Topographia Braunschweig Lüneburg: Schartzfels

Topographia Germaniae
Schartzfels (heute: Burg Scharzfels)
<<<Vorheriger
Scharnbeck Closter
Nächster>>>
Schliestett
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 183–184.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Burg Scharzfels in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[T98]
Schartzfeld (Merian).jpg
[183]
Schartzfels.

Das Hauß vnd Schloß Schartzfels / zu der Graffschafft Lauterberg / vnd also zum Fürstenthumb Grubenhagen gehörig / ist vorne in oder an dem Hartzwalde / vff einem hohen Berge / vnd zwar vff einem eintzigen grossen Stein oder Felsen (der vff 80. Werckschuhe hoch über die Erden oder über den Berg außstehet) gelegen / hat zweene Plätze / vnd ist zu dem obern Platze vnd rechten Schlosse gar keinen Zugang / als durch eine lange vnd fast hocherbawete / auch in der höhe mit einer Zugbrücken verwahrete steinern Treppen / vnd stehet für dem Schlosse vnd obern Platze / vff dem Felsen / ein alter / vnd von eitel grossen Quadersteinen erbaweter sehr grosser / dicker vnd starcker Thurn / ohne Dachung / welcher so wol als das Schloß mit nottürfftiger Guarnison / vnd gnugsamen metallinen / auch eisernen grossen Stücken vnd Mörseln versehen / daß also solch Hauß oder Schloß nach der Situation / vnd deß Ortes Gelegenheit / eine zimbliche gute Bergvestung ist / die auch bey diesen langgewehrten Böhmischen vnd Teutschen Kriegen noch niemals / so wenig auch für dero Zeit / vnd bey den alten schweren Vffruhren vnd Fehden jemahls / so viel man Nachricht haben kan / erstiegen oder erobert worden / Vnd sagt man von dem erstgemelten Thurn / daß vff demselben keine Dachung über eine Nacht gelassen vnd geduldet werde / vnd solches der Vrsachen / daß Keyser Heinrich der Vierdte zu deß domahlig vf Schartzfels wohnenden Grafen von Lauterberg Frawen heimliche vnzimliche Liebe getragen / vnd darumb den Grafen in anno 1080. zu sich ins Closter Pölde erfodert / vnd mit einiger Werbung an entlegene Ort verschicket / darauff durch Anstifften / Raht / Hülff vnd Practic eines Münches im Closter Pöhlde / (der ein Nigromanta) neben demselben sich heimlich vffs Schloß verfüget / vnd die Edlen Frawen durch List bewältiget / vnd ihrer Ehren beraubet. Da dann ein Geist oder Teuffelsgespenste (welches am hohen Thurn vnd Schloß / auch in der Küchen / sich vorhin enthalten / mehrmahls hören lassen / vnd viel Gauckelspiels getrieben / doch ohne der Menschen Beleidigung) durch den Thurn in die Lufft gefahren / die Dachung von dem Thurn mit weggenommen / vnd in der Lufft geschryen haben solte / daß an der verübeten bösen Vnthat der Münch mehr / als der Keyser / schuldig wäre / vnd hätte nach dero Zeit keine Dachung vff dem gedachten Thurn bleiben können / der Münch aber wäre hernacher Zeit seines Lebens immer trawrig gewesen / vnd niemals mehr rechten oder frölichen Gesichts gesehen worden / auch diese Vnthat die vornehmste Vrsach gewesen der grossen Feindschafft vnd Widerwillens / so damals zwischen Keyser Heinrichen dem Vierdten / vnd Marggraff Ebbrechten dem Jüngern zu Sachsen / (deme die gedachte Gräfin mit naher Blutfreundschafft [184] verwandt) welches dann biß an ihr beeder Ende gewäret / vnd grosse beschwerliche Kriege vnd Landesverheerungen veranlasset.

In welchen Jahren vnd zu welchen Zeiten / auch von weme das Hauß Schartzfels erbawet / davon findet man gar keine Nachricht / daß es aber zimlich alt sey / ist daher abzunehmen / daß wie in den Historien zu lesen / ohngefehr vmbs Jahr Christi 930. Bodo Graff zu Lauterberg / vnd Herr zum Schartzfels / seinen Sitz darauff gehabt.

Dann / wie vor bereget / dieses Hauß vor Alters zu der Graffschafft Lauterberg gehörig / vnd selbigen Grafen / welche von den alten Königen vnd Hertzogen zu Sachsen damit belehnet worden / zuständig gewesen / biß auff Absterben der beyden letzten Grafen / Heisen vnd Otten / Hertzog Friederich zu Braunschweig Lüneburg / Grubenhagischer Linie / als damahliger Lehenherr / so wol die übrige Graffschafft / als auch das Hauß Schartzfels / an sich genommen. Wie solches beym Letznero in der Dasselischen Chronick pag. 88. zu lesen.

Es ist diese Graffschafft hernachmals den Grafen von Hohnstein Pfandsweise eingethan / Sie auch endlich gar damit belehnet worden. Als aber deren Geschlecht durch Absterben deß letzten Graff Ernsten / im Jahr 1593. ebenmässig abgangen / ist die Graffschafft wiederumb an vorhochbemeldete Hertzogen kommen / vnd bey deren Nachfolgern / biß zu gegenwertiger Zeit / geruhiglich verblieben.