Topographia Braunschweig Lüneburg: Holtzminden

Topographia Germaniae
Holtzminden (heute: Holzminden)
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Holtzminden Statt
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 119–120.
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Holtzminden.

Das Fürstliche Wolffenbüttelsche Ampt Holtzminden ist ein vhraltes Hauß / hat seinen Nahmen von dem Bache / welcher in dem Söllinger Walde / bey der Newstatt entspringet / vnd die Holtzminde genant wird. Dieses vhralte Hauß vnd Vestung ist für etzlichen hundert Jahren ruiniret / vermuhtlich zu dero Zeit / als das Gräfliche Schloß Eberstein / von weyland Hertzogen Bernhard / vnd Hertzogen Heinrich zu Braunschweig vnd Lüneburg bestritten / gewonnen vnd geschleiffet worden / welches Anno 1416. geschehen / von welcher Zeit an deß Ampts vornehmste Intraden / sampt der Länderey / an dem Außhofe oder Vorwerck Allersheim / die Jurisdiction aber an das Ampt Fürstenberg verleget / ist aber nunmehr für viertehalb hundert Jahren / auff sonderbare beliebige Verordnung / deß Durchleuchtigen / Hochgebornen Fürsten vnd Herrn / Herrn Augusti, Hertzogen zu [120] Braunschweig vnd Lüneburg / von dem Ampte Fürstenberg wieder abgesondert / vnd in seine alte vnd vorige Consistentz gesetzet worden.

Sonsten ist das gemelte vhralte Hauß Holtzminden (davon die starcken / hocherbawete Mawren / nebst einem von gehawenen Sollinger Steinen hoch auffgemawreten / sehr starcken runden Thurn / noch fest stehen) oben an die Statt Holtzminden / hart bey die Weser / an einem lustigen Ort gelegen / vnd hat es daselbst eine sehr lustige fruchtbare gegend / stattliche grosse Felder / Wiesen vnd Awen / einen reichen Kornbaw / deßgleichen an Holtzungen vnd Fischereyen nicht allein die Notturfft / sondern einen Vberfluß; wie auch von dem Weserstrom / der Schifffahrt halber / hat es eine nicht geringe Commodität / vnd nahe an sich den grossen Sollinger Wald / welcher auch seinen vielfaltigen Nutzen bringet / nicht allein der Holtzung halber / sondern auch der herrlichen vnd stattlichen Wildbahn / die es daselbst hat / an Hirschen / Schweinen / Rehen / Hasen / Berghahnen / vnd anderen Gevögel / Imgleichen Eicheln vnd Buchmast / also / daß in fruchtbaren Jahren etzliche tausent Schweine gefeistet werden können / so wol auch der stattlichen Graßhuede halber / die es darin hat / vnd den Sommer über etzliche tausent stücke Rindviehe darein geweidet werden können / vnterschiedliche schöne Forellenbäche / treffliche Steinkuhlen / zu Dach- vnd Mawrsteinen / vnd die in solchem Vberfluß / daß nicht allein deß Landes Einwohner / vnd zwar allerdings der gemeine Bawersmann / dieselbe zu seiner Notturfft vmb einen geringen Preiß haben / sondern auch frembden abgelegenen Orten / als Holland vnd Dennemarck / davon mitgetheilet werden kan / auch in nicht geringer Anzahl dahin auff die Weser / vnd weiter fort abgeführet werden.

In diesem Sollinger Walde / auff dem vorhin gemelten Ort / die Newstatt genennet / hat für vngefehr 40. Jahren weyland Hertzog Heinrich Julius / Hertzog zu Braunschweig vnd Lüneburg / vnd Bischoff zu Halberstatt / hoch Christmilder Gedächtnuß / mit grossen Kosten ein stattlich Hauß / mit vielen Nebengebäwden / zu Behueff deß Fürstl. Ablagers in den Jagtzeiten / erbawen lassen / so das Newe Hauß genant / welche Gebäwde / biß auff ein eintziges / so annoch / wiewol sehr bawfällig / stehet / in diesen lang angehaltenen hochbeschwerlichen Kriegeszeiten ruiniret / vnd zu grunde verderbet worden. Dieser Ort / woselbst das Newe Hauß gebawet / ist fast in der mitte deß Sollinges gelegen / vnd grentzen daselbst die beyden Fürstenthumber / Wulffenbüttel vnd Calenberg / wie auch nicht weit davon das Stifft Hildesheimb an einander / ist eine weite lustige Grund / woselbst nicht sonderliches von Bäumen / als Ellern vnd Bercken einzelen stehen / vnd springet allda der Newstätter Brunn / welcher ein Vrsprung deß Bachs Holtzminde ist / vnd von der Newstatt an / auß Südosten für dem Geißberge her / vnd bey vnd durch die Statt Holtzminden in die Weser fleusset / vnd fliessen noch zwey andere kleine Wasser / deren eins die Thurr Holtzminde / vnd das ander der Haselbrunn geheissen wird / in die Bach Holtzminden / daher diese in eine grosse Bach erwächset / vnd ein fast gut Forellenwasser ist / vnd zertheilet sich über der Statt Holtzminden in zwey Flüsse / deren einer durch die Statt / theils in einen Graben / auff die Mühlen / vnd theils fast durch alle Gassen / nach der Weser / der ander Fluß aber bey der Statt her / in die Weser fleusst. Vmb den Sollinger Wald her / nach Westen werts / ligen die Ampts-Dörffer / als 1. Merxhausen / daselbst befindet sich ein Ort / die Hammerhütten genant / vnd gibt es ocularis inspectio, daß daselbst Eisenhütten gelegen / 2. das Dorff Heyna / 3. das Dorff Braack / 4. das Dorff vnd Adelicher Sitz Deensen / denen von Campen zugehörig / 5. das Dorff Aroldissen / woselbst in alten Jahren Graff Otto von Eberstein / weil derselbe mit dem Aussatz verhafft gewesen / eine absonderliche Wohnung / vnd dabey eine Höle / annoch deß Otten Höhl genant / gehabt / darin er zu Sommerszeiten seine Betstunde gehalten / 6. das Dorff vnd Adelicher Sitz Bevern / ein [121] Feldwegs davon / nach Holtzminden werts / liget der vorhin erwehnte Außhoff 7. Allersheim / in einer sehr schönen vnd lustigen gegend / mit seinen FeldMarcken / in einer anmuhtigen schönen Ebene / vnd ist dieser Hoff mit kostbaren Vorwercks- vnd Scheuren-Gebäuden / von Sollinger Steinen auffgeführet / auch damit bedecket wol versehen / vmbher mit stattlichen hoch auffgewachsenen Eichbäumen bepflantzet / welche zu Sommerszeiten einen angenehmen Schatten / vnd lustigen Spatzierweg hin vnd wieder geben / an dieses Hofes Feld-Marcken stossen so fort die Ampts vnd Holtzmindische Statt- vnd BürgerLänderey / 8. Altedorff liget zu nechst am Ampte.