wilhelm Ferdinand Wiedekowsky, geb. 18. Januar 1831 zu Wollin in Pommern, schiffte sich im Jahre 1847 von Stettin nach Livorno ein und unternahm später die Reise nach China, wo er seit Jahren in Lotsendiensten stehen soll. Die letzte Nachricht kam im Jahre 1848 von Livorno. Wiedekowsky wird von seiner Schwester gesucht.

156) Der Webermeister Emil Eugen Rudolf Streubel, geboren 24. Sept. 1868 zu Braunau in Böhmen, von Statur mittelgroß, dabei schlank; Haltung nach vorn geneigt, das Gesicht regelmäßig, Augen blau und groß, Brauen schön, das Kopfhaar lichtbraun und sehr üppig, die Vorderzähne des Oberkiefers etwas nach auswärts gebogen, Sprache in leisem Thone, ist verschollen. Als er am 30. August 1885 das Elternhaus verließ, hatte er unter anderem eine silberne Ankeruhr mit Kette und einen goldenen, nicht gravirten Siegelring bei sich. Er gab an, nach Reichenberg fahren zu wollen, um dort Garderobe, Bücher etc. einzukaufen. Seitdem ist Streubel verschollen. Die Ungewißheit über das Schicksal des jungen Mannes lastet schwer auf der Familie.

157) Der Schreiner und Bergmann Friedrich Wilhelm Steinhauer, geb. 5. Sept. 1853 zu Bergneustadt, Kr. Gummersbach, wollte Pfingsten 1874 nach Mülheim a. d. Ruhr, um in einer Kohlengrube für Tagelohn zu arbeiten. Einige Tage darauf jedoch schrieb er aus Holland in einem Brief, daß er es vorziehe, sich der ihm bevorstehenden Militärdienstzeit durch die Flucht zu entziehen. Seine Mutter, jetzt eine alte und kränkliche Frau, warnte ihn in einem Brief, der aber unbeantwortet blieb. Die letzte Nachricht traf dann vor etwa 11 Jahren aus Holland und Belgien ein, laut derselben wollte der Verschollene nach der Türkei.

158) Ohne daß seine Angehörigen eine Ahnung davon hatten, verließ der stud. phil. Tilemann Wiarda aus Emden am 14. Dez. 1885 Jena. Die bekümmerte Mütter richtet an jeden, der etwas über das Schicksal ihres Sohnes weiß, die herzliche Bitte, der „Gartenlaube“ Nachricht zu geben.

159) Der Maschinentechniker Robert Götze, welcher 1. Mai 1856 in Döben bei Grimma in Sachsen geboren wurde und die letzte Nachricht vor etwa 5¼ Jahren aus Baku am Kaspischen Meere dem Seelsorger seines Geburtsortes gegeben hat, wird von seinen Eltern gesucht. „Seine kranke Mutter möchte vor ihrem Ende doch wissen, unter welchem Himmelsstrich ihr Sohn lebt.“

160) Nathan Nathan, genannt Ludwig Hauser, geb. 16. Febr. 1854 zu Wollstein in Posen, schrieb vor ungefähr drei Jahren aus Perth (Australien), daß er Inhaber eines Pfandleihhauses und Garderobegeschäftes sei, daß es ihm gut gehe und er beabsichtige, im Jahre 1887 nach Berlin zu kommen. Seitdem fehlt Jede Nachricht von Nathan, der sich auch in Berlin noch nicht hat sehen lassen. Die Mutter des Verschollenen hat sich verschiedene Male an das deutsche Konsulat in Perth gewendet, aber nichts in Erfahrung bringen können.

161) Eine ganze Familie gesucht! Ernst Groeßt, Handarbeiter und Bäcker, geb. 16. Juli 1856 zu Berlin, wanderte nebst Frau und Töchterchen im Mai 1883 nach Brasilien aus und hielt sich längere Zeit in Bahia, Para und zuletzt in Rio de Janeiro auf, wo sie „4 Rua da Alfandega“ wohnten. Seit beinahe 3 Jahren ist der besorgten Mutter des Mannes, die sich nach einer Mittheilung über ihre Kinder und ihr Enkelchen sehnt, keine Nachricht mehr zugekommen.

162) Carl Gustav Alfred Püschel, geb. zu Niederhermsdorf bei Waldenburg, Regb. Breslau am 26. August 1861, begann seine Laufbahn als Seemann auf der norweg. Bark „Appia“; seine Reisen führten ihn nach Nordamerika, Norwegen, Rangun in Hinterindien, England etc. Die letzte Nachricht kam aus Philadelphia im August 1881. Der Gesuchte hat sich dann zu wiederholten Malen bei Verwandten um die Adresse seiner inzwischen nach Brasilien ausgewanderten Eltern bemüht, dieselbe aber nicht erhalten können. Die Eltern, die das erst später erfuhren, haben nun der „Gartenlaube“ ihren Aufenthaltsort angegeben und bitten ihren Sohn inständigst, ihn da zu erfragen und ihnen baldigst zu schreiben.

163) Am 1. Nov. 1886 verließ die Messerschmiedsfrau Wilhelmine Peter geb. Nölting aus Steinbach in S.-Meiningen, geb. 28. Jan. 1837 zu Großenberkel b. Hameln, ihre Wohnung und ist bis heute noch nicht zurückgekehrt. Sie ist von Statur mittel, die Haare schwarz, Nase spitz, der Mund klein. Die Verschollene war tiefsinnig angelegt und schon früher oft Monate lang von Hause weg, indem sie mit Messern hausirte. Im Dezember 1886 soll sie sich noch in Cassel aufgehalten haben, aber alle Aufrufe in verschiedenen Zeitungen haben sie nicht nach Hause zurückgeführt.

164) Heinrich Tannert, Friseur und Barbier, geb. 11. Juni 1851 zu Trautenau in Böhmen, schloß im Juni 1887 sein Friseurgeschäft, dem er in Zürich vorstand, und sandte noch von dort eine Kiste mit Geschäftsutensilien an seine Kinder ab. Seit dieser Zeit sind keine Nachrichten mehr von ihm gekommen. Schon im Jahre 1884 ging der Verschollene nach New York und soll sich dort ein Bürgerpapier (?) haben ausstellen lassen, das er später wieder zu gebrauchen hoffte. Mittel kann Tannert bei seinem Weggang von Zürich kaum gehabt haben; trotzdem kam von anderer Seite die Nachricht, der Verschollene habe nach Australien gehen wollen. Nachforschungen dort aber haben festgestellt, daß der Name „Tannert“ in den Auswandererlisten nicht vorkommt.

165) Die beiden Brüder, der Maurergeselle Johannes nunmehr 78 und der Schmiedegeselle Georg Schölpple 64 Jahre alt, geb. zu Scharnhausen bei Stuttgart, sind in den Jahren 1844/46 nach Amerika ausgewandert; Johannes nebst Frau und Kindern, Georg noch unverheirathet. Der in Leipzig lebende Bruder bittet dringend um Nachricht über den Verbleib der Verschollenen.