Topographia Sueviae: Eßlingen

Topographia Germaniae
Eßlingen (heute: Esslingen am Neckar)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 69–70.
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Eßlingen.jpg
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Eßlingen.

Diese ReichsStatt am Necker / ein Meil von Stutgart / vnd 3. Meil von Tübingen / gelegen / hat jhren Nahmen von den Eyseklingen / wegen der Hämmer / so vor diesem in dem Neckerthal gewesen / allda die Hammerschmid bey Tag vnd Nacht sich haben hören lassen. Käyser Fridericus II. hat sie mit einer Mawren vmbgeben / vnd Anno 1215. oder 20. zu einer Statt gemacht. Der Lufft ist allda gut vnd gesund. Die drey Vorstätt machen sie groß vnd weit / in deren einer zwey Klöster / in der andern ein Kloster / vnd zwo grosse Brücken (darunter die eine 5. Gewölb / vnd 2. Thor / vnd die ander 7. Gewölb hat / ) vnd in der dritten Vorstatt zwey Klöster seyn / deren das eine zu S. Augustino, lang / weit / vnd gar starck / darinn ein gar lustiger Garten. Die fürnembste Kirch in der Statt ist zu S. Dionysio, darvon nicht weit der Spital / so vor dem Krieg gar reich gewesen / darinn einer vmb ein billiches ein stattliche Pfründe auff sein Lebenlang hat erkauffen können; ist auch darauß alle Wochen den armen Bürgern / so es begehret / Wein vnnd Brodt gereycht worden. Der Keller ist Achtfächig / darinn hundert vnd fünff Faß Wein ligen können / so alle groß / vnnd deren eins auffs wenigste viertzig Würtenbergische Eymer / oder sechstausend vierhundert Maß / vnd das gröste drey vnd siebentzig Eymer etwan gehalten; wie es dann einen herrlichen vnd grossen Weinwachs vmb die Statt hat / vnnd die Maß groß ist. An Wasser hat es auch keinen Mangel allenthalben in der Statt; vnd gute Brunnen. S. Mariae Kirchen ligt auff einem Hügel / darvor ein gesunder Brunnen stehet. Es seyn auch Klöster in der Statt / als das Dominicaner / da Fündelkinder erzogen werden. Item / das Franciscaner Kloster. Der Freyhoff deß Klosters Adelberg allhie / wird vnter die Freyungen in Teutsch-Land gezehlet / so Käyser Fridericus IV. Anno 1484. Maximilianus 1513. Carolus V. Anno 1552. vnd Ferdinandus I. Anno 1559. bestättiget haben. Das Rathhauß auf dem Marckt ist groß / vnd prächtig / darunter die Metzig / oder Fleischbänck seyn. Vnd ist der Rath der Augspurgischen Confession zugethan. Es war der Statt Reichs-Anschlag vorhin alle Monat zweyhundert vnd zwantzig Gülden / solle aber Moderation biß auff hundert vnd sechs vnd viertzig Gülden / viertzig Creutzer / erlangt haben. Vnd zu Vnderhaltung deß Käyserlichen Cammergerichts / nach dem erhöchten Anschlag / Jährlich 218. Gulden / den Thaler zu 69. Kreutzern gerechnet: Vor Jahren / ordinariè nur 131. Gulden / sechtzehen Kreutzer. Die Burger- oder Trinckstuben / auff besagtem Marckt / ist auch fein erbawet. Es hat die Statt etliche Thor / als das Obere / Blienser / Mettinger / (darbey ein ansehenliche Mühlen ist) Beittenthor / Lantelerthor / Vogelthor / Scheltsthor / etc. Vnd werden die obgedachte drey Vorstätt genandt: Die Erste / die Obere / gegen OberEßlingen / einem Würtenbergischen Flecken: Die Andere / Bliensen / oder Blasianum gegen Tübingen: Vnd die Dritte / Beiten / so drey Thor hat. Käyser Henricus IV. hat da Anno 1077. einen ReichsTag gehalten. Anno 1360. oder 1361. [70] als Käyser Carolus IV. vnd die Fürsten allhie einen Reichstag hielten / vnd in dem Refectorio deß Franciscaner / oder Minoriten Klosters / zu Rath sassen / haben die Bürger eine Auffruhr wider sie erwecket. Der Käyser hat sich mit der Flucht salviert / vnd Graf Eberharden von Würtenberg die Rach anbefohlen: Darüber die Statt belägert worden / gleichwol aber / vermittelst ein hundert tausend Gülden / endlich den Frieden erhalten hat. So ist vorhero Anno 1315. vnd 1316. dise Statt zweymal vom Käyser Friderico III. belägert worden / weil sie es mit seiner Widerpart / Käyser Ludwigen auß Bäyern / gehalten: Er muste aber beydesmal vnverrichter Sachen abziehen. Anno 1449. hat Graf Vlrich von Würtenberg der Eßlinger Weingärten / vnd was vor der Statt war verderbet / auch das folgende Jar jhre Dörfer angezündet. Anno 1555. haben sich die Herren Camerales von Speyer / wegen der Pest / hieher begeben. Es hat Eßlingen zu befreyten Richter die Stätte Vlm / Reutlingen / vnd Heylbrunn / also / daß es in deß Klägers Willkühr stehet / eine auß diesen Dreyen zuerwöhlen / da er seine Sache wider den Rath allhie führen kan. Der Hertzog von Würtenberg hat in dem Eßling- vnnd Reutlingischen Gebiet / die Forst-Gerechtkeit / vnnd thut daher die Wildbrät-Schützen fangen / vnd straffen.

Es sagt einer / daß Eßlingen eine auß den 12. Deputirten ReichsStätten sey / in welcher dieselben jhr jährlich Zusammenkunfften pflegen anzustellen. Man ist aber / so viel man sich zuerinnern / auch anderswo / wiewol beym nächsten Krieg / in vielen Jahren / nicht mehr zusammen kommen / biß Anno 1651. die 4. Außschreibende löbliche Stätte wider allhie eine Zusammenkunfft / oder Tag / gehalten haben. Sonsten seyn etwan die engere CräißTäge auch an diesem Orth wie man berichtet / angestellt worden. Anno 1223. ist das PredigerCloster / vnnd das Ritterhauß allhie zu erbawen angefangen worden. Herr D. Tobias Wagner / Pfarrer allda / schreibet / in seiner Ehrenrettung / wider Johann Warnern / cap. 2. p. 7. es seyen zu Eßlingen / nach der Nördlinger Schlacht / in kurtzer Zeit / auff die achttausent Menschen / an der Pest verdorben. So hat die Statt sonsten auch viel im nächsten Teutschen Krieg / außgestanden / vnnd vnderschiedliche Parteyen einnehmen müssen. Der Fleck OberEßlingen ligt eine ViertelStundt von der Statt. Reusnerus de Urb. Imper. Crusius in Annalib. Suevic. Besoldus in thes. pract. vocab. Forst / Limnaeus de Jure publ. lib. 1. & 7. & Speidelius in Notabil. voc. Freyheit / p. 321.