Topographia Braunschweig Lüneburg: Supplingenburg

Topographia Germaniae
Supplingenburg (heute: Süpplingenburg)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 193–194.
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[T101]
Supplingburg (Merian).jpg
[193]
Supplingenburg.

Die Commenthurey Supplingenburg / im Fürstenthumb Braunschweig Wolffenbüttel gelegen / ist vormals die Graffschafft Schweppelenburg gewesen / vnd hat man Nachrichtung / daß dieses Gräfl. Schloß Schwepplenburg von Graff Gebhard / Edlen Herren zu Querfurt / vnd Herrn zu Arensberg / soll fundiret vnd erbawet seyn / welcher auch vngefehr in anno 1050. zu Schweplenburg residiret hat; Nach tödtlichem Hintritt vorgedachtes Herrn Grafen / hat sein Sohn Lotharius Saxo der Achtzehende / vnd von den Historicis so hochberühmter Römischer Keyser / die Graffschafft Schwepplenburg ererbet / vnd ist dieser Lotharius Saxo ein geborner Graff zu Schwepplenburg vnd Herr zu Arnsberg gewesen.

Woher diese gewesene Graffschafft Schwepplenburg / nunmehr die Commanthurey Supplingenburg genant / den Nahmen habe / findet man eigentlichen keine Nachrichtung / der Muhtmassung nach / kan dieser Nahme daher deriviret seyn / weilen fast vmb die gantze Burg vnd das Dorff sumpfig vnd morastig ist.

Auff dieser Burg ist das Wohnhauß bey Residirung Herrn Compt. Philip Friedrich von Wiedensees seel. durch Verwarlosung bey dem distiliren der Kräuter / in anno 1615. von grunde auß abgebrant / daß auch der Herr Comptor genaw mit dem Leben davon kommen können / hat sich vnd seine Fraw an einem Stricke auß dem Fenster an die Erde lassen müssen / vnd also dem Fewr entrunnen / aber an Mobilien nichtes errettet worden / sondern ist alles im Fewr vnd Rauch auffgegangen.

Es ist die Burg mit einer hohen Maure vnd breiten Wassergraben rings vmbgeben / zum Eingange auff die Burg mit einer Brücken / vnd Zugbrücken / dafür ein starckes Thor / inwendig mit einem starcken Riegel verwahret / zur lincken Hand im herauffgehen auff die Burg / ist die Kirche / S. Johannis genant / gelegen / so in anno 1464. repariret; in welchem Jahre sie aber fundiret / hat man keine Nachrichtung / zu vermuhten ist es wol / daß Graff Gebhard dieselbe gestifftet / vnd aufferbawen lassen. Diese Kirche ist mit einem hohen Creutzgewölbe / vnd zweyen riegen Pfeilern auffgeführet.

In diesem Schlosse ist einer von deß Johannes Tetzels / Dominicaner Münchs / Geldkasten / von starckem Eichenholtz / vnd mit Eisen beschlagen / worinnen er in anno 1517. (als er allhier für der Burg / ausserhalb im Felde / bey der Kirchen S. Petri, so Anno 1473. erbawet worden) das Ablaß gesamlet; Dieser Ort / allda gedachter Tetzel den Ablaß gesamlet / ist mit steinern Creutzen vmbsetzet / zur Anzeigung / daß alldar ein heiliger Ort / vnd da man Vergebung der Sünden vmb vnd für Gelt erlangen konte.

Die gegend dieser Comptorey vnd Ortes ist / wie allbereit erwehnet / fast gantz mit sumpfig vnd morasischen Wiesen vmbgeben. [194] Bey diesem letzten Kriege hat sich diß Schloß immer feste gehalten / vngeachtet bey der Wolffenbüttelschen Belagerung in anno 1641. zu verschiedenen mahlen Partheyen sich dafür angefunden / vnd attaquiret / hat sichs doch allemahl gewehrt / vnd die Partheyen abgehalten / vnd zurück getrieben: Ist also vngeplündert (jedoch mit nicht wenigem Verlust vieles Viehes / an Schaafen / Ochsen / Kühen / Pferden vnd Schweinen / welche ausserhalb deß Schlosses gewest) geblieben / im Dorffe aber haben die Partheyen zu verschiedenen mahlen die Gebäude vnd die Schäfferey angezündet / vnd in den grund abgebrant.