Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Hof

Textdaten
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Autor: Otto Moser
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Titel: Hof
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aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 76–78
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Hof.


Hof, in Urkunden auch Howe, Hoeff und zum Hof genannt, ist trotz seines scheinbar deutschen Namens von den Sorben gegründet worden und hiess bei ihnen Ova und Uva, welches Wort einen seichten Ort zwischen höheren Umgebungen bedeutet, wie denn Urkunden von 1250 und noch von 1547 das Dorf „Howe“ nennen. Dasselbe besteht mit Inbegriff des Rittergutes und der geistlichen Gebäude aus fünfundsiebzig Hausnummern, worunter sieben Bauergüter, vier Halbhufengüter, elf Viertel- und zwei Achtelhufengüter, eine Schenke, dreiundzwanzig Häuser und eine von dem Jahnabache getriebene Mühle. Die Einwohnerschaft zählt über sechshundert Köpfe. Hof liegt zwei Stunden südöstlich von Oschatz am Fusse der Casabrischen und Hohenwussener Anhöhen.

Das Rittergut Hof hat massive, in neuerer Zeit errichtete, Wirthschaftsgebäude und ein schönes, modernes mit Thürmen geziertes Schloss, dessen Pferdestall vormals die Capelle war. Auch das alte Schloss ist noch vorhanden und dient jetzt als Gärtnerwohnung und Vorrathsgebäude, aber in seinem Innern ist noch manche Spur vorhanden, dass es vor Jahrhunderten der Wohnsitz stolzer Edelherren und Schauplatz ritterlicher Feste war. Das alte Schloss beherbergte einst den römischdeutschen Kaiser Karl V., als er auf seinem Heereszuge gegen den Churfürsten Johann Friedrich von Sachsen am 22. April 1547 mit seinen Truppen hier Rasttag hielt. Das an und für sich bedeutende Rittergut Hof gewinnt an Wichtigkeit durch seine Verbindung mit dem nahen Raitzen, welches vormals selbst ein Rittergut war, jetzt aber nur als Vorwerk gilt. In Raitzen befindet sich die berühmte, oder vielmehr berüchtigte, ungeheure Scheune mit vier Tennen und Schüttböden, die bereits seit länger als sechshundert Jahren bekannt ist, denn schon 1214 wurde sie reparirt, ebenso 1414, 1517, 1697 und 1819. Die Sage lässt diese Scheune, unbedingt die grösste Sachsens, vom Teufel erbaut sein, und ein Loch in dem Giebel darf nicht vermauert werden, ohne dass ein grausiger Spuk darin stattfindet. –

Der älteste Besitzer Hofs, dessen Namen auf unsere Zeiten gekommen, ist Dudo de Domo, der in einer Urkunde vom Jahre 1212 erwähnt wird. Später gehörte das Gut dem Ritter Heinrich von Jhana, welcher 1362 dem Jungfrauenkloster zu Mühlberg einiges Geld und Getraide schenkte, und ihm auch zwei Hufen Landes im Dorfe Adelwitz überliess, worüber Markgraf Friedrich Lehn und Bestätigung gab. Derselbe Ritter von Jhana und sein Sohn Heinrich schenkten 1360 eine Mark neun Scheffel Hafer, Oschatzer Maas, jährlichen Zins von einer Hufe Acker im Dorfe Hof, wozu zwei Hofstätten gehörten, dem Altar des heiligen Märtyrers Pankratius und der elftausend [77] Jungfrauen. Diesen Zins eigneten die Burggrafen zu Meissen Meinhold IV. und Berthold am Sonnabende vor Mitfasten des genannten Jahres zu. Später gehörte das ganze Dorf dem Jungfrauenkloster zu Mühlberg, denn dessen Aebtissin belehnte mit Hof und Cavertitz am 13. Juli 1463 den Ritter Heinrich von Miltitz. Der nächste Besitzer Hugold von Schleinitz auf Schleinitz, starb 1534 und hinterliess das Gut seinem Sohne Simon Juda von Schleinitz, welcher mit Barbara von Rauchhaupt vermählt war und noch 1558 lebte. Christoph von Schleinitz besass Hof 1560. Abraham von Schleinitz, Simon Judas Sohn, ist in der Pfarrmatrikel von 1575 als Gutsherr genannt; ihm gehörte auch Dahlen. Dietrich von Schleinitz auf Bornitz und Jahnshausen war 1586 Eigenthümer von Hof und vermählt mit Catharine von Starschedel aus Mutzschen. Als dem Churfürsten Johann Georg I. am 20. April 1640 zu Oschatz gehuldigt wurde, war Dietrich von Schleinitz als Commissarius dort, starb aber noch in demselben Jahre am 12. December; seine Gemahlin verewigte schon 1595 auf dem Schlosse Mückenberg und wurde in der Kirche zu Hof beerdigt, wo auch ihr Gatte seine Ruhestätte fand. Dietrich von Schleinitz auf Bornitz und Jahnishausen lebte hier 1632 und Hans von Schleinitz auf Ochsensaal 1637. Letzterer starb 1660 und hinterliess eine Wittwe, Martha geborene Pflugk aus Gersdorf, die 1664 in der Sophienkirche zu Dresden beerdigt wurde. Der nächste Besitzer von Hof war Johann Georg Freiherr von Rechenberg Chursächsischer Oberhofmarschall, Geheimerath, Oberkämmerer, Oberstallmeister und Herr auf Herrmannsdorf, Reichenau, Eythra, Mausitz, Nehemitz, Radeburg, Zschochau, Tristewitz, Buchwalde, Drossdorf, Grünberg, Cracau und Schmiedeberg, ein weitgereister und sehr gewandter Cavalier, der am kaiserlichen und Brandenburgischen Hofe einigemale als Gesandter fungirte und von Kaiser Ferdinand III. aus eigenem Antriebe die Bestätigung der von seinen Vorfahren behaupteten Freiherrnwürde erhielt. Das erste Mal war er vermählt mit Perpetua Juliane von Carlowitz aus Kriebstein, die 1645 zu Dresden starb, das zweite Mal mit Magdalenen Sophien von Taube aus Neukirchen, gestorben 1655 auf dem Solmsischen Schlosse Sonnenwalde, und endlich mit Rahel von Werthern aus Beichlingen. Der Freiherr von Rechenberg starb 1663 zu Dresden und liegt in der Kreuzkirche begraben, sein Sohn aber aus dritter Ehe, Johann Georg von Rechenberg, verkaufte Hof im Jahre 1689 an Otto Christoph Freiherrn Teufel von Gunnersdorf, einen Oesterreichischen Protestanten, der aus Religionsgründen seine beiden Herrschaften Gunnersdorf und Wegedorf um geringen Preis verkaufte, sich nach Sachsen wendete und 1690 zu Dresden als der Letzte seines Geschlechts mit Tode abging. Seine Gemahlin war die Gräfin Polixena Elisabeth von Volkrain.

Die Tochter des Freiherrn Teufel heirathete zu Pressburg den Grafen Georg Ludwig von Zinzendorf und Pottendorf, königlich Polnischen und churfürstlich Sächsischen Geheimrath, vormaligen Gesandten zu Wien und Berlin und starb zu Dresden am 27. Februar, worauf ihr Gemahl eine zweite Ehe mit Justine von Gersdorf aus Baruth schloss, die ihm einen Sohn, den Erbauer von Herrnhuth und Gründer der dortigen Brüdergemeinde, Nikolaus, gebar. Nach seinem 1700 erfolgten Tode heirathete die Wittwe den Preussischen Generalfeldmarschall Gneomar von Natzmer, wurde 1739 abermals Wittwe und starb zu Berlin 1763. Nach des Vaters Tode kam Hof an des Grafen Georg Ludwig von Zinzendorf einzigen Sohn erster Ehe, Friedrich Christian, der 1757 als Geheimrath, Kammerherr und Senior der Familie starb. Seine erste Gemahlin war Juliane Amalie Gräfin von Polheim († 1727), die zweite Christiane Sophie Gräfin von Callenberg. Der zweite Sohn erster Ehe, Max Erasmus Graf von Zinzendorf und Pottendorf, erbte Hof 1757 und besass es noch 1775, bald aber gelangte das Gut an den Magister Curt Friedrich von Schönberg auf Oberschöna und Linda, des Kammerherrn und Oberberghauptmanns Curt Alexanders von Schönberg einzigen Sohn, für den die Mutter, eine geborene Freiin Nehme, während seiner Minderjährigkeit Hof erstand, als es eben wegen Concurses öffentlich angeschlagen war. Dem Herrn von Schönberg gehörte Hof noch 1782; er starb unvermählt. Der nächste Besitzer, Isaak Wolfgang Graf von Riesch, besass das Gut 1783 und verkaufte es für 102500 Thaler dem Geheimrath Johann Heinrich Grafen von Rüdiger, der 1797 in Leipzig starb und in der Kirche zu Hof beerdigt ist. Das Gut fiel nunmehr an seine drei Neffen und Testamentserben, die Grafen Carl Heinrich, Johann David und Friedrich Wilhelm von Rüdiger, von denen Johann David 1803 zu Hof starb und seinen Gutsantheil dem jüngeren Bruder vermachte; 1806 übernahm der ältere Bruder das Gut für 315000 Thaler. Nach dessen Tode kaufte es die Wittwe Wacker auf Gröba und von ihr kam es 1828 auf ihren zweiten Gemahl, den Rittmeister Adam Theodor Rüssing, der vor kurzer Zeit erst gestorben ist. Zur Zeit ist Besitzer von Hof und Raitzen dessen Schwiegersohn Herr von Thielau-Rüssing.

Die Kirche zu Hof war zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts sehr baufällig und der damalige Rittergutsbesitzer Freiherr Teufel von Gunnersdorf hatte bereits den Entschluss gefasst, einen Neubau derselben vorzunehmen, als er durch den Tod daran verhindert wurde. „Weilen aber, sagt eine alte Nachricht, Ihro Hochgräfliche Excellenz und Gnaden Herr Georg Ludwig des heil. Römischen Reichs Graf Zinzendorf und Pottendorf, Herr der Herrschaften Freydegg, Schönegg, Türnstein und des Thales Wonhau in Oestreich ob der Enss und Sr. churfürstlichen Durchlaucht zu Sachsen wirklicher Geheimerath, jetzo an Sr. allergnädigsten Kaiserl. Majestät Leopold des Grossen Hofe, hochansehnlicher königl. Pohlnischer und churfürstl. Sächsischer Abgesandte nebst Dero damals auch unmündigem leiblichem Herrn Bruder Herrn Christian Otto gebornen Reichsgrafen von Zinzendorf und Pottendorf und zwar in Dero noch beiderseits zarter Jugend umb in der reinen Evangelischen Lehre erzogen zu werden das flebile emigrandi beneficium mit Verlassung deren unterschiedenen Herrschaften nicht sonder grosse Gefahr ergriffen und sich gleichergestalt in hiesige churfürstl. Lande reteriren müssen, so haben Sie nebst Ihrer in gleichem Glück damals begriffenen Frau Gemahlin Maria Elisabeth nach Dero beiderseits Gottes Wort begierigen heil. Seelen Erquickung und da ihr Fuss in diesen evangelischen Landen Ruhe gefunden sich wohlbedächtig mit einander dahin entschlossen dem Allerhöchsten zu Ehren vor gethane heilige wunderliche Führung und Versorgung das Gotteshaus zu Hoff mit ziemlichen und ungesparten Kosten von Grund ganz neu aufzubauen.“

Im September 1691 begann man die alte Kirche abzubrechen und im October 1697 wurde die schöne neue Kirche eingeweiht. Dieselbe ist ein Werk des Dresdener Maurermeisters Fuchs und zeichnet sich durch Geräumigkeit, innere Ausschmückung und einen stattlichen achtundachtzig Ellen hohen Thurm aus, hat aber keine Emporen. Der Altar wurde aus der alten Kirche [78] genommen und ist ein Geschenk Dietrichs von Schleinitz, mit mehreren guten, auf Kupferplatten gemalten Bildern, und verschiedenen trefflichen Alabasterarbeiten geschmückt. – In der Kirche hat man verschiedene alte Denkmale aufbewahrt, so sind hier die Leichensteine Dietrichs von Schleinitz und seiner Gemahlin zu sehen, wie auch der eines 1544 verstorbenen Ritters Asmus von Hawicz, dessen knieendes Bild einen Strick um den Hals trägt. Die meisten Besitzer des Rittergutes ruhen in einer unter der herrschaftlichen Kapelle erbauten Gruft, doch musste aus Mangel an Platz der 1803 verstorbene Graf Rüdiger auf dem Kirchhofe beerdigt werden. – Eingepfarrt ist das Dorf Nasenberg (in Urkunden auch Nassenberg und Nassbrig) mit zwei Bauergütern, zwei Halbhufengütern, vier Viertelhufengütern, vier Häusern und einer herrschaftlichen Schäferei mit siebzig Einwohnern.

Otto Moser.