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Topographia Superioris Saxoniae: Freyberg

Topographia Germaniae
Freyberg (heute: Freiberg)
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Freyburg
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 83–85.
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[83]
Freyberg.

Ein berühmbte Statt in Meissen / vnd desselben Ertzgebürgischen Creysse / bey der Mulda / gelegen; davon Herr Augustin / Freyherr zu Mörßberg / vnd Beffort / Ritter deß S. Johanns Ordens / in seiner Raiß-Beschreibung / im Jahr 1589. also schreibet: Freyberg ist ein schöne grosse Bergstatt / fast gar in die Runde gebawet / Volkreich / sonderlich von Bergknappen: dann es etlich hundert Ertzgruben vmb die Statt hat / von allerhand Metall / doch am meisten Silber / Kupffer / Zinn / vnd Bley / davon diese Statt / vnnd der Churfürst Jährlich grossen Nutzen hat. Vnter andern Kirchen ist gar ein groß / vnd schöne / zu sehen / darinn viel Bildnuß / vnnd Gemälde / vnnd ein so gar künstliche Cantzel / dergleichen nicht zu finden / formirt wie ein weisse Lilien / oder Rosen / mit einem Stiehl vnden hinauß / so von einem Mann getragen wird darbey. Ist alles auß Stein / vnnd durchsichtig gearbeitet / vnnd viel Kunst daran. In dieser Kirchen haben die Churfürsten ihr Begräbnuß / in einer sonderbaren Capell / hoch vnnd zierlich erbawt. Ist ein grosses erhobenes Grab mit allerhand Bildern / etc. auß buntem Marbel. In solchem liegen die alten Churfürstem: Item Churfürst Moritz / vnnd seine Nachkommen / vnd Andere Fürsten; wie auch ihre Gemahlin. Vnder andern Waffen / Schwertern / vnd Fahnen / hengt auch (besagten) Churfürsten Moritzes Harrnisch / oder Rüstung / daran der Schuß am Rucken zu sehen / darüber er auch gestorben. Vnd dieses sagt wolgedachter Herr. Dresserus in seinem Stättbuch pag. 256. seqq. G. Braun in tom. 2. Theatri Urbium, P. Bertius lib. 3. Rer. German. pag. 535. Laur. Peccenstein part. 3. Theatri Sax. fol. 14. seqq. Caspar Ens in deliciis apodem. per Germaniam, p. 285., vnd Munsterus lib. 5. c. 394. der letzten Edition in Anno 1628. melden / daß diese Statt an dem Gebürg / so Böheimb / vnnd Meissen leidet / gelegen; ziemblich groß / vnd mit schönen steinern Häusern wol erbawet seye. Man habe An. 1540. zur Zeit Hertzog Heinrichs in Sachsen 32763. Seelen / so vber 12. Jahr alt gewesen / allhie gefunden. Die Lufft seye gesund / vnnd rein / habe zween Plätz / oder Märckt; Auff dem alten stehe der Domb / oder die Stifftskirche zu vnser Frawen / auß dem Schneebergischen Bergwerck / vom Hertzog Albrechten zu Sachsen erbawet / die An. 1480. geweyhet worden. Im Jahr 1606. waren allbereit in derselben Capell 21 . monument der Chur- vnd Fürsten zu Sachsen / zu sehen / welche von allerley Farben Marmol / mit in Messing gegossenen Bildnussen / seyn / davon deß M. Michalis Hempelii eygnes / Anno 1604. zu Leipzig außgangenes / Büchlein zu lesen. Im Altar derselben Capell sey ein rohter Marmol schön polirt / in welchem man die Leuthe / so sich davor praesentiren / auff dem Kopff stehen siehet. Es seyn sonsten auch andere Kirchen allhie / als die zu S. Peter / zu S. Nicolao, vnnd die zu den Nonnen S. Mariiae Magdalenae, sonsten das obere Closter genant. Es ist auch da ein PredigerCloster / so das Vntere genant wird /Anno 1210. fundirt: Item ein Franciscaner Closter An. 1223. angerichtet. Von andern Sachen seyn / vor dem nechsten Krieg / da zu sehen gewest / das Rahthauß / das Kornhauß / die Müntz / Badstuben / Kuttelhoff / Mühle: vnd vor der Statt der Gotts-Acker / Büchsengießhauß/ Schießplan / Teiche / vnnd anders mehr. Es fliesset durch die Statt der Müntzbach / die obbesagte Mulda aber / so nicht weit davon lauffet / bringet ihr das Holtz auß Böheimb. Vor S. PetersThor ist ein Bronne / dessen Wasser gut wider den Außsatz. Den Churfürstlichen Hoff / oder Schloß allda / hat Churfürst Augustus gantz ernewern / vnd mit Fürstlichen Gebäwen zieren lassen. Es hat vor diesem deß Silberbergwercks halber reiche Leuth allhie geben; welches / wie es Anno 1169. oder 1171. allda auffkommen / Georgius Agricola in lib. de veteribus et novis metallis, obbesagte Braun / vnnd Bertius, zu lesen [84] seyn. Vnd wurde darauff diese Statt Anno 1174. vom Marggraff Otten zu Meissen zu erbawen angefangen: die auch vom Bergwerck den Nahmen bekommen: wie die Verß lauten:

Fribergam Indigenae claro de nomine dicunt,
Libera de fossis quasi ferres munera terris.

Sie liegt 4. starcke Meyl von Dresden: darzwischen ein steinicht bergichter Weg/ vnnd sonderlich vom Dorff Hirschwald auß / so 2. Meylen von Dresden liegt / zween hohe Berg seyn.

Es haben sich in dieser Statt auch allerhand denkwürdige Sachen begeben; deren wir etliche erzehlen wollen. Anno 1260. hat ein Schuler allhie einen Schwartzkünstler bestelt / damit er / durch seine Hülf / seine böse Begierde mit einer Jungfrawen erfüllen möchte. Als er nun in einen Keller von ihme geführt worden / ist der Teuffel in der Jungfrawen Gestalt erschienen / hat den Jüngling genommen / vnd an die Wände geschlagen / vnd zerknirscht / vnd todter auff den Schwartzkünstler geworffen. Anno 1296. hat diese Statt Keyser Adolphus, nach 16. Monatlicher Belagerung / durch Verrähterey eines Jünglings / so ihme den Weg / durch eine Rinnen deß Bachs / gewiesen / erobert. Dem Keyser Alberto I. hat sie sich hernach auch ergeben müssen: Aber / nach dieses Tode / ward sie von Marggraff Friederichen mit Gewalt wider erobert / vnd mit den Keyserischen Soldaten darin vbel verfahren; vnd hat sie / die Statt / kaum / bey Regierung Keyser Ludwigen deß Vierdten / sich wider erholt; wiewol der Boden herumb schön / vnnd fruchtbar / vnd ein gemeines Sprichwort ist / daß man sagt: wann Leipzig mein were / so wolt ich das zu Freyberg verzehren; dieweil alles da voll auff / vnnd wol zu bekommen ist.

An. 1375. vnd 1386. ist die gantze Statt / mit allen Kirchen / verbronnen. An. 1471. ist in der Brunst allein der Dom / vnnd die Meißner Strasse / oder Gasse / vberblieben. Es solle aber diese Brunst von einem Becken herkommen seyn / welcher in seinem Ofen anzünden / vnd da das Fewer nicht brinnen wolte / gesagt haben; brinn in aller Teuffel Nahmen / darauff das Fewer angangen / vnd sich so weit ausgebreitet hat; wie besagter Dresserus p. 259. seq. schreibet.

Anno 1484. seyn allhie 400. Häuser verbronnen. Anno 1537. ist die letzte Meß allda gehalten worden. Anno 1545. solle sich die nachdenkliche Geschicht allda mit dem Sohn begeben haben / welchem der Vatter / weil er vber die gebührliche Zeit aussen geblieben / daß er an dem Ort / da er stehe / allzeit stehen bleiben solte / gewünschet hat; welcher Wunsch auch wahr worden; vnd ob wol / nach 3. Jaren / Gott der Herr die Straff gelindert / daß er / an dem nahend gelegnem Ort / vier gantze Jahr hat sitzen können; So ist er doch niemehr in seines Vatters Hauß kommen; sondern in solchem Zustande / nach Verfliessung der sieben Jahr / in Erkandnuß / vnd Glauben vnsers Herrn Jesu Christi / im Jahr 1552. den 11. Septembris / gestorben; wie diese warhaffte Histori vmbständlich also erzehlet Georgius Richterus axiom. Occon. 19. pag. 99. vnd auch andere / als Andreas Hondorf. part. l. Promptuarii, sub 4. praecep. tit. daß es ein böse Gewonheit; vnd Iohan. Becherer in der Thüringischen Chronic / am Blat / davon geschrieben haben.

Anno 1632. den 5. Octobris ist diese Statt von dem Keyserisch-Friedländischen Volck mit Accord erobert; aber nach der Lützer Sehlacht / wider verlassen worden. An. 1639. belagerte der Schwedische General Feldmarschall Johann Banner dieselbe vergebens / wiewol er sich zum dritten mahl darvor gelegt: welches auch seinem Successori, dem Herrn Feld-Marschallen Leonhart Torstensohn / vom 27. Decembris Anno 1642. biß 17. Februar deß 1643. Jahrs begegnet / der davor darzu viel Volcks verlohren / vnnd vergebenen grossen Vnkosten auffgewendet hat; weilen der Commendant / oder Gebietiger darin / Georg Herman von Schweinitz / vff Romnitz / nicht zu bezwingen war; wie davon vmständlich in tom. 4. Theat. Europ. [85] fol. 956. seqq. sonderlich aber in Tom. 5. fol. 39. seqq. daselbst ein Dianum, was sich täglich begeben /) et 46. b. seq. zu lesen. Vnd bey diesen Belägerungen seyn auch die Vorstätte allhie darauff gangen.