Topographia Braunschweig Lüneburg: Honstein

Topographia Germaniae
Honstein (heute: Burg Hohnstein (Harz))
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Hoya
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 120–121.
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Honstein.

Dieses vor weniger Zeit vestes vnd sehr wolgebawetes Berghauß / vnd Gräflicher Sitz der vhralten Herren Graffen zu Honstein / ist gelegen im Fürstenthumb Braunschweig Lüneburg / Calenbergischen Theils / an der Süderseiten deß Hartzes / eine Meile von der Reichs-Statt Northausen / gegen Norden / vnd eine halbe Meil vom Closter Ihlfeld / gegen Vffgang / vff einem rohten harten Steinfelß / hat hinter sich den Mittelhartz / von schönem Gehöltz vnd Wildbahn / vnd rund vmb sich her / zumahln nach der Statt Northausen werts / lustige Thäler / Aecker / Awen / Teiche / Fische vnd Forellenwasser. Soll erbawet / oder wie andere der Meynung seyn / ernewert worden seyn / von Cunrado Ludovici Barbati, Landgrafen in Thüringen vnd Hessen / vnd Caeciliae, Hertzogin zu Sachsen vnd Braunschweig / Enckeln / Beringeri / Graffen zu Sangerhausen / vnd Betradae, Marggrafen Cunradi zu Landesberg vnd Wethin Tochter / erzielten Sohn / Anno 1061. Als aber dieser Conradus ohne Leibes / Erben abgangen / hat ihm seines Vattern Schwester Guttae, vnd Ludovici, Graffen in Linderbeck vnd Bielstein Sohn / Beringerus succediret / dessen Sohn ist gewesen auch Conradus, Graff in Linderbach vnd Bielstein / Herr zu Honstein / hat Fraw Annen / Herrn [121] Vden / Grafen zu Stolberg Tochter zur Ehe gehabt / vnd mit derselben gezielet / Eligerum I. dieser hat nach seines Vattern Tode auff einem Berge oder Kopffe / so von dem andern Hartzgebürge gegen Süden vff ein Canonschuß allein abgelegen / zimlich hoch vnd felsich ist / ein Schloß oder Sitz erbawet / es die Ilburg / oder Eiligesburg / oder Eylenburg / vnd sich darnach genant vnd geschrieben / Herrn vnd Graffen zu Ilburg oder Eilenburg. Dieses Sohn / Eligerus II. hat zur Gemahlin gehabt / Fraw Lutram oder Luthradin / Herrn Hesekens / Graffen zu Honstein Tochter / vnd als Graff Heseke keine Mannliche Leibes Lehens-Eben hinterlassen / hat er von Hertzog Heinrichen dem Löwen erhalten / daß dieser sein Eydam mit dem Hause Honstein beliehen worden. Dannenhero nachmals Graff Eliger sich nicht mehr nach- vnd von der Il- oder Eylenburg / sondern Herrn vnd Graffen zu Honstein geschrieben / vnd ist er in anno 1189. im Decembri verstorben. Sein Sohn Eligerus III. hat seinem Herrn Vatter in diesem feudo succediret / jedoch dergestalt vnd mit dieser Condition / daß er die Ilburg / so sein Großvatter erbawet / wiederumb abreissen / vnd die darunter gelegene Flur vnd Felder dem allschon angehenden Closter Ilfeld zueigenen sollen / wie dann auch geschehen / vnd vff dem gedachten Berge oder Kopffe an den hinterbliebenen Mauren annoch zu sehen. Vnd wird auß dieser Vrsache dieser Eligerus III. pro fundatore deß Closters Ilfeld in dessen noch übrigen monumentis gehalten.

Dieses Hauß vnd Ampt / mit seinen Zubehörungen / ist allemahl mit in der Herren Hertzogen zu Braunschweig vnd Lüneburg Landes-Theilung mit einkommen / gestalt nach hochgedacht Herrn Hertzog Henrici Leonis in anno 1195. Absterben / als desselben Lande getheilet worden / dieses Hauß Otthoni IV. dem Röm. Keyser gefallen.

Anno 1420. feria 6. post Dionysii, ist Herr Ottho Coeles, Hertzog zu Braunschweig vnd Lüneburg / regierender Hertzog im Fürstenthumb Göttingen / vom Keyser Sigismundo mit aller Landesfürstlichen Hocheit vnd Rechten dieser Graff- vnd Herrschafft / Hauß vnd Ampts Honstein beliehen worden.

Es haben auch die Herren Graffen zu Honstein solch Hauß von den Herren Hertzogen zu Braunschweig Lüneburg / Calenbergischen Theils / allemahl zu Lehen erkant / vnd empfangen / biß Theodoricus VII. mit gnädigem Consens vnd Verwilligung seiner gnädigen Landesfürsten vnd Lehenherren / dasselbe Graff Bothen zu Stolberg vmb das 1413. verkaufft / vnd die die jetzigen Herren Graffen zu Stolberg es von hochgedachten Hertzogen / als ihrem Landesfürsten / noch heutiges Tages zu Lehen recognosciren / vnd damit beliehen werden.

Dahero Elias Reusnerus in Auctario Basilico Genealogici Stemmate Stolbergico sagt / Henricus Comes Stolbergius Dynasta Wernigerodae ab Ottone Duce Brunsuigico arcem Honsteinam accepit Anno Christi 1456.

Nicht weit davon / an verschiedlichen Orten / vnd insonderheit zum Steigerthal / gibt es herrlichen weiß- schwartz- vnd graulichen Alabaster / davon in der benachbarten Statt Northausen / vnd andern Oertern / allerley Bild-Seulen-Gefäß-Portalwerck / vnd dergleichen verfertiget / vnd der Stein gar biß Hamburg / vnd ferner in Holland ist verführet worden.