Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Hirschberg

Topographia Germaniae
Hirschberg (heute: Jelenia Góra)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 151–152.
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Hirschberg.

Diese Stadt ligt im Fürstenthum Jauer / am Sudödischen / oder Böhmischen Gebürge / im Winckel / zwischen Mittag und Abend / 7. Meilen von Lignitz / und 4. von Lemberg / in einem weiten / schönen und lustigen Thal / und hat sie den Namen von der Hirschen Wildbahn / die / vorzeiten / hierum / ehe die Gebürg und Wälder / so liecht und dünne gemacht worden / gewesen. Solle unter deß Boleslai Distori Regirung in Polen / ums Jahr 1108. wie man vermuthet / erbauet worden seyn. Ist zwar kein grosse Stadt / hat aber / vor dem jetzigen Krieg / viel Volcks gehabt; dieweil die Lufft da frisch / rein und gesund / und die Lebens Mittel in leidenlichem Geld seyn. Sie liget nach der Länge / vom Abend / gegen Morgen / auff einer Höhe / nach dem Bober-Fluß. Vom Mittag fleußt der Zacken her / so unter der Stadt mit dem Bober / den Jonas Scultetus Hebrum nennet / und welcher Bober bey Crossen in die Oder fällt sich vereiniget. Sie ist mit einer zwyfachen Mauer umgeben und mit einem Graben verwahret. Am äussersten Ort / gegen Auffgang / ligt eine sehr hohe / schöne und liechte Kirch. Die Inwohner befleissen sich theils deß Ackerbaus; andere üben Kauffmannschafft. Es gibt Tuchmacher und Weber da. Die Weiber wircken Borten / und Schleyer / so weit verführet werden. Anno 1549. den 18. Maji / ist diese Stadt durch ein plötzliches und unversehenes auffgegangen Feuer / innerhalb 3. Stunden / gantz und gar in die Asche gelegt; aber nachmals viel zierlicher / als sie zuvor gewesen / aufferbauet worden. Anno 1634. den 9. Heumonat / seyn von den Kaiserlichen Soldaten / die Vorstädte allhie angezündet worden / dardurch / weil der Wind der Stadt zu gangen / ein solches Feuer entstanden / daß in der Stadt nicht ein einiges Hauß unversehrt geblieben. Es seyn 36. Personen / und in die 2000. stück Viehs / umkommen / und absonderlich in den Vorstädten 341. Häuser / und 56. Scheuern / verbronnen. Anno 1639. haben die Schwedischen allhie die Blaichhäuser ausserhalb der Stadt geplündert: hernach ward sie / die Stadt / mit Schwedisch-Stalhansischem Volck besetzt; und kamen die Käiserlichen Anno 1640. das dritte mal vor Hirschberg / und brauchten sonderlich in der letzten Belägerung grossen Ernst / und lagen lang allda: weilen sich die Burger / neben einer geringen Anzahl Schwedischer Soldaten / so tapffer wehreten / ohnangesehen der grosse Hunger sie plagte / daß viel Weiber / und Kinder davon gestorben seyn / und ein Kind / den 6. Wintermonat / sich selbsten angegriffen / und die Hände abzufressen angefangen haben solle. Der Schwedische General Stalhanß ist endlich zum Entsatz ankommen / hat etwas von Pulver und Proviant / in die Stadt gebracht; doch endlich befunden / daß diesem verderbten Ort anderer Gestalt / und besser nicht zu helffen sey / als denselben zu verlassen. Darum ließ er um den 14. Wintermonat / die Burger ihr Bestes mitnehmen / die dann mit ihme alle / samt Weib / Kind und Gesind / in 500. starck / biß auff achte / welche man für Catholisch gehalten / davon gezogen seyn sollen; nachdem sie zuvor die Pforten / und Thürne / selbsten / gesprenget / und die meisten Häuser zu Grunde geschleifft hatten: das übrige ist von den Schwedischen außgeplündert worden. Die Käiserlichen folgten ihnen zwar etwas biß gegen Buntzel nach; konten aber / deß Winters halber / nicht viel richten. Und hat hierauff der Käiserliche General Goltz / die öde und verlassene Stadt Hirschberg einbekommen / und solche wieder um etwas reparirt; sollen auch theils außgezogene Burger sich nach und nach wieder eingestellt haben. Ob nun deß Jahrs 1642. als der Schwedische Feld-Marschall Torstensohn gantz Schlesien / ausser Breßlau / Lignitz und Brig / wie man damals geschrieben / eingenommen / auch die Schwedischen sich um diesen Ort wieder angenommen / wird nicht eigentlich vermeldet. Und so es schon geschehen wäre / so seyn doch von Ihr Hochfürstl. Durchl. Ertz-Hertzog Leopold Wilhelm / etc. die meiste Oerter wieder bald darauff erobert worden. Und wird berichtet / [152] daß dem Grafen von Thurn / der zu Lauben in Ober-Laußnitz / 5. Meilen von Hirschberg / mit einer Schwedischen Besatzung gelegen / sein Anschlag auff Hirschberg so übel gelungen / daß er selbsten / samt andern Officirern / im Eingang deß Jenners Anno 1643. todt darvor geblieben; und sein Obrist-Wachtmeister / mit Steinen darüber zu todt geworffen seye. Aber Anno 1645. hat der Schwedische General Leutenant von Königsmarck Hirschberg eingenommen und besetzt; und ist ferner auff Bockenhain (vielleicht Bolkenhayn) und Freyberg / bey Schweinitz / gangen; wie in Tomo V. Theatri Europaei, fol. 923. b. zu lesen. Anno 1647. im Herbstmonat / war noch allhie Schwedischer Commendant / Herr Obrister Johann Stack.

Eine kleine Meil Wegs von dieser Stadt / nach den Schnee-Gebürgen / auff einer schönen lustigen Ebene / am Zacken Flusse / ligt ein Dörfflein / welches man von dem heylsamen warmen Wasser / so darinnen auß der Erden quillet / den warmen Brunnn zu nennen pfleget; davon Caspar Schwenckfeld / in einem besondern Tractat / und Martinus Pansa, in gleichem; wie auch die Schlesische Chronik Curei, und Schickfusii, lib. 4. cap. 4. fol. 18. seqq. zu sehen seyn.