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Textdaten
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Autor:
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Titel: Professor Wilhelm Engelhard
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 41, S. 704–705
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1888) b 689.jpg

Die für den Justizpalast in Hannover modellirten Statuen von W. Engelhard.

[704] Professor Wilhelm Engelhard. (Mit Illustration S. 689.) Wenn einer unserer lebenden Bildhauer es verdient, über den Kreis der Fachgenossen hinaus bekannt zu werden, so ist es Professor Wilhelm Engelhard in Hannover, der Schöpfer der beiden trefflichen Figuren der freisprechenden und der verurtheilenden Justiz, welche im Holzschnitte die vorliegende Nummer unseres Blattes schmücken. Aber nicht jedes Verdienst wird von den Zeitgenossen anerkannt, beziehungsweise erkannt, und Professor Engelhard ist dem großen Publikum bisher fast ganz fremd geblieben, wenn auch die Fachgenossen seine geniale Begabung schon lange gewürdigt haben. Erst in neuester Zeit suchen einzelne Berufene den allzu bescheidenen Künstler größeren Kreisen vertraut zu machen und die C. R. Stollesche Hofbuchhandlung in Harzburg erwirbt sich das Verdienst, durch eine Prachtausgabe von photographischen Abbildungen der Schöpfungen des Meisters diesen dem allgemeinen Verständniß näher zu rücken. Nach zweien dieser Photographien sind unsere obengenannten Holzschnitte hergestellt und auch sie möchten an ihrem Theile dazu beitragen, dem Künstler den wohlverdienten Lorbeer zu erringen.

Der Lebensgang desselben ist nicht ohne Interesse, wenn er auch sensationelle Wendungen keineswegs aufweist. Friedrich Wilhelm Engelhard wurde am 9. September 1813 in Grünhagen bei Lüneburg geboren; er begann, herangewachsen, zuerst mit der Elfenbeinschnitzerei. Die Königin Friederike von Hannover, welche das Talent des Jünglings erkannte, veranlaßte ihn, sich ganz der Bildhauerei zu widmen. Engelhard ging 1840 nach Kopenhagen, um sich unter des großen Thorwaldsen Leitung in dieser Kunst auszubilden. Er war des Meisters letzter Schüler. Nach Verlauf einiger Jahre begab sich der junge Künstler nach München, wo der berühmte Schwanthaler sein Führer und Lehrer ward. Engelhard blieb 6 Jahre in München und wurde Schwanthalers „rechte Hand“. In München schuf er seine erste Figur von Bedeutung: einen „Germanen“, daneben aber noch mehrere, wie die später sehr bekannt gewordene „Loreley“ und das herrliche Reiterstandbild „Heinrich der Löwe“. Daneben bildete sich der junge Künstler auch in der Malerei aus. Sein schöpferischer Drang war stets auf das Große, Heldenhafte, Erhabene, Deutsche gerichtet. So erscheint es auch natürlich, daß sich Engelhard mit seinem ganzen Fühlen und Denken in die nordische Götter- und Heldenwelt hineinversenkte. In München wurde noch kurz vor Schwanthalers Tode Engelhards Hauptwerk, der „nordische Fries“, fertig und der Meister rieth seinem Jünger, damit nach Schweden zu gehen. Engelhard blieb aber in Hamburg, woselbst er viele Aufträge erhielt, verheiratete sich mit einer hochgebildeten jungen Dame und trat nun die Reise nach Rom an. Im Jahre 1857 siedelte der Meister nach Hannover über, wo er im Kreise seiner Familie in glücklichen Verhältnissen lebt.

Engelhards Schaffenskraft ist eine schier unversiegbare; er hat gegen 100 Gruppendarstellungen und Einzelfiguren geschaffen und in allen [705] seinen Werken hat er sich als ein vollendeter Meister bewährt. Welche lebensvolle Plastik tritt uns z. B. nicht in seinen Figuren der verurtheilenden und der freisprechenden Justiz entgegen, welche Lieblichkeit in der Form, welches Leben in der Haltung! Engelhards Hauptverdienst aber bleibt, daß er der bildenden Kunst einen ganz neuen Typus gewonnen hat. Die Gestalten der germanischen Götterlehre für die bildende Kunst zu erobern, ist wegen der geringen Plastik derselben eine schwierige Aufgabe; Engelhard hat sie glücklich gelöst; er hat in dem „nordischen Fries“ ein national-deutsches Meisterwerk geschaffen. Einmal ist dieser Fries, und zwar an dem Hause des Herrn Oberst von Tiele-Winkler in Berlin (Regentenstraße), zur Ausführung gelangt; aber sehr zu beklagen bleibt es, daß die von Kaiser Wilhelm I. angeordnete Ausführung in Marmor bis jetzt unterbleiben mußte, weil – kein Platz für das Werk zu finden war! Möchte doch endlich diese „Platzfrage“ erledigt und dem deutschen Volke ein großes Kunstwerk mehr gegeben werden!