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Topographia Circuli Burgundici: Flissingen

Topographia Germaniae
Flissingen (heute: Vlissingen)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 132.
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[132] Flissingen / Diese Seeland beym Meer gelegene Stadt wird heutigs Tags / wegen der Schiffarten / und Kauffmanschafften / unter die fürnehmbste in gantz Niederland gerechnet. Ihren Namen hat sie nicht vom Ulysse, wie theils getichtet / sondern von der Flaschen / welche sie auch in ihrem Wappen führet: dessen Ursach diese gegeben wird / weiln die Inwohner / Manns- und Weibspersonen / gern zechen / und wol leben / und die Flaschen lieb haben; nicht zwar / daß sie sich solten voll trincken; sondern nur auff daß sie dardurch frölich werden / weilen es in Seeland gar viel unlustige Melancholische Leute gibet / die darunter ihre Verschlagenheit verbergen können / und je älter / je verschlagener und böser sie auch werden: wie diese alte Verßlein von theils derselben gemacht worden:

Crescit nequitia, simul crescente senectâ,
In Zelandinis, non fallit regula talis.

Umbs Jahr 1400. ist Flissingen noch ein offener Ort gewesen / folgends mit Mauren und Thoren / verwahret / auch der Port / oder Meerhafen / mit aller Nohtdurfft versehen worden; welcher so weit / starck / und wol gelegen / daß man ihn einen Schlüssel deß Niederländischen Meers nennet; und daher auch Käyser Carl der Fünffte / unter den geheimen Befehlen / die er seinem Sohn König Philippo II. in Spanien gegeben / ihn ermahnet hat / daß er Flissingen in Fleissiger Obacht halten solte. Dann wer diesen Port hätte / der könte ihm die Herrschafft übers Meer versprechen. Aber sein Diener / der Hertzog von Alba / hat ihn darumb gebracht. Dann als er den zehenden Pfenning mit Gewalt von dieser kleinen Statt haben wolte / so fiel sie deßwegen Anno 1572. von ihm ab / und brachte noch mehr Oerter in Seeland an sich; und verhielte sich folgends / unter ihrem Admiral / Hauptmann Worst / also / daß sie den Spanischen grossen Schaden zufügte / und einmahl auff die 21. Schiff / deß besagten Hertzogs erlegte. Und weil sie die Stadt sehr befestigt / so haben die Spanischen ihr nicht mehr beykommen [133] können. Dann sie nicht allein von Natur / wegen deß Meers / wol liget; sondern ist auch auff den drey Seiten mit ihren Pasteyen / Flancquirungen / und weiten Wassergräben / wol versehen / und auff der vierten Seiten gegen der See / mit gutem Gemäwerwerck / von bachenen Steinen / und vorgeschlagenen Pfählen versorget; auch inwendig ingleichem wol erbauet: Und ist unter den offentlichen Gebäuen insonderheit das schöne neue Rahthauß / gantz von gehauenen Steinen künstlich erbauet; dergleichen in Holland nicht zu finden; wie auch der Fürsten-Hoff / oder Printz Friedrich Heinrich von Oranien / Graffens zu Nassau / jetzt seines Sohns / Printz Wilhelm / als Herrns dieser Stadt / schöner und herrlicher Pallast / zu besichtigen. Es ist dieser Ort / nach dem er erstlich unter der Graffen von Seeland Herrschafft gewesen; und hernach ihn die Herren von Borsalaer innen gehabt; endlich / sampt der Marggraffschafft Veer / mit Verwilligung der Staaten von Seeland / käufflich an Printz Wilhelmen von Uranien / hochgedachten Printzens Friederich Heinrich und seines / ohne eheliche Erben / verstorbenen Bruders Mauritii, Herrn Vattern kommen. Und obwolen die Herren General Staaten Anno 1585. diese Vestung der Königin Elisabeth in Engelland verpfändet / welche / wie auch ihr Nachfahr / König Jacobus / ihre Besatzung allda / biß auffs Jahr 1616. gehabt; so ist doch solche wieder abgelöst / die Englische Besatzung in gemeldtem Jahr / abgeführt / und die Stadt Flissingen ihrem Herrn / dem vor hochgemeldten Printz Moritzen / damahligen Marggraffen von Veer / und Flissigen / wieder eingeraumet worden; welche Marggraffschafft Veer / wegen eines alten Statuti, diesen Vorzug- und Gerechtigkeit hat / daß solche allein / auff den Landtägen / wegen deß gantzen Seeländischen Adels / die Stimme gibt. Sihe hievon Ludov. Guicciardinum, in Beschreibung Niederlands / fol. 222. der Edition von Anno 1613. Meteranum lib. 4. und an andern Orten / G. Braun im 5. Theil seines Theatri Urbium, C. Ens in delic. apodem. p. 131. und Hagelgans / in Beschreibung Niederlands / p. 104.