Schreiben an die Herausgeber des Journals von und für Franken, nebst einer gräflich Castellischen Ahnentafel aus dem XV. Jahrhundert

Textdaten
<<< >>>
Autor: Anonym
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Schreiben an die Herausgeber des Journals von und für Franken, nebst einer gräflich Castellischen Ahnentafel aus dem XV. Jahrhundert
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 5, S. 719-725
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Raw
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Nürnberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Schreiben an die Herausgeber des Journals von und für Franken, nebst einer gräflich Castellischen Ahnentafel aus dem XV. Jahrhundert.pdf
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


|
IX.
Schreiben an die Herausgeber des Journals von und für Franken, nebst einer gräflich Castellischen Ahnentafel aus dem XV. Jahrhundert.
Sie wissen selbst, daß die Geschichte so manches gräflichen und fürstlichen Hauses noch im Dunkel liegt; ja daß manches, besonders protestantische Haus nicht einmahl ein berichtigtes und documentirtes Stammregister aufzuweisen hat, weil die Ahnenproben bey diesen seltener vorkommen. Wie viel Licht eine richtige Genealogie in der Geschichte aufstecke, wie viel Erleichterung sie dem Geschichtforscher verschaffe, weiß jeder Geschichtkundige. Auch selbst der kleinste Beytrag dazu ist nicht zu verachten. Ich glaube daher, daß beyliegende Ahnentafel von einem der ältesten Fränkischen gräflichen Häuser, welche ziemlich hoch hinauf| gehet, Ihnen nicht unwillkommen seyn werde. Solche Stücke gehören ohnehin unter die seltenern in der Geschichte; denn manche Stifter lassen solche Ahnentafeln, welche doch so viel Licht in der Geschichte und Genealogie aufstecken könnten, lieber vermodern, als sie die Erlaubniß geben, solche hervor zu suchen und bekannt zu machen. Ich bin überzeugt, daß in manchem Stifte sich noch mehr Documente für die Genealogie vieler hohen Häuser finden müssen, als diese selbst jetzt in ihren Archiven haben, weil in dem leidigen Bauernkrieg die meisten fürstlichen und gräflichen Archive verbrannt worden sind oder sonst sehr gelitten haben.

 Vielleicht weckt eine solche Probe, wie ich hier überschicke, einmahl die Lust bey Jemand, welcher an einer solchen Quelle sitzt und der Sache kundig ist, die Archive durchzuwühlen und manches brauchbare und seltene Stück dem Moder zu entreißen.

 Zugleich haben wir an diesem Stück eine Probe, wie die Ahnentafeln im 15ten Jahrhundert eingerichtet gewesen sind. Wir sehen daraus, daß man damahls nicht, wie heutzutag, die Angabe des Geburts- und Sterbetags und Jahres oder gar auch noch| des Geburts- und Sterbeortes verlangt habe.

 Ich habe in dieser Copie der Ahnentafel selbst die Form beybehalten, weil auch diese mehr Simplicität hat, als unsere heutigen Stammbäume.

 Zur Erläuterung dieses Stammbaumes will ich nachfolgendes aus der Geschichte des Castellischen Hauses hier beysetzen, weil ich es nicht in den Stammbaum selbst, um ihn in seiner ursprünglichen Gestalt zu lassen, einschieben wollte.

 Graf Friedrich VIII. für welchen diese Ahnentafel ausgefertigt wurde, war der 2te Sohn Grafen Wilhelm IV. zu Castell, und wurde deßhalb, auch weil er etwas blöden Verstandes war, zum geistlichen Stand bestimmt. Sein Geburtsjahr findet man nicht aufgezeichnet. Ao. 1447 wurde er nach Straßburg geschickt, wo er von dem Domstift ohne Weigerung aufgenommen wurde.

 Nach seines Bruders Leonhard III. Tod verließ er den geistlichen Stand, vermählte sich Ao. 1470 mit Elisabeth von Reizenstein, und pflanzte den Castellischen Stamm fort.

|  Er starb Ao. 1498 am Freytag nach dem heiligen 3 Königtag. Sein Leichnam liegt in der Kirche des Closters Ebrach.

 Wilhelm IV. sein Vater hatte Anna von Helfenstein zur Gemahlin. Er wohnte Ao. 1413 dem großen Concilio zu Costniz bey, wo er von Kaiser Sigismund die Belehnung über die Grafschaft, welche damahls noch ein unmittelbares Reichs-Lehen war, zugleich empfing. Er starb den 7 Aug. 1479.

 Leonhard oder Lienhard II. Vater Wilhelm IV. und Großvater Friedrich des VIII. Er hatte Anna von Hohenlohe-Speckfeld zur Gemahlin, um das Jahr 1392. Er starb Ao. 1426 am Sonntag nach St. Veitstag.

 Friedrich VII. Leonhards Vater und Friedrich des VIII. Urgroßvater, regierte um das Jahr 1360. Seine Gemahlin war Adelheid Gräfin von Nassau-Wißbaden. Er starb Ao. 1326.

 Friedrich V. Friedrich des VII. Vater und Friedrich des VIII. 2ter Urgroßvater. Er regierte um das Jahr 1304. Seine 2te Gemahlin, mit welcher er Friedrich VII. erzeugt hat, war Elisabeth Gräfin von Rhieneck.

|  Friedrich III. Friedrich des V. Vater und Friedrich des VIII. 3ter Urgroßvater, hatte Sabina Gräfin von Oettingen, Grafen Ludwigs von Oettingen und der Adelheid, einer Gräfin von Harsburg Tochter, zur Gemahlin. Er starb Ao. 1299.

 So viel wird wohl zur Erläuterung hinreichend seyn.

 Diese Ahnentafel war mit folgendem Empfehlungsschreiben begleitet:

 Wir Jörg Grave und Herr zu Henneberg entpieten dem Hochgebohrnen, Wolgebornen und würdigen Herrn Dom-Propst, Dechan, Senger, Schulmeister und dem ganzen Capitel des höhern Stiffts zu Straßburg, Unsern lieben Herrn und guten Freunden Unßern Dienst und was wir gutes vermögen und lassen Euch wissen, daß wir von unsern Eltern, Altfordern und negsten Freunden inn Würzburger Bistum und in andern Bistumen Herrschafften und Gebieten, da Wir bißher hinkommen seynd und gewohnt haben, viel, dück und oft gehört haben und unterweißt seyn, daß der Wolgeborn Friderich Grave und Herr zu Castell von seinem Ursprung, seines Geschlechts und seiner Eltern ein Wolgeborner Grav, und ehelichen von Vatter und Mutter geboren ist, nemlich sein Vatter noch im Leben und geheißen ist, Grave Wilhelm, Grave und Herr zu Castell, desselbigen Vatter hat geheißen,| Grav Lenhardt Grav und Herr zu Castell, Graf Lenhardts Mutter ist gewesen eine Grävin von Nassau und hat geheißen Adelheid, so ist Graven Wilhelms von Castell vorgenandt Mutter gewesen eine von Hohenlohe und hat geheißen Anna und Ihr Vatter war geheißen Herr Göze von Hohenlohe und Ihr Mutter eine Gräfin von Henneberg, genandt Anna, des Wolgebornen Friederichs Graven und Herrn zu Castell Mutter ist geheißen Anna und eine Grävin von Helffenstein, derselbigen Anna Vatter hat geheissen Grave Johanns von Helffenstein, des Mutter ist eine Grävin von Oettingen gewesen und hat geheißen Anna. So ist der vorgenandten Anna von Helffenstein Mutter eine Grävin von Kirchberg gewest und hat geheißen Irmela, so ist derselbigen Grävin von Kirchberg Irmela Ihr Mutter gewest eine Grävin von Hohenburg und hat geheißen Anna, so scheint des vorgenandten Fridrichen Graven und Herrn zu Castell Altfordern und Vatter und Mutter, und besunder auch sein Vatter und Mutter, wie sie vorbenandt seyn, ehelich bey einander geseßen und eheliche Wohnung zu Bett und zu Tisch und alle andere Sachen, die sie in der heil. Ehe heischend und ziehend gehalten haben, darinnen bevestet gewesen und nemlichen sein Vatter und Mutter, so vorgenandt stehen, noch seynd, wann wir nie anders davon nicht wissen, und auch davon nicht anderst gehört haben, so sagen und schreiben wir| das euer Freundschafft in gantzer Wahrheydt uf den Eyd, den Wir dem Hochwürdigen Fürsten und Herrn, Herrn Gottfriden, Bischoven zu Würzburg, Unsern gnädigen Herrn von Lehen wegen gethan und geschworen haben und deß zu warer Urkundt senden Wir Eurer Freundschafft diesen Brief versiegelt mit Unsern eigenem – Insiegel, daß wir offentlich und mit rechten Wissen daran haben tun hencken, der geben ist nach Christi Geburt tausend Vierhundert Viertzig und in dem siebenden Jar, am Freytag nach S. Gallen Tag.