Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Hohenfichte

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Hohenfichte
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aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 123–125
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV 193.jpg
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Hohenfichte


liegt angenehm überm linken Flöhe-Ufer, an der Schellenberg-Dresdner Strasse, eine starke halbe Stunde östlich von Schellenberg.

Das Rittergut, welches eine schöne herrschaftliche Wohnung mit guter Schäferei besitzt und wozu eine Mühle gehört, ist erst im Jahre [124] 1680 von Georg Günther aus mehreren zusammengeschlagenen bäuerlichen Grundstücken gebildet worden. Dieser Georg Günther war Wildmeister und Besitzer des Jägerhofs bei Schellenberg.

Im Jahre 1688 kaufte dann dieses Rittergut ein gewisser Pitterlin für 2600 Rthlr. Darauf kam es in den Besitz derer von Zanthier und von Schütz. Von diesen ist es auf Johann Christoph Grundmann übergegangen, von welchem es dessen Sohn Carl Friedrich Ernst Grundmann überkommen hat, der noch im Besitze des Gutes ist.

Das Rittergut Hohenfichte hat eine angenehme und romantische Lage, ihm gegenüber auf dem rechten, etwas hohen und steil abfallenden Ufer der Flöhe liegt Metzdorf, welches durch eine hölzerne bedeckte Brücke mit Hohenfichte verbunden ist.

Bemerkenswerth ist auch die grosse am Flöhestrom gelegene Spinnfabrik der Herren Hauschild und Pensa.

Der jedesmalige Gutsbesitzer von Hohenfichte ist Collator über die dasige Schule, wogegen das Collaturrecht über die Kirche zu Schellenberg, wohin Hohenfichte und Jägerhof mit Grünberg, Metzdorf und Hennersdorf eingepfarrt ist, dem Ministerio des Cultus zusteht, und bildet diese Kirche mit den genannten Orten und mit Augustusburg die Parochie Augustusburg. Um die Morgen- und Mitternachtseite des Berges, welcher das Schloss Augustusburg trägt, ziehet sich die Stadt Schellenberg. Die Zeit ihrer Gründung ist ungewiss; wahrscheinlich jedoch ist sie zugleich mit dem Schloss Schellenberg, welches an der Stelle der Augustusburg stand, schon ums Jahr 968 vorhanden gewesen.

Schellenberg ist oft von Brandunglück heimgesucht worden. Unter diesen Bränden ist vorzüglich der am 6. Nov. 1831 zu erwähnen, wo die Stadtkirche mit in Flammen aufging. Letztere stand auf dem freien Platz zwischen der Cantorwohnung und dem Kindermannschen Hause etwas seitwärts und war ein altes, unansehnliches Gebäude, welches 1444 und am 7. Oct. 1480 von dem Bischof Johann von Weissbach zu Meissen seine Weihen empfangen hatte.

Durch die Bemühungen des Herrn Justizamtmann Weissbach wurde zur Erbauung der neuen Kirche ein geeigneter Platz acquirirt, der sogenannte Lotterhof. Im Frühjahre 1840 ist die neue Kirche in dem Garten des Lotterhofes abgesteckt und den 29. Sept. desselben Jahres der Grundstein gelegt worden. Rasch schritt der Bau vorwärts, so dass schon im September 1841 die Hebefeierlichkeit vor sich gehen konnte.

In den Zeiten vor der Reformation ist Schellenberg ein Filial von Flöha gewesen und der hiesige Gottesdienst durch die Capellanen des dortigen Pfarrers besorgt worden.

Schellenberg und Hohenfichte erinnern uns zugleich an die herrlichen Parthieen des Flöhethals.

Die Gegend des Flöhethals, in dessen Nähe das Schloss Augustusburg die Wolken zu berühren scheint, ist wohl eine der vorzüglichsten. Die überhaupt an den üppigsten Wiesen dahin rauschende Flöhe, welche in Böhmen nahe den Quellen der Weiseritz und Mulde, in einer Meereshöhe von 2500 Fuss entspringt und bei Deutsch-Georgenthal die sächsische Grenze erreicht, fällt auf ihrem 16 Stunden langen Lauf bis zur Ausmündung in die Zschopau, gegen 900 Ellen. Es hat eine Zeit gegeben, wo diese beiden Ströme, gleich Furien, ihre Thäler wühlten, um sich schwesterlich zu verbinden; aber diese Vorzeit ist so grau, dass die, in welcher an ihrem Zusammenflusse Menschen zuerst sich anbauten, gegen dieselbe wie ein gestriger Tag erscheinen will und schon dieses mindest 1000jährige Gestern deckt ein nicht zu lichtendes Dunkel.

Auch bei Hohenfichte sind die Parthieen des Flöhethals, wie schon erwähnt, reizend zu nennen.

Von dem Schlosse Augustusburg gehört zu dem schönsten Anblick der näheren Umgebungen unbedingt die Aussicht auf die Dörfer Hohenfichte, Grünberg, Metzdorf; Dorf Schellenberg und Teubsdorf[VL 1], sowie das Zschopauthal mit den Fabrikörtern Plaue und Flöhe und in der Waldung das Schloss Lichtenwalde.

Die Schule zu Hohenfichte, derer früheres mangelhaftes Local mit einem 1841 erkauften, zweckmässig eingerichteten Hause vertauscht worden ist, wird von circa 60 Kindern besucht.

Die Kinder von Metzdorf besuchen ebenfalls die Schule zu Hohenfichte.

Ausser den herrschaftlichen Wohn- und Wirthschaftsgebäuden befindet sich hier 1 Viertelhufner, 4 Althäusler und 18 Halbhäusler, im Ganzen aber jetzt 30 bewohnte Gebäude mit 68 Familienhaushaltungen und 339 Einwohnern. Der Ort gehört jetzt sammt den herrschaftlichen Gebäuden zum Regierungsbezirk Zwickau, zur Amtshauptmannschaft Chemnitz, zum Bezirksgericht und zum Gerichtsamt Augustusburg. [125] Das jetzige Gerichtsamt Augustusburg hat nicht mehr den bedeutenden Umfang, den das frühere Justizamt Augustusburg hatte.

Jetzt gehören zu dem Gerichtsamte nur eine Stadt und 22 Landgemeinden, darunter 3 Rittergüter.

Früher bildeten 3 Städte, Schellenberg, Zschopau, Oederan, 24 Landgemeinden und 11 Rittergüter den Amtsbezirk.

Sehr verschieden zeigt sich des Bodens Tragbarkeit in diesem Bezirke, den Felsen und Steinrücken sehr schmälern.

Unter den Bergen zeichnen sich die Heikel- und Staupenberge bei Waldkirchen, Hötzels-Höhe bei Erdmannsdorf aus und bestehen meist aus Gneus, zum Theil aus Porphyr. Unterhalb Augustusburg giebt es grosse Kalklager, bei Gückelsberg Steinkohlen.

Obschon ein Wald vom ersten Range fehlt, so wird aus dem hiesigen Gerichtsbezirke immer noch viel Holz verflösst. Dagegen kommt aus dem Niederlande Zufuhr an Getreide.

Die vortreffliche Rindviehzucht erlaubt starken Butterhandel nach Chemnitz, Leipzig und Berlin.

Die Waldkirch-Borstendorfische Gegend ist noch ausserdem durch die Holzwaarenmanufactur belebt, wogegen die Gegend von Hohenfichte u. s. w. nur auf Ackerbau und Viehzucht beschränkt bleibt.

M. G.     



Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Leubsdorf