Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Sagan

Topographia Germaniae
Sagan (heute: Żagań)
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Schlava
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 175–176.
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[175]
Sagan.

Dieser grossen / weiland wolerbauten und volckreichen / an dem Bober / oder Hebro, gelegenen Stadt / Namen / wollen theils von den Sacis, und dem Wörtlein Segen / herführen. Andere sagen / daß eben an dem Ort / wo jetzt die Stadt stehet / vorzeiten / an dem Bober / ein Zollhauß gestanden; darinn der Zöllner die Fuhrleute also angesprochen haben solle. Sage an / was führest du; davon dann der Name diesem Ort blieben seyn solle: wie dann noch die Polen denselben Zegan / das ist / Zeige an / nennen. Es wird dieser Stadt am ersten ums Jahr 1164. gedacht; von welcher ein gantzes Fürstenthum in Nider-Schlesien gelegen / seinen Namen bekommen / das von den Polen Ducatus Zeganensis, wie allbereit angedeutet / geheissen wird / und welches / gegen Abend auff Laußnitz / und Marck Brandeburg / zu / mit der Herrschafft Sora; gegen Morgan mit dem Fürstenthum Groß-Glogau; gegen Mittag mit dem Städtlein Buntzel / etc. und gegen Mitternacht mit dem Hertzogthum Crossen / etc. gräntzen thut; und in welches die Städtlein Prebus / oder Pribus / und Naumburg am Bober / neben der gedachten Hauptstadt; und wie theils wollen / auch Freywald / gehörig seyn; und durch das / der Bober / Queiß / Tschirn und die Neisse / fliessen. Es hat vor diesem solches Land zu Glogau gehört / hernach aber ist es davon kommen: und haben in demselben vorzeiten 3. Fürsten gesessen; daher dieses Land auch in der mehrer Zahl Fürstenthümer genant worden ist. In dem wol und zierlich erbauten Schloß zu Sagan war die vornehmste Fürstliche Hoffhaltung. Mit der Zeit verkauffte Hertzog Hanß zu Sagan / die Stadt / so damals / wie unten gesagt wird / eingeäschert war / samt dem Fürstenthum / Churfürst Ernsten / und seinem Bruder / Hertzog Albrechten zu Sachsen / um 55000. Ducaten / so König Matthias auß Ungarn / der damals Schlesien inngehabt / bestätigte; und kame hernach / in der brüderlichen Theilung / Sagan dem gedachten Hertzog Görgn zu Sachsen / und als selbiger Anno 1539. gestorben / sein Herr Bruder Hertzog Heinrich / und zugleich die Stadt Evangelische Prediger bekam. Als folgends Anno 1549. König Ferdinand der Erste in Böheim / wegen deß gefangenen Churfürsten Johann Friederichs zu Sachsen / etliche Oerter / sonderlich Eidenburg / etc. in Meissen / als erledigte Böhmische [176] Lehen / ansprache / so wurd ein Tausch zwischen ihme / und Churfürst Moritz zu Sachsen / hochgedachten Hertzog Heinrichs Sohn / getroffen / und Käiser Ferdinando das Fürstenthum Sagan eingeantwortet / so nun 77. Jahr bey Sachsen gewesen war. Darauff alsobald die Catholische Ordens-Personen deß Stiffts zu Sagan / (so sich unterdessen in ihrem Closter still betragen / und ihrer Güter gewartet haben) die Pfarrkirch begehrt / und angefangen Meß zu halten / so 10. Jahr lang unterlassen worden: und muste der Rath den Catholischen die Pfarrkirche einraumen / und das öde Franciscaner Closter / so obgedachter Hertzog Heinrich dem Rath geschenckt hatte / einnehmen. Als aber Anno 1553. höchstgemeldter Käiser Ferdinand / dieses Fürstenthum / samt den Bibersteinischen Herrschafften / Sora / Tribel / Fridland / etc. Marggraf Görg Friederich zu Brandeburg / an statt Oppeln und Ratibor (so seinem Herrn Vattern / Marggraf Görg / für eine gewisse Summa Gelds versetzt gewesen; und der Käiser Ferdinand damaln der Königin Elisabeth auß Ungarn / als sie Ihro Majestät Siebenbürgen abgetretten / zustellen lassen) übergab; da muste Anno 1557. auff Befelch deß Marggrafen / der Abbt die Pfarrkirche der Stadt wieder einraumen / und die jährliche bestimmte Pension für die Kirchen- und Schul-Diener hergeben; Aber Anno 1558. wurde der Marggraf bezahlt / und muste es daher wieder abtretten: darauff auch der Abbt auff ein neues zu klagen angefangen / und es auch im Jahr 1560. erhalten hat / daß der Rath wieder von der Kirchen weichen / und die Seinigen selbsten besolden muste; der gleichwol endlich erlangt / daß die Burger ihr kleines Baarfüsser Kirchlein erweitern möchten. Folgender Zeit / hat Herr Seyfrid von Promnitz solches Fürstenthum / als einen Pfandschilling gehabt. Hernach ist es auff Hertzog Albrecht zu Fridland kommen; der aber Anno 1634. zu Eger ermordet worden / und keinen mannlichen ehelichen Leibs-Erben hinterlassen hat. Unter seinem Schutz hielte sich allhie / zu Sagan / Herr Johannes Kepler / der berühmte Mathematicus, etliche Jahr auff / und liesse allda einen Theil seiner Ephemeridum, in seiner eignen Druckerey verfertigen. In dem V. Theil deß Theatri Europaei stehet am 1175. Blat / daß der Fürst von Lobkowitz Anno 1646. von Ihro Käiserlichen Majestät das Fürstenthum Sagan kauffsweiß an sich gebracht / auch selbige Unterthanen bereits damaln ihme hätte huldigen lassen. Es seyn in dieser Haupt-Stadt also zu sehen / die obgedachte Burgk / oder das Schloß; Item / 2. Clöster und die Pfarrkirche zu unser lieben Frauen genant. Anno 1351. und 1369. ist diese Stadt abgebronnen. Anno 1472. als obgedachter Hertzog Hanß / der Tyrann / seinen Bruder Balzarn / allhie belägerte / und Feuer-Kugeln in die Stadt schoß / da verbrante sie gantz und gar / samt der Kirchen / und einem grossen Theil deß Closters / darein die Burger das ihre geflehnet hatten. Und obwoln die Stadt wieder erbauet worden / so brante sie doch Anno 1486. abermals ab. Anno 1628. um den 13. Weinmonat / sahe man allhie ein grosses Wunderzeichen / davon in der Franckfurtischen Frühlings-Relation / deß 1629. Jahrs / am 33. Blat / zu lesen. Anno 1639. oder 40. kam die Stadt Sagan an die Schwedisch-Stalhansische; Anno 1641. an die Käiserliche; und Anno 1642. wieder an die Schwedisch-Torstensohnische; ward aber darauff von den Käiserlichen / und sonderlich das Schloß / abermals belägert / und im Christmonat deß 43. Jahrs / erobert.