Topographia Bavariae: Straubing

Topographia Germaniae
Straubing
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main Merian 1644, S. 102–103.
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Straubing.

Diß ist die andere HauptStatt in NiderBäyern / allda ein Fürstliche Regierung / vnnd Rhent-Ampt ist; zu welchen verordnet seyn / ViceDom / Cantzler / vnd Räthe / OberRichter / Rhentmeister / Castner / Mautner / VnderRichter / Rent- Maut- Casten-Gegenschreiber; welche nachfolgende LandGericht / sampt deren vorgesetzten Beamten / als Pfleger / PflegsVerwalter / LandRichter / vnd andere / regieren / vnd vnter sich haben; als Straubing / Leonsperg / Haidtaw / Thonawstauff / Statt am Hoff / Abach / Kelhaim / Dietfurt / Mitterfelß / Kötzding / Viechtag / Rögen / Deckendorff / Hengersperg / Diessenstein Herrschafft / vnd Pernstein (oder Bernstein / so ein Fürstliche Pfleg ist /) vnnd gehören in solche Landgericht folgende Stätt / als Straubing / Statt am Hoff / Kelhaim / Dietfurt / Furt / Deckendorff / Gravenaw. Item / die Märckte / Thonawstauff / Abach / Langwaid / Schierling / Pogen / Kötzting / Viechtag / Newkirchen / Eschlkam / Rogen / Hengersperg / Schönberg / vnnd andere mehr. 16. Clöster / 49. Schlösser / 44. Adeliche Sitz / 210. Hoffmarchen; neben einer grossen Anzahl Landtgerichtlicher Dörffer / ainschichtiger Höff / vnd dergleichen Güter. Es ligt diese schöne / vnnd mit steinern Häusern wolerbawte Statt an der Thonaw / 6. Meylen vnderhalb Regenspurg; vnd ist von Hertzog Ludwigen in Bäyern / Anno 1208. wie Andreas Ratisbonensis, vnnd G. Braun / oder 1218. wie Brunnerus wollen / erbawet worden. Theils halten solchen Orth für alt / vnd nennen ihn / aber ohne Grund / Augustam Aciliam; Theils Serviodurum; vnnd kan seyn / daß etwan vorhin ein Castel allhie / oder ein alter Fleck gestanden / (wie dann Aventinus in Anno 995. eines schlechten vnbekandten Dorffs / oder Fleckens alhie / Meldung thut) so in besagtem 1208. Jahr zur Statt gemacht worden. An. 1288. hat sie durch Fewr Schaden genommen. An. 1392. ist sie / durch WildFewer / an S. Veits Abend / verbronnen / wie gedachter Aventinus libr. 8. fol. 408. b. meldet. Andere setzen das folgende Jahr / vnd sagen / seye halb außgebronnen. Käyser Ludwig der IV. vberzog Heinrich den ältern in NiderBäyern / so nicht Fried wolt halten / belägerte Straubing 2. Monat / vnnd eroberts. Gedachten Käysers Sohn / Hertzog Albrecht / so von diesem Ort / als seiner ResidentzStatt / den Nahmen geführt / bawete das Schloß allhie von Grund auff / wie besagter Aventinus in ermeldtem 8. Buch am 399. vnd 405. Blättern / von beyden schreibet. Vmbs Jahr 1436. hielten die Bäyern / Schwaben / vnnd Oesterreicher allhie einen kleinen Thurnier / wie Crusius im 3. Theil seiner Schwäbischen Chronic / am 365. Blat / bestättiget. Anno 1633. im Novemb. ist diese Statt von Hertzog Bernharden zu Sachsen mit Accord eingenommen; aber An. 34. den 23. Martij / von den Bäyrischen wider erobert worden. Sie ist einer ziemlichen Grösse / vnd hat ein schöne CollegiatKirchen / zu S. Jacobo vnd Tiburtio, so vorhin S. Jacobs Pfarrkirchen geheissen / biß Anno 1581. das Stifft vnd Probstey PfaffenMünster zu S. Tiburtio, oberhalb Straubingen gelegen / vnd sehr alt / hieher transferirt / vnd mit der gedachten Pfarrkirchen vereinbart worden ist. Es hat auch ein Carmeliten Closter allhie / so vor vielen Jahren von Regenspurg / durch Bischoff Conraden / auß S. Oßwalds Kirchen daselbst / verjagt / hieher kommen seyn / vnd ihnen dieses Closter An. 1367. vnnd folgenden / erbawet worden ist. Es ligen allda Hertzog Albrecht der Jünger in Bäyern / so Anno 1399. gestorben / vnd die Nothhafften von Wernberg.

Anno 1633. den 8. Novembris / nam Hertzog Bernhard Straubingen / vnd die Schwedischen Burlengenfeld / ein. Cham accomodirte sich gutwillig. Zu besagtem BurgLengenfeld bekamen sie 21. Stück Geschütz. Der Schwedisch Commendant in Newmarckt / Obrister Hastwert / nahm Lauterhofen / Pfaffenhofen / vnd Cassel / ein. Gemeldter Hertzog Bernhard von Sachsen erobert den 14. Novembris die Statt Deckendorff / vnnd auff der andern Seiten Isereck / Plädling / vnd andere Orth. Aber / weil der Hertzog von Friedland bey Cham ankommen / vnnd Willens war / selbige Statt zu belägern / gieng Hertzog Bernhard wider zuruck [103] auff Straubingen / in Willen / auf den Fridländer zu gehen; der sich aber / als er solches erfahren / wider zurück in Böheimb begeben. Anno 34. trieb Hertzog Bernhard die Käyserliche Guarnisionauß Kemmat / oder Kemnath / vnd andern Orten: Hergegen / die Käyserischen / in der Obern Pfaltz / Waldmünchen / Retz / Neuburg vorm Wald / Schwandorff / vnd dergleichen / eingenommen / außgeplündert / vnnd die Guarnisionen vberal mit weggenommen; auch die Statt Cham / vnnd in Bäyern Straubingen wider eingenommen. So gieng / in diesem 34. Jahr der Bäyrische General Wahl auß Amberg / vnd eroberte Kemnat auch wider mit Accord; wie von diesem allem Kemnitzius im andern Theil / Schwedischen im Teutschland geführten Kriegs berichtet. An. 1635. sollen zu Straubingen in die achtzehen tausend Personen an der Pest gestorben seyn; nämblich vom Statt- vnnd LandtVolck / so dahin geflohen.