Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Glaubitz

Textdaten
<<< >>>
Autor: Klassig
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Glaubitz
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 83–84
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
{{{SONSTIGES}}}
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
20160519210DR Glaubitz Schloß.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[Ξ]
Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 124.jpg
[83]
Glaubitz


ursprünglich Glubuz, Glubatz, Glubatzk, Glubozk, d. h. Tiefenort, liegt am Anfange der Ebene Norddeutschlands, im Amte Grossenhain, 2½ Stunde von dieser Stadt entfernt am Wege nach Strehla.

Im 13. Jahrhunderte hat hier eine Familie gewohnt, die sich nach dem Orte, von Glaubitz nannte; dieselbe scheint mit dem alten schlesischen Geschlechte von Glaubitz verwandt gewesen zu sein, das Anfangs in der Grafschaft Glatz ansässig, zu Anfang des 16. Jahrhunderts seine Güter dem Erzbischof Ernst von Prag verkaufte und sich in Schlesien in die Häuser Brieg, Klein-Tschirne, Alten-Gabel und Herzogswaldau, – alle im Fürstenthum Glogau gelegen –, theilte, von denen das erstere im 17. Jahrhundert den freiherrlichen Charakter erhielt. In polnischen, schwedischen und auch deutschen Diensten haben sich Viele dieses Namens tapfer hervorgethan, wie in einer von George Ludwig, Freiherrn von Glaubitz († 1736 als Kaiserlicher Obrist-Lieutnant und Ober-Steuer-Einnehmer der Fürstenthümer Schweidnitz und Jauer) hinterlassenen genealogischen Beschreibung seines Hauses das Nähere zu lesen ist. Nach ihnen besass die Familie von Ponickau Glaubitz, ebenfalls ein altes berühmtes Geschlecht, auf dessen Stammhaus gleiches Namens wir bei Beschreibung des Rittergutes Linz zurückkommen werden. Diesem folgte im Besitze der Herrschaft das Geschlecht der Wellerswalder Truchsesse, welches es bis zum Jahre 1640 inne hatte. Auch diese Familie ist uralt und bekleidete bei den Markgrafen von Meissen das Amt eines Erb-Truchsess, weshalb sie sich bald bloss „Truchsess“ bald von ihren Sitzen, als Sydau, Borne, (auch Burne), Wellerswalde, Falkenhayn u. s. w. nannte. Die Chronik bewahrt uns namentlich drei Truchsess von Wellerswalde auf, nämlich: Johann, Philosophiae Baccalaureus zu Leipzig, hernach juris canonici Doctor, der mit Herzog Friedrich nach Senis in Italien zog, woselbst er 1494 starb; – Heinrich, der 1535 nach seines Bruders Dietrich Tode mit dem Schlosse Wellerswalde und mit Nauendorf etc. beliehen wurde, und Franz, der, nachdem er Falkenhayn für 28,000 Gülden an August von Lüttichau verkauft, 1620 einen Kauf wegen Wellerswalde mit Christoph von der Sahle für 46,000 böhmische Gulden machen wollte, durch den Churfürsten, der den Werth des Kaufes erlegte, aber daran gehindert ward. Lange mag er jedoch namentlich auch Glaubitz, nicht besessen haben, denn 1640 kam dieses in den Besitz derer von Köckeritz eines aus Schlesien stammenden Geschlechtes, das [84] sich durch eine lange Reihe ruhmwürdiger Ahnen auszeichnet. Die Chronik, aus der wir zum Theil unsre Notizen schöpfen, erzählt von einem dieser Herren von Köckeritz, Namens Gregor, folgende Anecdote: „Als er eine Rechtssache mit einem andern von Adel um’s Jahr 1550 vor dem Landvoigt in der Nieder-Lausitz gehabt, und seines Gegners Advokat, Laurentius Strauch, in der Amtsstube immer Latein um sich geworfen, und der von Köckeritz sich beschweret, er verstünde nicht was er haben wollte, hat er von gedachtem Strauchen zur Antwort bekommen: wenn er in der Jugend fleissig zur Schule gegangen wäre, und sich manchen Product geben lassen, so würde er itzo Latein verstehen: worauf der von Köckeriz einen Abtritt genommen. Und als er wieder vor dem Gericht erschienen, hat er gegen gedachten Advokaten Ungerisch geredet, und als dieser sich ebenfalls beschweret, er verstünde nicht was er haben wollte, hat er geantwortet: wenn er in seiner Jugend in Ungarn mit zu Felde gezogen wäre und sich unter den Stallknechten bisweilen mit der Streugabel den Rücken bläuen lassen, so würde er auch itzo Ungarisch verstehn.“

Auf die von Köckeritz folgte die Familie von Seyffertitz, die Glaubitz lange Zeit besessen; – der gegenwärtige Besitzer ist, seit Jahren schon, Herr J. H. F. Perl.

Das zu dem Rittergute gehörige Dorf gleiches Namens hat einige 50 Häuser, worunter eine Schule, und gegen 600 Einwohner. Dieselben treiben auch etwas Weinbau, doch ist dieser nicht von Bedeutung. Zur Parochie gehören die Orte Nünchritz, Radewitz, Sageritz, Langenberg mit dem Filiale Zschaiten, und circa 2000 Seelen. Zum Rittergute gehören noch Sageritz, Langenberg und Radewitz, in welchem letzteren Orte es ein Vorwerk inne hat. Früher besass es auch das Gut Roda und zählt in den ihm untergebenen Ortschaften circa 1100 Einwohner. Auf seinen beiden Winzereien fabrizirt es einen guten Most. Auch dieses Rittergut ging im Jahre 1367 durch den Verkauf des Bischoffs Gerhard von Naumburg an den Herzog Bolko von Schweidnitz über und wurde 1459 formell von Böhmen an Sachsen abgetreten.

In Norden des Dorfes beginnt die Ebene in welcher 1730 Churfürst August I. das „Zeithainer Lustlager“ abhielt, wobei alle Arten Vergnügungen vorkamen, 30,000 Mann exercirten und der Aufwand sich auf eine Million Thaler belief. In dem erwähnten Radewitz wohnten damals die Könige von Polen und von Preussen, während zu Glaubitz das Feldpostamt bestand.

Wie überhaupt die ganze Gegend reich an Alterthümern ist, so hat man auch hier schon zu mehren Malen solche ausgegraben. –

Klassig.