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Titel: Turkmenischer Fahnenträger
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 48, S. 816–817, 820
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Lebensweise der Turkmenen
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[816–817]
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Turkmenischer Fahnenträger.
Nach einem Gemälde von F. Roubaud.

[820] Turkmenischer Fahnenträger. (Zu dem Bilde S. 816 u. 817.) Jenseit des Kaspischen Meeres erstreckt sich im fernen Osten eine weite weite Ebene, halb Wüste, halb Steppe, mit einem rauhen Klima und armseligen Pflanzenwuchs. Glühender Sonnenbrand liegt auf ihr im Sommer, und klingender Frost und Schneestürme machen sie im Winter unwirthlich. Wir stehen hier auf einem Boden, der seit Jahrtausenden nomadisierenden Räuberhorden als Tummelplatz und Heerstraße diente. Als das Wort des Propheten, der seine Gläubigen das Paradies mit dem Schwerte erobern läßt, in diese Gebiete drang, da hatten die heidnischen Bewohner, die Turkmenen, schon längst in echt türkischer Art gehaust. Die Turkmenen leben in einzelne Stämme getheilt, die einander befehden und sich nur dann zusammenschließen, wenn es gilt, ein Nachbargebiet zu plündern. Die Leute sind faul; selbst in Oasen wie in Merw, wo es Wasser im Ueberfluß und viel guten Boden giebt, wird nur das gebaut, was die geringste Arbeit erfordert, gerade soviel, daß der Mensch nicht Hungers stirbt. Die Schafzucht in der Steppe bringt auch kein Vermögen ein und so ist hier von der bunten orientalischen Pracht nichts zu sehen, wie malerisch auch aus der Ferne ein Trupp Reiter in den langen schlafrockähnlichen Gewändern und mit den Lammfellmützen erscheinen mag. Nicht einmal ein gutes Handwerkszeug haben diese Räuber für ihre Zwecke, das Pferdematerial ist mittelmäßig, gute Flinten sind äußerst selten, ja zumeist führen die Nomaden nur den Säbel als einzige Waffe. Aber trotzdem sind sie gefährliche Gegner. Das Sprichwort: „Zu Pferde kennt der Turkmene weder Vater noch Mutter“, lügt nicht; er schont nichts, um nur Beute zu erlangen. Persien war bis vor kurzem das Gelobte Land, nach dem die Turkmenen sehnsüchtig hinüberzuschauen und eifrig hinüberzureiten pflegten. Von dort holten sie sich verschiedenes, namentlich Geld, Pferde und schmucke Perserinnen; denn der Menschenraub gilt bei ihnen als erlaubt und die Sklaverei hat Gesetzeskraft.

Ein Raubzug heißt in der Sprache der Turkmenen „Alaman“, und gegen Persien pflegten sie Alamans in großem Stile zu unternehmen. Da wurde ein „Serdar“, d. h. ein Führer gewählt, die blutige Fahne des Islam hervorgeholt; ein Reitertrupp nach dem andern erschien am Sammelort, und dann konnte man in der flachen Steppe eine stolze Heerschau erblicken, wie sie der Maler auf unserem Bilde wiedergegeben hat.

Die Zeiten haben sich indessen geändert. Die Russen rückten in die turkmenischen Steppen vor, zogen 1884 in Merw ein und die Nomaden beugten sich vor ihrer Macht. Durch ihre Gebiete schnaubt das Dampfroß, welches die militärischen Züge bis Samarkand führt. *