Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Wachwitz

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Wachwitz
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aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 175–176
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 262.jpg
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Wachwitz


liegt ¾ Stunde nordwestlich von Pillnitz hart an der Elbe. Der grössere Theil der Häuser des Ortes zieht sich in den Wachwitzer Grund hinein. Der Ort besitzt mehr Wein- und Obstanlagen, als Felder- und Wiesewachs, weil die Lage in dieser Hinsicht sehr beschränkt ist.

Das Rittergut ist nur klein, hat aber gefällige, meist neue Gebäude an einem Hügel und eine starke vortreffliche Brauerei, auch einen sehr schönen Garten und vorzüglichen Weinbau.

Zum hiesigen Rittergute gehörten bis hierher noch ausser dem Dorfe 15 auf den Höhen zerstreut liegende Weinbergsgrundstücke, welche „die Herrenberge“ heissen, 4 Lehnsweinberge zu Loschwitz und der 4 Stunden entlegene zum Coswiger Schenkgute gehörige und zur Naundorfer Flur gerechnete Knollenberg, welcher Berg im Jahre 1408 unter dem Namen „der Knorl“ vorkommt.

Uebrigens hat dieses Gut, das verschiedene Schicksale, wie z. B. verschiedene Herren hatte, ausser zwei grossen Weinbergen, welche die Unterthanen jährlich mit 40 Fuder Dünger befahren mussten und einem Gasthofe, weiter kein Eigenthum; nur die starken Zinsen und Lehngelder die es früher hatte, machten es werthvoll, wozu auch die Fasanerie und Elbfischerei-Gerechtigkeit gerechnet werden muss.

Der erwähnte Gasthof, welcher an der Pillnitzer Landstrasse ausser dem Dorfe liegt, heisst „zur Hohnpresse“, weil die Wachwitzer Unterthanen früher darinnen keltern mussten; auch diente er, unter dem Namen „der Erbpresse“ bis zum Jahre 1700 als Rittersitz für die jedesmalige Herrschaft.

Wachwitz an sich ist ein alter, sehr alter Ort, wie dies schon der Name an die Hand giebt, welcher sich auf die Ansiedelung der alten Sorben-Wenden bezieht, von welchen auch Pillnitz angelegt worden ist.

Im Jahre 1645 wurde von den damals gräfl. Lossischen Gütern Pillnitz und Schönfeld das Dorf Niederpoyritz getrennt und mit dem Rittergute Wachwitz verbunden. Wachwitz wurde vorher schon und zwar im 15ten Jahrhundert zu Pillnitz geschlagen und gehörte der von Carlowitzschen Familie.

Im 17ten Jahrhundert und zwar ums Jahr 1645 war es Besitzthum der Herren von Körbitz, von welchen es wieder an die Familie von Carlowitz kam, die es bis zum Jahre 1810 behauptet hat. Von diesem Geschlechte erwarb es die Familie von Olsusieff, von welcher es mit Niederpoyritz im Jahre 1827 der damalige Prinz-Mitregent, nachherige König von Sachsen, unser allgeliebter Landesvater Friedrich August für 40000 Thlr. erkaufte.

Wachwitz wie Niederpoyritz hat eine entzückende freundliche Lage am rechten Elbufer entlang. Unter den Einwohnern beider Orte giebt es viele Schiffer, Handwerker und Zwirnfabrikanten.

Wachwitz wie Niederpoyritz hat sehr starken Weinbau, und in beiden Orten wächst vieles und gutes Obst, wie auch Spargel und fettes Futter für das Vieh.

In nordöstlicher Richtung von Wachwitz zieht sich hier aus dem Elbthale der tiefe und enge, aber romantisch schöne Grund nach Oberrochwitz [176] und Gersdorf[VL 1] hinauf und wird meist von steilen bewaldeten Bergen eingeschlossen. Jenseits der Elbe beginnt das Blasewitzer Kiefernholz.

In Niederboyritz, welches sich am Ausgange des Helfenberger Grundes in das Elbthal herabzieht, sind alle Häuser mit Weinranken bekränzt, was dem Orte ein besonderes liebliches Ansehen giebt.

Im Orte ist ein Erbgericht, eine königl. Presse, eine Schiffmühle und eine Kahnfähre. Der von hier aus nach Helfenberg hinauf führende Grund, welcher eine halbe Stunde lang ist und neben welchem noch drei Seitengebäude nach den Höhen hinauf führen, wird von einem in die Elbe sich ergiessenden Bache durchschlängelt, welcher auf der Gersdorfer Höhe 850 Par. Fuss über dem Meere entspringt und bei ¾ Stunde Länge 400 Fuss Fall hat; er treibt im Grunde drei Mühlen und enthält 5 Teiche.

Noch ist von diesem Grunde, dessen Höhen herrliche und prächtige Aussichten darbieten, zu erwähnen, dass in ihm, oberhalb einer Mühle, auf einem bewaldeten Vorsprunge, die sogenannte Helfenberger, oder besser Helfensteiner Ruine recht romantisch sich darstellt, zu welcher angenehme und mühlose Wege hinauf führen und die das von den Hussiten zerstörte Raubschloss Rothenfels sein soll, welches derjenige Dohn-Rothfelser erbaut haben soll, welcher im 11. Jahrhundert wegen einer gegen den Pabst Alexander dem Kaiser Friedrich gewährten Hülfe, als diese beiden im Kampfe mit einander begriffen waren, vom Würzburger Bischof seines Stammschlosses Rothenfels unweit des Spessarts beraubt wurde und sich hierauf, da ihm wegen des unglücklichem Ausganges dieses Zwistes nichts wieder erstattet wurde, in die Meissner Gegend begab; denn seine Nachkommen besassen späterhin eine geraume Zeit hindurch die Güter Helfenberg, Görsdorf und das damalige Amt Schönfeld.

Im Sommer wird Wachwitz und Niederpoyritz von Dresden aus häufig besucht, um in den nahen Gründen, auf den Höhen und Fluren das Auge zu stärken und zu ergötzen.

In Niederpoyritz war es, wo einmal auf einer Wiese Friedrich der Grosse im 7jährigen Kriege frühstückte, und wo im Jahre 1813 Napoleon während des Waffenstillstands den steilen und schmalen von Pappritz nach der pohlnischen Mühle herabführenden Felsenweg erstieg.

Niederpoyritz geht nach Hosterwitz in die Kirche, während Wachwitz nach Loschwitz eingepfarrt ist.

Bis zum Anfange des 18. Jahrhunderts war Loschwitz ohne Kirche und in die Frauenkirche zu Dresden gewiesen.

Zwar sprachen seine Bewohner und mit ihnen die Bewohner einiger anderer Dörfer den Wunsch aus, man möchte sie zur Hosterwitzer Kirchfahrt schlagen; allein der damalige Besitzer von Hosterwitz versagte seine Einwilligung.

Endlich wurden Loschwitz und Wachwitz einig, um eine eigene Kirche anzuhalten und überreichten 1702 dem Stadtrathe zu Dresden, 1703 dem Oberconsistorium und dem Könige selbst Bittschreiben, in denen sie „um Gottes Willen“ um eine eigene Kirche baten.

Nach glücklicher Beseitigung der sich zeigenden Schwierigkeiten, wurde die Erlaubniss dazu ertheilt, und das Jus patronatus dem Stadrathe zu Dresden zugestanden, der es auch jetzt noch übt. Vom 21. September 1704 an wurde von dem berufenen Pfarrer Arnold der Gottesdienst in dem schon vorhandenen Schulgebäude, dem gegenwärtigen Pfarrhause, gehalten.

Am 14. Mai 1705 fing man an, den Grund zur Kirche zu graben, und trotz der im Jahre 1706 vorhandenen Kriegsunruhen wurde doch der Bau bis zum Jahre 1708 vollendet. Sie ist auf einem, von dem ehemaligen Hospitalberge abgetrennten, erhöhten Platze am östlichen Eingange des Dorfes in einfach, edlem Style, gross, achteckig und ganz von Sandsteinen erbaut, steht weithin, nach Wachwitz zu, etwas isolirt da, hat gegen 343 Fuss Seehöhe und ziert die ganze Gegend. Zu ihrem Haupteingange führt eine doppelte Apereille; auf ihrem kleinen Kirchhofe ruhen mehrere ausgezeichnete Männer, wie Lord Findlater u. s. w. Der grössere Gottesacker ist 1000 Schritte weiter im Süden.

Statt der Erndtepredigt wird zufolge einer Stiftung des Hofkirchners Saxe eine Weinbergsdankpredigt gehalten.

Die hiesige Schule durch die höchst milde Schenkung von 1000 Thlr. der Königin Wittwe Maria unterstützt hat 370 Schuler, welche in mehre Classen vertheilt sind.

Wachwitz zählt jetzt 90 bewohnte Gebäude mit 534 Einwohnern und ist dem Gerichtsamte Dresden zugetheilt, wogegen Niederpoyritz zum Gerichtsamte Schönfeld gehört

M. G.     



Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Gönnsdorf