Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Proschwitz

Textdaten
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Autor: O. Moser
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Titel: Proschwitz
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 61–64
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 092.jpg
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Proschwitz.


Proschwitz, in Urkunden des dreizehnten Jahrhunderts auch Borowswicz genannt, liegt am rechten Elbufer auf einem mit Weingeländen bedeckten Gebirge, wohin von der eine halbe Stunde entfernten Stadt Meissen ein Fussweg führt. In früherer Zeit war der Berg von dieser Seite, und namentlich am sogenannten Katzensprunge, (nach Anderen auch Kattensprung, als von dem Kattenvolke herrührend,) nur mit grosser Mühe zu ersteigen, so dass derselbe 1667 zur Erleichterung für die Fussgänger nach Proschwitz und die benachbarten Dörfer durch Anlegung einer grossen Anzahl in den Felsen gehauener Treppenstufen gangbar gemacht werden musste. Im Jahre 1799 liess der Vater des jetzigen Herrn auf Proschwitz einen sehr bequemen breiten Stufenweg von Sandsteinen anlegen, vermittelst dessen man auf 216 Stufen auf die Anhöhen des [62] Rittergutes Proschwitz gelangt. Reizend ist von hier die Aussicht auf das liebliche Elbthal mit dem gegenüberliegenden alten Schlosse von Meissen, nach Osten hin der Stadt Dresden und den gewaltigen Sandsteinkegeln der Sächsischen Schweiz und den noch ferneren Berggipfeln Böhmens, während der Strom zwischen waldigen Höhen und fruchtbaren Rebenpflanzungen in kurzen Krümmungen majestätisch dahinzieht. Das Schloss Proschwitz liegt mit seinen Wirthschaftgebäuden und dem kleinen Dorfe etwas abwärts, wodurch es einen trefflichen Schutz vor Stürmen und Wettern erfährt.

Proschwitz war bereits im elften Jahrhundert Eigenthum des Bisthums Meissen, doch scheint es vorher im Besitz einer adeligen Familie von Proschwitz gewesen zu sein, aus welcher Ekbert von Proschwitz noch 1102 als Zeuge urkundlich erwähnt wird. Der berühmte wunderthätige Bischof Benno weilte gern in Proschwitz und wandelte namentlich oft in dem nahen einsamen Grunde, aber die hier wohnenden Frösche störten den frommen Mann gar oft, in seinen religiösen Gedanken, so dass er einst, entrüstet darüber, den unzeitigen Schreiern ewiges Stillschweigen gebot. Fortan verstummten die Frösche und haben nie wieder in dem Proschwitzer Grunde ihre unmelodischen Stimmen erhoben; doch findet der Naturforscher unserer aufgeklärten Zeit die Ursache dieses Schweigens in der äusserst empfindlichen Kälte, von welcher das Wasser des heiligen Grundes durchdrungen ist. Die Sage behauptet ferner, dass Bischof Benno hier oft den Sorben, welche damals die hiesige Gegend bewohnten und trotz aller Verfolgungen heimlich dem Glauben ihrer Väter anhingen, das Christentum predigte und durch das Feuer seiner Rede, sowie viele Wunderthaten die meisten dieser Heiden für die christliche Kirche gewann. Benno starb als der zehnte Bischof Meissens im Jahre 1106 und das gläubige Volk wallfahrtete noch Jahrhunderte nach seinem im Dome befindlichen Grabe, um des heiligen Mannes Fürsprache bei Gott zu erflehen. Bischof Witigo I. liess Bennos Gebeine 1274 unter eine prächtige Tumba bringen, nach dessen Heiligsprechung durch den Papst Hadrian VI. aber kamen dieselben unter den Hochaltar, zur Zeit der Reformation nach Stolpen, und bald darauf nach München, wo man sie noch heute zeigt. Ob diese Reliquien ächt sind, darüber herrscht freilich Zweifel, denn es wird behauptet, dass bei der ersten Kirchenvisitation, wo auch Bennos Tumba entfernt wurde, Herzog Heinrich und Churfürst Johann Friedrich in ihrer Gegenwart die Gebeine Bennos aus dem Sarge nehmen und in die Elbe werfen liessen, denn mit unerschütterlicher Ueberzeugung glaubte das Volk an die Wunderkraft der Ueberreste des heiligen Mannes die vier Jahrhunderte hindurch so viele Beweise ihrer überirdischen Einwirkung gegeben haben sollten.

Nach der Reformation wurde das Rittergut Proschwitz mit Zubehör Eigenthum der Krone, im Jahre 1554 aber überliess es der Landesherr Churfürst August einem Herrn von Ziegler und Klipphausen, von dessen Familie das Gut 1627 an den Kammerrath Peter Werdermann gelangte. Derselbe erkaufte von dem Prokuraturamte zu Meissen das Patronatrecht über die Kirche zu Zscheila, wohin Proschwitz eingepfarrt ist und in welcher sich noch eine schöne Gruft für die Besitzer des Rittergutes Proschwitz befindet, doch blieb dasselbe nur bis 1698 bei dem Gute, da es in diesem Jahre durch Kauf wieder an die Prokuratur gelangte. Peter Werdermann starb 1674, und von seinen Besitzungen fiel Proschwitz an den Grafen von Beichlingen, dessen Sohn als Premierminister der Churfürsten Johann Georgs IV. und Augusts eine so traurige Berühmtheit erlangte. Nach dem Sturze des Ministers blieb das Gut im Besitze der Gräfin von Beichlingen, geborenen von Miltiz, die im Jahre 1707 das Schloss zu Proschwitz von Grund aus neu erbaute und durch viele segensreiche Verbesserungen sich ein bleibendes Andenken erwarb. Nach ihrem Tode kam das Gut an den Legations- und Consistorialrath von Leisching. Derselbe verkaufte es an den früher in Dänischen Diensten gestandenen General von Arnstädt, von welchem es im Jahre 1791 an den churfürstlich Sächsischen Kammerherrn und nachherigen Hausmarschall Freiherrn von Berlepsch gelangte. Zur Zeit ist Eigenthümer des Rittergutes Proschwitz mit Baselitz, Okrylla und einem Vorwerke in der Nassau der königl. Preussische Kammerherr Herr Friedrich Freiherr von Berlepsch. – Die letzten Besitzer von Proschwitz haben viele neue Bauten Verbesserungen und Verschönerungen vorgenommen. Längst den südlichen Abhängen bis ziemlich an die Ufer der Elbe sich erstreckende zum Rittergute gehörige Weinberge enthalten äusserst guten Boden, der aus verwittertem Granit und Sienit besteht, und vorzügliche Rebsorten. Die Namen dieser Weinberge, Katzensprung, Gottesgabe und Steinberg, erfreuen sich eines längst begründeten Rufes. Im Jahre 1845 kaufte der jetzige Besitzer von Proschwitz das eine Stunde entlegene kleine Rittergut Roitzschberg, was dem Baron von Werthern gehörte und vorzüglich aus Weinbergen mit vier Winzereien bestand. Die Anlagen und Alleen von Kirschbäumen, die auf dem Plateau des Rittergutes Proschwitz sich befinden, bieten zur Zeit der Kirschenreife der Umgegend und namentlich den Bewohnern Meissens eine willkommene Veranlassung die schöne Aussicht daselbst zu geniessen und die parkähnlichen Anlagen und Spaziergänge zu besuchen.

Das zu Proschwitz gehörige Dorf Baselitz ist nach Wantewitz eingepfarrt und zählt in sechsundzwanzig Häusern etwa hundertfunfzig Einwohner. Okrylla wird schon in einer Urkunde von 1205 als eines der [63] Dörfer erwähnt, welche dem neugestifteten St. Afrakloster in Meissen Getreidezinsen entrichten mussten, und zwar lieferte Okrylla sechszehn Scheffel Korn und sechszehn Scheffel Hafer. Der Ort, welcher einunddreissig Häuser und ziemlich zweihundertfunfzig Bewohner zählt, war bis zum Jahre 1661 Eigenthum des Meissner Prokuraturamtes, wo es Peter Werdermann mit Proschwitz vereinigte. Durch häufige Feuersbrünste heimgesucht, befinden sich jetzt in Okrylla fast durchgängig schöne neue Gebäude. – Merkwürdig ist Okrylla als der Fundort einer rothen Thonerde, welche der bekannte Abentheurer und Erfinder des Sächsichen Porzellans, Johann Friedrich Böttger, zur Anfertigung von Schmelztiegeln benutzte und zu seiner freudigen Ueberraschung bemerkte, dass die Gluth des Feuers den Thon in ein braunes Porzellan verwandelte. Schon im sechszehnten Jahrhundert war übrigens dieser Thon den Meissner Töpfern bekannt, welche daraus treffliche Gefässe, und noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, durch Beimischung eines bei Taubenheim gegrabenen gelben Thones eine Menge feiner Arbeiten, wie Stockknöpfe, Tabaksdosen und dergleichen herstellten.

Nahe bei Proschwitz liegt die Nasse oder Nassau, eine grösstentheils aus Wiesen bestehende Flur, welche der Sitz einer Unzahl schauerlicher Volkssagen und Gerüchte ist. Namentlich des Nachts vermied in früherer Zeit der Landmann die unheimliche Nassau oder betrat sie nur mit Grauen, denn hier trieben tückische Irrwische ihr neckendes Spiel und geisterhafte Gestalten erfüllten den einsamen Wanderer mit Entsetzen. In der niederen Nasse, nach Gröbern und Bohnisch zu, wo eine mit verfallenen Gräben umzogene Anhöhe die Stätte einer alten Burg bezeichnet, war der Spuk am ärgsten und der Furchtsame hütete sich vor Allem, dem verwünschten Schlosse nahe zu kommen. In der Burg soll einst ein Ritter von Karras gehaust haben, ein wilder, zorniger Herr, der wegen einer vermeintlichen Beleidigung, die ihm von dem Churfürsten Moritz wiederfahren war, diesen Fürsten in der Schlacht bei Sievershausen meuchlerisch mit einem Faustrohre erschoss. Die Sage erzählt ferner dieser wilde Ritter habe sein Leben bei einem furchtbaren Wetter eingebüsst, indem ein Wolkenbruch die Wälle des in Mitten der Teiche liegenden Schlosses überfluthete und zugleich ein Wetterschlag die Gebäude anzündete, so dass alle Burgbewohner rettungslos verbrennen mussten. Dass das Schloss der Familie von Karras gehörte ist wol unrichtig, denn auf der unheimlichen Burgstätte befand sich in der Vorzeit das Schloss der Herren von Nassau, die auch das nahe Gröbern besassen. Einer dieses Geschlechts, Ritter Fritzold von Nassau, war ein höchst unruhiger Kopf, der in unaufhörlichen Streitigkeiten mit seinen Nachbarn lebte und 1349 auch mit der Meissner Geistlichkeit Händel bekam, indem er dem Hospitale Zinsen vorenthielt und das Vorwerk Kölln heimsuchte; durch den Hass der Geistlichen aber mögen nun nach Ritter Fritzolds Tode wol auch die meisten Spukgeschichten erfunden worden sein. – Ein Hauptgegenstand abergläubischer Furcht waren auch zwei grosse Gruppen frei auf der Ebene liegender Granit- und Porphyrblöcke, der grosse und kleine Riesenstein genannt, von denen der Steinblock genommen wurde, welcher auf der Räcknitzer Anhöhe bei Dresden das Andenken des Französischen Generals Moreau bewahrt. Das in späteren Jahren für S. Majestät König Friedrich August den Gerechten im Zwinger zu Dresden errichtete Monument ist ebenfalls von dem auf der Nassau vorhandenen Porphyr angefertigt worden. Im Jahre 1807 liess der Besitzer des Rittergutes Proschwitz nicht weit von dem wüsten Schlosse des spukenden Ritters Fritzold mitten in den Wiesencomplex des Rittergutes ein Vorwerk erbauen. Durch die erst vor mehreren Jahren über die Nassau geführte Chaussee von Meissen nach dem Bahnhofe zu Niederau haben diese und viele angrenzende Wiesen grossen Vortheil gebracht, indem die bedeutenden Chausseegräben die Entwässerung des feuchten Bodens bewirkten, wodurch die herrlichsten Auenfelder entstanden sind. Das neue Vorwerk und namentlich die Chaussee haben die Oede und Einsamkeit der Nassau sehr gemindert und die Furcht der Landleute vor dem spukenden Ritter und anderen Unholden ist verstummt. Hier befand sich vor etwa siebzig Jahren auch noch der sogenannte Fürstenteich, einer der grössten Teiche des Landes, welchen Markgraf Wilhelm der Einäugige 1404 anlegen und Herzog Albrecht 1467 vergrössern liess. Ausser vielen anderen Fischarten enthielt der Teich hundert Schock Karpfen, und sein Ablauf, der mehrere kleine Teiche bildete, trieb zwei Mühlen; gespeist aber wurde das bedeutende Bassin durch den Zscheilbach, welcher sein Wasser aus den Oberauischen Teichen in der Burggrafenhaide sammelt und bei dem Katzensprunge in die Elbe fällt. Die Sächsischen Fürsten pflegten hier oft wegen der Fischerei und Entenjagd sich aufzuhalten. Jetzt ist der Teich in Felder und Wiesen verwandelt.

Das Rittergut und Dorf Proschwitz hatte in dem Kriegsjahre 1813 so Manches zu erleiden, wozu wohl hauptsächlich die hohe Lage unmittelbar über der Elbe, und der Umstand beitrug, dass die Elbbrücke bei Meissen am 12. März desselben Jahres durch Marschall Davoust abgebrannt worden war, wodurch die Passage der Truppen nur auf Schiffbrücken, unmittelbar unter den Proschwitzer Bergen erfolgen konnte. Nach der Schlacht von Lützen legte General v. Blücher in Begleitung mehrerer Preussischer Prinzen, wobei auch Sr. Majestät der jetzige König von Preussen, als damaliger Kronprinz, sowie General v. Gneisenau, sein Hauptquartier [64] am 6. Mai und folgende Tage in das Schloss zu Proschwitz. Bis an das jenseitige Ufer drangen die Franzosen vor.

Am 27. September 1813 rückte des Abends die Französische Division des General Cohorn mit 8000 Mann, als eine Abtheilung des Corps vom Marschall Marmont, aus der Gegend von Grossenhayn in die nächste Umgebung des Dorfes von Proschwitz und bivouakirte auf dessen Feldern. General Cohorn mit seinem Stabe quartierte sich ins Schloss. Die Nacht wurde fouragirt, die sämmtlichen Kühe und ein grosser Theil der Schaafe wurden ins Bivouak geholt und geschlachtet, das Dorf von den Franzosen unter dem Vorwande zu fouragiren, geplündert und viele Excesse begangen. Die auf dem Berge bei Proschwitz befindliche Windmühle wurde von den Franzosen theilweise abgerissen und das Holz davon auf dem Bivouak verbrannt. Alles was an Holz bemerkbar war, wurde aus dem Dorfe geschleppt, und die Wachtfeuer damit versorgt. Schon mehrere Tage vor dem 27. September waren von Französischen Ingenieurs auf den Höhen von Proschwitz Schanzen aufgeworfen und ein Brückenkopf an der Elbe, Meissen gegenüber, unter persönlicher Anwesenheit des Kaisers Napoleon, angelegt worden. Die Kanonen auf die Höhen von Proschwitz zu schaffen wurde ein Weg durch die steilen Weinberge geführt, der sehr schwer zu bewerkstelligen war. Tags darauf, am 28. September früh, rückte die Division des General Cohorn den austürmenden Russen des Sackenschen Corps entgegen, die aus der Gegend um Grossenhayn die Elbe zu erreichen und zu passiren bemüht waren. Vor dem Dorfe Proschwitz und in demselben entspann sich ein ziemlich bedeutendes Scharmützel. Die Franzosen mussten weichen und zündeten die Schäferei vor dem Dorfe an, um ihren Rückzug zu decken, und die Schiffbrücke zu erreichen. Die Kanonen aus den Schanzen, die nur wenig gebraucht und benutzt werden konnten, folgten den Französischen Truppen in schneller Flucht. Die Russischen Jäger und Kosaken verfolgten die Franzosen fechtend bis an die Schiffbrücke, welche sofort, nachdem die letzten Franzosen sie passirt hatten, abgebrochen wurde. Die Russischen Jäger durchsuchten nach der Einnahme des Dorfes das Schloss zu Proschwitz, in der Erwartung noch versteckte Franzosen zu Gefangenen zu machen. Bei dieser Gelegenheit ward Alles das, was annehmlich erschien, mit fortgeschleppt und in das Bivouak vor das Dorf transportirt. Mehrere Todte, die von beiden Seiten auf dem Platze geblieben waren, wurden sofort beerdigt. Das Sackensche Corps blieb 5 Tage in der Umgegend währenddem von den entgegengesetzten Höhen bei Meissen die Franzosen das Dorf mit glühenden Granaten beschossen. Glücklicherweise zündete keine von ihnen. Mehrere Dörfer in der Nähe wurden ein Raub der Flammen. Nach verschiedenen Versuchen die die Russen machten die Elbe zu passiren, gelang es nach 5 Tagen bei Merschwitz, wo die Kosaken durchschwammen, und die am jenseitigen Ufer von den Franzosen versenkten Schiffe und Kähne aufsuchten, um sie zum Uebergange zu benutzen. Die Franzosen zogen sich in die Gegend von Leipzig zurück, wo sich die Schlacht von Leipzig vorbereitete.

Proschwitz ist mit Niederfähre, Bonitzsch, Okrylla, Rottwitz und Winkwitz in die Kirche zu Zscheila eingepfarrt, eines der ältesten Gotteshäuser der Gegend, welche dem heiligen Georg gewidmet war. Im Jahre 1512 wurde die damals ziemlich kleine Kirche bedeutend verlängert und neun Jahre darauf der Thurm erbaut, doch wurde dieser 1667 erneuert und mit einer Uhr geziert, welche sich früher auf den churfürstlichen Jagdschlosse Sitzerode befand. Bei diesem kostspieligen Baue und anderen frommen Opfern betheiligte sich namentlich durch grosse Mildthätigkeit der Rittergutsbesitzer auf Proschwitz, Kammerrath Werdermann, dessen Andenken durch sein in der Kirche aufbewahrtes Bildniss und eine Inschrift an der grossen Glocke erhalten wird. Bis zum Jahre 1539 war Zscheila eine Propstei, doch hatte der Propst seinen Sitz nicht hier, sondern in Grossenhayn, in Zscheila wohnten dagegen vier Chorherren und ein Pfarrer. – Auf der Stelle wo jetzt die Kirche befindlich ist, soll in grauer Vorzeit die Burg Zschillow, der Sitz eines kaiserlichen Burgwards gestanden haben, und die Sage behauptet dass, gleichwie in Proschwitz und einigen anderen reizend gelegenen Orten des Elbthales, auch hier der Bischof Benno sich oft aufhielt und die Kirche gründete, gewiss ist dass der Bischof hier eine Glocke taufte, und einen Umkreis bestimmte, innerhalb dessen sie vor dem Blitzstrahle schützte. Die schöne grosse Kirche zu Zscheila mit ihrem hundertundvierzehn Ellen hohen Thurme ist eine Zierde der ganzen Gegend und kann selbst von den Höhen der Sächsischen Schweiz wahrgenommen werden. Im Jahre 1395 erhielt die Zscheilaer Kirche gleich dem Dome zu Meissen die Vollmacht des Ablasses wegen des grossen Jubeljahres.

O. Moser, Redacteur.