Sonntagsfrühe (Hebel, 1834)

Wikisource
Siehe auch: Sonntagsfrühe (1803)
Textdaten
<<< >>>
Autor: Johann Peter Hebel
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Sonntagsfrühe
Untertitel:
aus: J. P. Hebels sämmtliche Werke: Band 1, S. 159–162
Herausgeber: {{{HERAUSGEBER}}}
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1834
Verlag: Chr. Fr. Müller’sche Hofbuchhandlung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]
[159]
Sonntagsfrühe.

Der Samstig het zum Sunntig gseit:
„Jez hani alli schlofe gleit;
sie sin vom Schaffe her und hi
gar sölli müed und schlöfrig gsi,

5
und ’s goht mer schier gar selber so,

i cha fast uf kei Bei meh stoh.“

     So seit er, und wo’s Zwölfi schlacht,
se sinkt er aben in d’Mitternacht.
Der Sunntig seit: „Jez ischs an mir!“

10
Gar still und heimli bschließt er d’Thür;

Er düselet hinter d’Sterne no,
und cha schier gar nit obsi cho.

     Doch endli ribt er d’Augen us,
er chunnt der Sunn an Thür und Hus;

15
sie schloft im stille Chämmerli;
[160]

er pöpperlet am Lädemli;
er rüeft der Sunne: „d’Zit isch do!“
Sie seit: „I chumm enanderno!“ –

     Und lisli uf de Zeeche goht,

20
und heiter uf de Berge stoht[a 1]

der Sunntig, und ’s schloft Alles no;
es sieht und hört en Niemes goh;
er chunnt ins Dorf mit stillem Tritt,
und winkt im Guhl: „Verroth mi nit!“

25
     Und wemmen endli au verwacht,

und gschlofe het die ganzi Nacht,
se stoht er do im Sunne‑Schi’,
und luegt eim zu de Fenstern i
mit sinen Auge mild und guet,

30
und mittem Meien uffem Huet.


     Drum meint ers treu, und was i sag,
es freut en, wemme schlofe mag,
und meint, es seig no dunkel Nacht,

[161]

wenn d’Sunn am heit’re Himmel lacht.

35
Drum isch er au so lisli cho,

drum stoht er au so liebli do.

     Wie glitzeret uf Gras und Laub
vom Morgethau der Silberstaub!
Wie weiht e frische Maieluft,

40
voll Chriesi‑Bluest und Schleeche‑Duft!

Und d’Immli sammle flink und frisch,
sie wüsse nit, aß ’s Sunntig isch.

     Wie pranget nit im Garte‑Land
der Chriesi‑Baum im Maie‑Gwand,

45
Gel-Veieli und Tulipa,

und Sterneblueme nebe dra,
und gfüllti Zinkli blau und wiiß,
me meint, me lueg ins Paradies!

     Und ’s isch so still und heimli do,

50
men isch so rüeihig und so froh!

Me hört im Dorf kei Hüst und Hott;
e Guete Tag und Dank der Gott,
und ’s git gottlob e schöne Tag,
isch Alles, was me höre mag.

[162]

55
     Und ’s Vögeli seit: „Frili io!

Potz tausig, io, do isch er scho!
Er dringt io in si’m Himmels-Glast
Dur Bluest und Laub in Hurst und Nast!“
Und ’s Distelzwigli vorne dra

60
het’s Sunntig‑Röckli au scho a.


     Sie lüte weger ’s Zeiche scho,
der Pfarer, schint’s, will zitli cho.
Gang, brech mer eis Aurikli ab,
verwüschet mer der Staub nit drab;

65
und Chüngeli, leg di weidli a,

de muesch derno ne Meje ha!

Ausgabe I.

  1. und fründli uf de Berge stoht