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Topographia Circuli Burgundici: Enckhusen

Topographia Germaniae
Enckhusen (heute: Enkhuizen)
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Flissingen
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 131–132.
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[131] Enckhusen / Enckhuysen / eine von Kunst und Natur sehr veste Holländische Stadt / am eussersten Ende des Landes / und an dem Arm der Suyder-See / gegen Frießland über / und 3. Meilen von Horn gelegen / und wider deß Meeres Gewalt mit sehr starcken Dämmen versehen / deren Einwohner auch deß Meers und Schiffarten dermassen kündig / daß sie ihres gleichen nicht viel haben. Daher dann allhie viel Schiff gebauet werden. Man macht auch da gutes Saltz. Zuerius in Theatro Hollandiae, vermeynet / pag. 375. daß diese Stadt ihren Namen von den Häringen habe / die allda vor Zeiten häuffig seyn gefangen worden. Andere wollen / sie habe den Namen von der Einschichtigkeit / oder raritet der Häuser / und heisse so viel als Enckelhuysen / weil sie anfangs wie ein Dorff / da die Häuser weit von einander stehen / erbauet worden / biß sie also / wie sie jetzt schön ist / zugenommen habe. Ihrer wird am ersten Anno 1279. (al. 1297.) gedacht / da sie von Joanne Arkelio, und Nicolao Putenno, welcher wider die rebellische Friesen gezogen / solle seyn angezündet worden; zu welcher Zeit sie noch einigen Wall herumb nicht gehabt hat. Anno 1394. hat ihr Meerhafen in die drey tausend Schiff begriffen. Anno 1591. ist sie sehr erweitert / und Anno 1605. der Dänische Ochsenmarckt / so biß daher zu Horn gewesen / mit grossem der Stadt Nutzen / hieher gelegt worden. Zu Anfang deß Niederländischen Kriegs / als sie sich im Jahr 1572. an den Printzen von Oranien ergehen / hat sie / neben den Städten Briel / und Flissingen / den Spanischen grossen Schaden zugefügt / und verursacht / daß die Stadt Ambsterdam zu den vereinigten Staaten tretten muste. Anno 1635. erhub sich allhier ein gefährlicher Weiber-Krieg / so schwerlich beygelegt wurde. Man findet allda ein sonderliche Art eines Grasses / oder Binsen / welches der Boden / so mit dem Meer bedeckt ist / reichlich darreichet. Dasselbe mehet man zu gewissen Zeiten deß Jahrs unter dem Wasser ab / und gebrauchts hernach zu Verstopffung deß Wassers / und zu den Thämmen. Sintemal seine Natur also beschaffen / daß je mehr und hefftiger die Wellen darwider schlahen / und stossen / je vester es zu sammen wächst / und dem Wasser stärcker widerstet het: Sie nennens gemeinlich Weyer / oder Wieram, oder Algam marinam. Und auß solcher Materi ist der Thamm / mit unsäglichen Unkosten / durch das Wasser / gegen Frießland werts / geführet worden / so wie ein weiter Meerhafen die grosse Schiff einschliesset. Es ist da auch ein anderer Port für die kleinere Schiff / dabey ein starcker Thurn stehet / und daran ein Schrifft / wie Anno 1537. Hertzog Carl zu Geldren diesen Port zu erhaschen vermeynet hat; so also lautet:

Enchusam insidiis tacitis sub nocte silenti
Obruere adnixa est Gelrica perfidia.

Sie führet zum Wappen einen Himmelblauen Schild / mit 2. Sternen / zwischen 3. Häringen gesetzt. Sihe G. Braun / im 3. seines Stättbuchs / C. Ens in deliciis apodem. 189. Werdenhagen de Rebuspubl. Hanseat. part. 4. fol. 28. seqq. obgedachten Zuerium, und von deß Medici Gerhardi Paludani, Kunstkammer allhie / den Gotfr. Hegenitium, in seinem Itinerario Frisio-Hollandico p. 58. seq. von welcher Hippolytus à Collibus gesagt hat;

[132]

Quod mare, quod tellus, quod totus deniquem undus,
Una Paludani continet ista domus.

Unter vielen wunderlichen Sachen seynd allda fast alle Kleydungen / und Kriegs-Instrumenten der Amazonum: Item fast alle Gliedmassen eines Wallfisches: Mumien / oder balsamirte / und außgedörrte Cörper / von 3000. und 2400. Jahren auffbehalten. Ein todter Manns-Cörper / so in 300. Jahren nicht verwesen. ZwergenKleyder / und Schiff / deren sie sich gebrauchen. Erdschwefel von Sodoma / und Gomorrha. Ein Jüdischer Seckel / oder Siclus, der alten Hebraeer Müntz / Viel Geschirr von Terra Lemnia, oder sigillata. Ein Basilisk. Ein Crocodil. Ein Thierlein / einer Eydex nicht ungleich / Stellio genant / wie gedachter Hegenitius, so solches Thierlein gesehen / pag. 61. berichtet / und dabey sagt / daß es alle Jahr sein Haut von sich lege / aber gleich verzehre / damit solch gantz gewisse Artzney wider die hinfallende Sucht / dem Menschen nicht zu gut komme. Sihe auch Wolfgang Frantz in hist. animal. part. 1. cap. 26. pag. 295. seqq. theils nennen es Teutsch einen gifftigen Wurm mit vielen Düpffeln / wie Sternlein. Theils ein Welsche Eydex mit Düpffeln. Ferners ein Meer-Mönch. Ein Chamaeleon, oder Ratteydachs / so allein vom Lufft lebt / und gedachter Pauludanus solches Thier etliche Tag lebendig behalten / in welcher Zeit sich es in alle Farben / ausser roth und weiß / verändert hat. Ein Molch / oder Salamandra, so vom Feuer: Ein Erd-Crocodil / oder Stincus, der vom Wasser lebt / darvor etliche unerfahrne Apothecker die Wasser-Eydechsen brauchen. Remora, ein kleiner Fisch / aber von wundersamer Stärcke / so auch Echeneis genant wird. Kräuter / so besagter Hegenitius Lateinisch Lagenam vitae, und Lagenam mortis, heisset / etc. Anno 1645. hat der Sturmwind allhie ein sehr grossen Brand auffgetrieben / davon der dritte theil der Stadt im Rauch auffgangen. Tom. 5. Theatr. Europ. fol. 733. a.