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Topographia Superioris Saxoniae: Merseburg

Topographia Germaniae
Merseburg
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 136–138.
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Merseburg.

Von dieser Bischofflichen / aber jetzt auch Churfürstlich-Sächsischen Statt / schreibet Herr Augustin / Freyherr zu Mörsperg vnd Beffort / in seinen Reysen also: diese Statt ist ziemblich lustig vnd schön / aber von alten Häussern. Liegt an der Sala. Ist bey den Heyden der fürnehmbsten Stätte eine gewesen in Sachsen / wie an etlichen Antiquitäten zusehen: sonderlich an einen Postament von einer Saul / vff welcher ihr Abgott Mercurius gestanden / etc. Dresserus in seinem Stättbuch / p. 439. sagt / daß Merseburg / in Ansehung Meissen / weil solche Statt vber dem Wasser Sal gelegen / zwar ein Thüringische Statt seye; könne aber von Sachsen / wie auch Hall / nicht außgeschlossen werden; weilen Meissen selbsten der Zeit nicht für einen geringen theil deß Sachsen Landes gehalten werde. Vnd seye Merseburg weder von Marso, der Teutschen König / noch von Iulio Caesare; oder den Römern; sondern vielmehr vom Gerwig / oder Meroveo, der Francken König / welcher auch vber die Thüringer geherschet / erbawen worden: Carolus M. habe die Kich S. Iohannis deß Evangelisten ( mit dem Closter der regulirten Mönche / da erbawet. Welches letztere auch Werdrnhagen part. 3. c. 7. Rer. Hans. fol. 231. col. 1. schreibet: der sonsten in dem 5. Capitel zu lesen / ob auch jemals allda ein Pfaltzstatt / oder Palantia, gewesen; vnd cap. 2. ob allhier die Irmenseul / Idolum Martis; oder aber in Westphalen / gestanden? Ernestus Brotuff hat ein eygne Chronic von dieser Statt geschrieben / die Georgius Hahn continuirt hat. Aber solche ist mit Verstand zu lesen. Dann Er Brotuff den Römern darin gar zuviel einraumet. Die Teutsche haben weder dem Druso, noch andern Römischen Obristen / in dem innern Teutschland / so viel Platz gelassen / daß sie allda Castell / vnd Stätte / solten haben anrichten / oder [137] dieselbe behaupten können. Obgedachter Werdenhagen ziehet / am 210. Blat / den Petrum Albinum an / welcher in Progymnas. histor. Saxon. p. 70. schreibe / daß Merseburg auch von dem obangezognem König Merovigo nicht / sondern von dem nidrigen Orth / den Nahmen habe. Sie liegt zu friedens Zeiten gar wol / weilen da die Gräntzen Sachsen / Thüringen / vnnd Meissen seyn; daher auch allhie ein beruffener Jahrmarckt von dem 1007. Jar Christian / biß auff das 1280. gewesen; da eine grosse Fewersbrunst / weil ein Schlosser vnvorsichtiger Weise ein Rohr loß geschossen / gerad im Marckt auff S. Iohannis deß Täuffers Fest / entstanden; davon die gantze Statt angesteckt worden / vnnd die Kauffmans Wahren / die darinnen gewesen / mit verbrand seyn. Deßwegen sich die Kauffleuthe von dannen gen Grimmen / folgends gen Taucha / vnnd endlich auff Leipzig begeben haben. Das Wässerlein Geyssel / oder Gysila, laufft dardurch. Die Stattmawer / sampt den / 7. Thürnen / ist von hübschen / natürlichen / vesten Quadratsteinen. Der Dom / oder Bischoffliche Hauptkirchen / zu S. Lorentzen / vom Keyser Henrico II. erbawt / ist da insonderheit zu sehen / in welcher Hertzog Rudolph in Schwaben begraben liegt / der sich / durch den Papst / vnnd desselben Anhang / auffwicklen lassen / daß er Trewloß an seinem Herren / Keyser Heinrichen dem Vierdten / worden ist. Welchen zwar einer / der sonsten / vnnd den newisten Historienschreibern / kein vngeschickter Mann ist / auß Liebe zum Papst / gewaltig verthädigt / vnd den Sieg / den Andere dem Keyser Heinrichen geben / diesem auffgeworffenen König Rudolpho zueygnet; vnnd nicht zugeben wil / daß Er / weil Er seinen rechten Arm in der Schlacht verlohren / es für eine Straff gehalten habe. Dieses Rudolphi Grabschrifft setzen gedachter Brotuff lib. 1. c. 11. vnd Spangenberg in der Manßfeldischen Chronic / ca. 202. Es hat vor Zeiten auch eygene Graven allhie gehabt / auß denen der letzte Esico, deß Geschlechts der Graven zu Wetin gewesen / deme auch das Schloß Gebichenstein bey Hall gehört / welches / nach seinem Tode / Keyser Heinrich der Ander dem Stifft Magdeburg Anno 1007. geben hat. Im Jahr 933. ward die grosse Schlacht mit den Vngarn / nahend dieser Statt / gehalten / in welcher Keyser Heinrich der Erste obgesiegt hat / vnnd von der besagter Brotuff im gedachten 1. Buch / am 15. Capitel / weitleufftig handelt.

Anno 968. ward ein Thurnier allhie gehalten. Anno 1589. den 23. Febr. kam da ein Fewer auß / daß bey 40. Häuser davon abgebronnen. Im nächsten Teutschen Krieg / hat diese Statt viel außgestanden / vnd ist erstlich Anno 1631. vom Tilly / hernach ein weil von den Schwedischen / ein weil von den Chur-Sächsischen / vnd Keyserischen / eingenommen worden: wie davon in den Relationen / sonderlich in dem Theatro Europaeo Meriani, hin vnd wider zu lesen. Dann / wegen der Saal / vnd der Elster / (so nicht weit davon laufft) vnd auch der Statt Hall / so 2. oder 3. Meylen von hinnen liegt / es den Soldaten ein bequemer Ort ist. Es führet die statt / in ihrem Wappen / einen springenden schwarztzen Löwen in weissem Schild.

Was das Bisthumb allhie vom Keysere Ottone I. gestifftet / anbelangt / so schreibet offtangezogner Nehel / am 257. Blat / also: Merseburg hat / beneben dem Schloß / vnnd Domb / auch ein Vicariat-Stifft zu S. Sixt, in der Statt. Die Aembter auffm Lande sind. 1. Schkeuditz. 2. Lützen / mit den Gerichtsstülen / Marck Ranstadt / vnd Eißdorff. 3. Zwenckau. 4. Lauchstädt / mit demf Flecken Schaffstädt. Das berümbteste Closter in diesem Stifft ist S. Peter bey Merseburg / auff der Altenburg. Vnnd so viel sagt Nehel / an einem Orth. An einem andern aber / namblich p. 239. also: Merseburg die Statt liegt zwar jenseit an der Saal / ist aber vor Zeiten mit in Sachsen gesetzt worden / vnnd hat das Bistumb die meisten Gütter an der Pleiß / vnd Elster / im Oster-Lande / nur Lauchstedt jenseit / ist erst vber lang darzu kommen. Ferners ist zu wissen / daß der erste Bischoff allhie ist Boso, einer von Adel [138] auß Bayern / vnd Mönch zu S. Emeran, gewesen / der / nach dem er viel Wenden an der Mulda vnnd Elster zum Christlichen Glauben gebracht / Anno 970. gestorben. Der vierte Bischoff war Theodomarus, oder Ditmarus, ein Sächsischer Graff / welcher eine Chronic von Keyser Otten deß Ersten Regierung an / biß auff Henricum II. inclusivè, geschrieben hat: Er ist gestorben Anno 1023. der 42. Bischoff allhie ist gewesen Fürst Adolph von Anhalt / im Jahr 1514. welcher die Juden auß der Statt vertrieben / so gleich nach der Zerstörung Jerusalem / allda ihre Wohnungen gehabt haben sollen / wie Dresserus schreibet. Siehe oben Leipzig. Der 45. ist Hertzog Augustus zu Sachsen An. 1544. vnnd dessen Coadiutor Fürst Georg von Anhalt gewesen. Vnd ist zur selbigen Zeit das Consistorium allhie angerichtet worden. Der 46. Bischoff war Michael Heldingus Sidonius Anno 1549. der das Interim schmieden helffen / vnnd biß ins Jahr 1561. Bischoff verblieben ist. Vnd ob er wol Römisch Catholisch / so hat er doch die Augspurgische Confession nicht abgeschafft. Nach seinem Todt hat der Churfürst von Sachsen solches Stifft verwalten lassen / vnnd ist Herr Johann Georg / Hertzog zu Sachsen Anno 1592. Der 50. Bischoff allda worden: welcher hernach auch die Churfürstliche Würde erlanget / vnnd solches Bistumb biß daher verwaltet hat.

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Merßburg (Merian).jpg