Topographia Braunschweig Lüneburg: Calvörde

Topographia Germaniae
Calvörde
<<<Vorheriger
Calenberg
Nächster>>>
Campen
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 66.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Calvörde in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[66]
Calvörde.

Das Fürstl. Braunschweig-Wolffenbüttelische Schloß vnd Ampthauß Calvörde / ist ein Grentzhauß vnd Paß / stosset an die ChurBrandenburg / vnd das Ertzstifft Magdeburg / vnd liget gleichsam in der Marcke. Vor 50. oder mehr Jahren sind in zweyen vnterschiedenen / auff dem Schlosse entstandenen Fewrbrunsten / zwey Gebäude / als eins über dem Thore am Platze / vnd das ander gleich über hinter dem Thumb / weggebrant / Das dritte Gebäwde / worin das Braw- vnd Backhauß / vnd die Darre begriffen gewesen / vnd zur lincken seiten deß Platzes gestanden / ist in anno 1627. bey Zeiten der Keyserlich Guarnison / gleichfalls eingeäschert. Das Schloß aber / sampt dem rechten Gebäwde oder Wohnhauß / ist noch im zimlichen Stande / auch sind darinnen noch feine Gemächer / woruff S. Fürstl. Gn. Hertzog Jochim Carol zu Braunschweig vnd Lüneburg / hochlöbl. Andenckens / hiebevor residiret.

Das Schloß vnd Flecken Calvörde soll den Nahmen daher bekommen haben / als Keyser Carolus Magnus die Wenden bekrieget / vnd zum Christenthumb gebracht / hat Er auch diesen Ort / als einen nohtwendigen Paß / berühret vnd durchgangen; vnd ist dahero der Paß / das Schloß vnd Flecken Carols-fahrt / jetzo per corruptionem Calvorde genennet worden. So vermeynet man auch / daß den Thurn / so auff dem Schlosse mitten im Platze stehet / vnd in seiner Circumferentz 58. Ellen / die höhe 36. Ellen / vnd die dicke fünffthalb Ellen hält / der Römer Drusus, welcher bey Zeiten deß Keysers Augusti, mit dem Römischen feindlichen Heer biß an die Elbe kommen / soll haben mauren lassen.

Das Schloß liget mitten im Moraß am Drömlinge / ist mit Strauch vnd Buschwerck / wie auch das Flecken / so vff einer seiten am Moraß liget / mit Holtze vmbgeben / vnd hat im Winter vnd Fastenzeit Wassers die fülle / also daß die Wiesen gantz überschwemmet seyn / dargegen aber mangelt es den Sommer hinwieder. Vff das Schloß gehet ein Weg / vnd fleusset der Strom die Ohre / welche allerhand Gattung von Speisefischen / auch Hechte vnd Aland gibt / zwischen dem Wege vnd dem Schlosse vorbey / daß man über drey Brücken / ehe man vffs Schloß kompt / gehen vnd fahren muß. Das Hauß ist in diesem Kriegeswesen mehrentheils mit Völckern besetzet gewesen.

Es sollen vor alters wenig Leute allhier im Flecken im Flecken gewohnet haben / dero Anzahl aber ergrössert / vnd das Flecken dadurch verbessert worden seyn / daß die Einwohner deß verwüsten Dorffes Ysern / (so ohngefehr ein halb viertel Meile weges / vom Flecken Calvorde am Ysenhagen / vff deß Ampts territorio gelegen) theils wegen damahliger Vnsicherheit / theils auch wegen stetigen Streitigkeiten / so sie mit den Calvordischen / wegen der Huet vnd Weyde gehabt / sich ins Flecken begeben / worvon die Ackerleute in Calvorde ihren Vrsprung genommen / vnd die zum Dorff Ysern gehörige Landerey / gegen Abstattunge gewisser Korn-Pächte vnd Dienste / annoch gebrauchen / auch ihr Bawrecht vnd eigen Schultzen / so der Ysern Schultze genennet wird / haben. An dem Orte / da das Dorff gestanden / seynd von der Kirchen noch rudera verhanden.

[T20]
Calvörde (Merian).jpg