Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Oppeln

Topographia Germaniae
Oppeln (heute: Opole)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 169–170.
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[T37]
Oppeln (Merian).jpg
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Oppeln.

Diß ist eine uhralte Stadt / und das Haupt in diesem Fürstenthum / darzu die Städte / Ober- oder Klein-Glogau / Neustat / Kosel / Beuthen / Gleibitz / Tost / Groß-Strehlitz / Falckenberg / Zültz / Rosenberg / Lublinitz / Schürgast / Krappitz / Peißkrotschamb / Leßnitz / Gorzoba / Dobradin / Steinau / Fridland / Klein-Strehlitz und Großmück / gehörig seyn. Es ligt aber besagte Ober-Schlesische Stadt Oppeln auff einer feinen Ebene / hat gesunde Lufft / und einen guten Boden / der gleichwol an etlichen Orten sandicht ist. Stosset gegen Polen; daher man allhie Polnisch redet. Hat eine schöne / grosse / weite / steinerne Pfarrkirch / und Dom-Stifft / darinn ein ansehenliches Collegium vornehmer Canonicorum. Es ist auch zu Eingang der Fürstlichen Burgk ein Closter-Kirche / und hart an dem Oder-Thor ein grosses in Stein auffgeführtes Hospital / für die Armen / an welchem nachfolgende Verß zu lesen seyn;

Da tua, dum tua sunt, post mortem nulla potestas
Dandi; si dederis, non petitura dabis.

Die besagte Burgk ist nunmehr fast eingangen. Das Rathhauß aber ist statlich / neben einem zierlichen Raths-Thurn. Der Platz / oder Marckt / ist viereckicht: die Häuser herum seyn theils von Stein / theils von Holtz. Es seyn allda starcke Stadt-Thor und dicke Mauren. Gegen Mitternacht ligt das Stifft Czarnowans / bey einer Meil von der Stadt. Hart aber an der Stadt ist der Oder-Fluß / gegen Mittag und Abend / und etwas weiter davon gegen Mittag und Morgen / seyn überauß grosse Wälder im gantzen Lande wol bekandt; und ist alles da von Victualien wolfeyl. Zum Stadt Signet / führet der Rath / in getheiletem blauen Schilde / einen halben gelben flatterenden Adler / und ein halb güldenes Creutz / daran Kleebletter seyn. Nachdem Anno 1497. Hertzog Niclas von Oppeln offentlich gerichtet worden / wie oben bey Neiß zu sehen; und dessen Bruder hernach im Jahr 1532. auch ohne Kinder verstorben / so ist solches Fürstenthum der Cron Böheim heimgefallen. Es haben dasselbe [170] folgends / ein Zeitlang / die Königin Elisabetha auß Ungarn / zun Zeiten Käisers Ferdinandi I. hernach die Fürsten in Siebenbürgen / Sigismundus Bathorius, und Bethlehem Gabor / inngehabt. Ist sonsten mit dem Fürstenthum Ratibor auff ewig verbunden / und werden daher beyde von einem Land-Hauptmann regiret / haben auch einerley Recht und Freyheiten. Man darff von dem Oppelischen Land-Gericht / bey Leibes-Straf / nicht appelliren / und muß da ein jeder vom Adel ohne Degen erscheinen; wie es dann auch in Mähren der Brauch ist. Es hat diese Stadt von der Oder / und auch durch Feuer und Krieg / viel außgestanden: wie dann Anno 1501. den 29. Herbstmonat / die Stadt gantz in die Asche gelegt worden. Also ist Anno 1615. den 28. Augusti / die gantze Stadt außgebronnen / und seyn über 104. Menschen / und darunter der Pfarrer selbst / umkommen. Innerhalb 4. Stunden lag alles in der Asche. Siehe deß Curei und Schickfusii Schlesische Chronik / lib. 4. cap. 18. Anno 1627. ward Oppeln von dem Dennemärck-Weymarischen Volck außgeplündert und besetzt. Anno 1632. im Herbstmonat / hat der Chur-Sächsische Feld-Marschall Arnheim diesen Ort mit Sturm erobert. Anno 1635. nach dem Pragerischen Frieden-Schluß / kam dieser Ort wieder an Käiser Ferdinand. Anno 1642. nahmen die Stadt die Schwedischen ein / sie geriethe aber darüber in Brand / und gieng im Rauch auff. Es wird in den letztern Historien auch eines vesten Schlosses allhie gedacht: daher zu muthmassen / daß entweder die obgedachte Burgk / bey diesem Krieg / wieder bevestiget worden; oder / daß es / wie an mehr andern Orten / ausser derselben / noch ein Schloß allda haben mag: wie dann in besagter Brunst das Schloß übergeblieben / und von den Schwedischen auch folgends besetzter gelassen worden. Das folgende Jahr hat der Käiserliche General Feld-Marschall Leutenant / Herr Lorentz / Freyherr von Hoffkirch / 3. Sturm darvor verlohren / und ist um das Mittel deß Hornungs / mit seinen Käiserlichen Völckern / wieder abgezogen. Aber Anno 1644. hat die bißhero allhie gelegene Schwedische Besatzung accordirt; wie davon in Tomo V. Theatri Europaei, fol. 543. zu lesen. Darauff Anno 1645. der Käiser dieses Fürstenthum Oppeln und Ratibor / dem König in Polen (so hingegen die Herrschafft Miltenau (vielleicht Wittingau) in Böheim / welche auff 500. tausend Gülden Rheinisch / gehalten wurde / abgetretten / und Ihro Käiserliche Majestät noch darzu 200. tausend Ducaten gelehnet) auff 50. Jahr pfandsweise / für 1100000. Gülden Rheinisch / dieser Gestalt eingeraumet / daß / nach solcher Jahren Verfliessung / der Käiser die Wiedererlösung / wie nicht weniger die Superiorität genanter Fürstenthümer / als Ober-Hertzog in Schlesien / sich vorbehalten. Und wurde am 4. Wintermonat / neuen Calenders / die Huldigung den Polnischen Gesandten geleistet. Anno 1647. hat der König in Polen / bey Ihr. Käiserlichen Majestät erhalten / daß die Käiserliche Völcker / auß den besagten Fürstenthümern Oppeln und Ratibor / abgezogen / und solche mit Königlichen Polnischen besetzet worden seyn; wie dieses in obgedachtem V. Theil deß Europäischen Schauplatzes gesagt wird. Und in diesem Jahr / im Wintermonat / seyn allhie in die 70. Häuser abgebronnen.