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Topographia Germaniae
Goude (heute: Gouda)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 135.
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[135] Goude / Gaud / Gouda, eine Stadt in Holland / 3. oder 4. Meilen von Leyden / und an der Isel / bey dem Einfall deß Flusses Gouue, oder de Gou, daher der Name kommen / gelegen. Gedachte Isel / so man die untere nennet / wird auß dem mitlern Rhein / durch einen Graben geleitet / und rinnet auff Utrecht / Iselstein / Montfort / Oudewater / und theilet die Stadt Goude in zwey theil; und ist kein Hauß in der gantzen Stadt / darbey nicht das Wasser vorüber lauffen solte / daß sie fast in diesem Stuck der Stadt Venedig gleichet; auch in 24. Stunden die weite Aecker umb die Stadt ins Wasser setzen / und daher allein Winterszeit / und zwar nicht ohne grosse Gefahr / und allein von 2. Dämmen / belagert werden kan; darwider aber schon längsten 2. sehr veste Bollwerck gebauet seyn. Und dieser Ursachen halber sollen auch der Holländischen Stände Privilegia, und Diplomata, allhie auffbehalten werden / wie theils schreiben. Sie ist die letzte auß den sechs vornehmsten Städten in Holland / volckreich / und an allerhand Sachen gesegnet; wiewol sie noch umbs Jahr Christi 1200. auch dem Namen nach / nicht bekant gewesen; sondern ihr Anfang vom Reinero Snoyo, von hier bürtig / und der Anno 1537. gestorben / lib. 7. rer. Batav. erst ins Jahr 1272. gesetzt wird. Die Burger allhie seyn freundlich / arbeitsam / und reich / haben aber nur ein einige Pfarrkirch / fast mitten in der Stadt gelegen / so groß / und weitläuffig / dergleichen in Holland / ausser Harlem / nicht solle zu finden seyn / die auch etliche Schuh grösser / als der Dom zu Cöllen / wie Georg. Braun / im 4. Buch von Städten schreibet. Sie hat einen hohen und schönen Thurn / und ist mit überauß schönen / und gemahlten Fenstern gezieret. Auff dem schönen sehr grossen Marckt ist das Rahthauß zu sehen / darunter die Metzig / oder Fleischbänck / gar zierlich gebauet- und gewölbet. Und ist solcher Marckt dreyeckicht. Es gibt schöne Gebäu in der Stadt / und eine lustige Glocken-Harmoni; ein Wäsen- und Zuchthauß; und wird ein herrlich Bier allda gesotten; ist auch ein unglaublich guter temperirter Lufft an diesem Ort; daher inn- und ausser der Stadt ansehnliche Gärten seyn / und solle nicht leichtlich ein Orth in Niederland gefunden werden / da man allerley Kräuter und Blumenwerck / wie allhie antreffen solte. Gemelter Braun schreibet von dieser Stadt / in seinem dritten Buch / daß die Buchtrucker Kunst anfänglich allda in der BettelMönchsCloster bekant / und ins Werck gestellt worden / da sie zuvor wenigen / ja gar niemands in Holland wissend gewessen. In den sehr tieffen / und breiten Gräben / die es umb die Stadt hat / sihet man Erdschollen in rechter grösse untenherauff steigen / und oben auff schwimmen. Siehe / ausser den obgedachten Scribenten / von dieser Stadt / auch Zuerium, in Theatro Holl. p. 279. Romanum, in Theatro Urbium. pag. 28. seqq. C. Ens in delic. apodem. pag. 158. und sonderlich ein lange Beschreibung in den Anmerckungen zu dem Lud. Guicciard. fol. 190. seqq. der edition in An. 1613. Item der in an 1646. part. 2. fol. 46. seqq. so auß der Stadt verwahrten Schrifften und Registern / genommen worden. Anno 1572. ist diese Stadt auff deß Printz Wilhelmen von Oranien / und der Herren Staaden Seiten getretten.