Hauptmenü öffnen

Reichs Stadt Lübeck Christliche Anordnung (1681)

Textdaten
<<< >>>
Autor: unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Eines Edlen Hoch-Weisen Raths Der Kayserl. Freyen und des H. Reichs Stadt Lübeck Christliche Anordnung
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber: Caspar Schmidt
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1681
Verlag: Vorlage:none
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Lübeck
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: im VD17 unter der Nummer 39:128609B
Kurzbeschreibung:
Flugschriften des 17. Jahrhunderts
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
De vd17 39 128609B 001.gif
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[1]

Eines
Edlen Hoch-Weisen Raths
Der Kayserl. Freyen / und des H. Reichs
Stadt Lübeck /
Christliche
Anordnung
Wie es bey instehendem / in Ansehung des jüngst-erschienenen grossen und schrecklichen
Cometens /
Und besorglich obhandenen vielfältigen Straffen deß durch unsere Sünde zu Zorn gereitzeten GOttes /
Auff den 10. Febr dieses 1681. Jahres angesetztem
Buß- und Bet Tage
Mit Anstellung und Verübung des öffentlichen GOttes-Dienstes in den Kirchen gehalten werden sol.


[2]
1.

Nachdem der Gerechte und durch unsere vielfaltige Sünde höchsterzürnete GOTT nicht allein täglich in seinem Worte / sondern auch eine Zeithero durch unterschiedliche Wunder und Zeichen im Himmel und auff Erden / uns mit grosser Straffe dräuet / absonderlich durch den jüngsten am 18. Decembr: abgewichenen Jahres erschienenen entsetzlichen ungewöhnlichen Cometen und Schweiff-Stern / unß noch für Unglück warnet und zur Busse leitet / Alß hat ein Hochw. Rath so wol auß eigenem Getrieb schuldiger Gottesfurcht / wie auch dem löblichen Exempel benachbarter Fürsten und anderer Städte zufolge / dessenthalben in dieser Stadt und dero gantzem Territorio, einen offentlichen Hochfeyerlichen Buß- und Beht-Tag auff zukünfftigen 10. Tag des Monaths Februarii / alß den Donnerstag vor dem Sonntage Qvinqvagesimæ[1], anzusetzen und zu begehen hochnöthig und heilsam befunden / darauff die Prediger das Volck von solcherley Zeichen des Himmels auß Göttlichem Wort gründlich zu unterweisen / unserer aller schwehre Sünde sambt nachfolgenden Zorn-Gerichten [3] GOttes für die Augen[2] zu stellen / alle und jede zu wahrer Busse und würdiger Zubereitung gegen vorstehende Heilige Paßions- und Fasten-Zeit beweglich zu ermahnen / fürnemlich aber die Mittel-Strasse werden zu halten und anzuzeigen wissen / daß die Zuhörer weder mit den Epicurischen Naturalisten[3] / darauß endlich Atheisten werden /Dn. D. Gottfrid Olear: in Erinnerung vom Cometen Anno 1664. Lit. A 3. die Cometen alß blosse ewige Wercke der Natur verachten / und in Wind schlagen / noch auß Heydnischer Kleinmüthigkeit sich gar zu sehr darüber ängsten und fürchten / viel weniger auß verbotenem Fürwitz nach der Special-Bedeutung derselbigen sorgfältig forschen und scrupuliren alß die GOTT allein seiner Macht und Allwissenheit vorbehalten hat / sondern nur in steter Busse / Furcht und Liebe GOttes und des Nechsten wandeln / und durch stille seyn und hoffen / des Außgangs erwarten mögen. Und sol mit Verrichtung des euserlichen GOttes-Dienstes folgende Ordnung in Acht genommen werden.


2.

Auff den Sontag Sexagesimæ[4] vorher / sol beygelegtes Mandat E: Hochw: Rathes von allen [4] Cantzeln abgelesen / und die Gemeine zu Christlicher Bußfertiger Zubereitung gegen vorstehenden Heiligen Buß- und Beht-Tag mit allem Fleiß und Ernst anermahnet werden.


3.

Mittwochs darnach sol das Fest umb 12. Uhr zu Mittage gleich andern Hohen Festen / und wie es vor diesem an andern Buß- und Bet-Tagen gehalten worden / aller Orten mit den größen Glocken eingeleutet / und zu St. Marien auß den Klag-Lied. Jerem. 3. v. 37. Wer darff denn sagen / bis v. 42. darumb hastu billich nicht verschonet / eine Vorbereitungs-Predigt gehalten / darauff Buß-Lieder und die Collecte gesungen / wo sich Confitenten[5] finden / Beichte gesessen / doch das Orgel-Spiel iederzeit eingestellet werden.


4.

Donnerstags frühe morgens umb 4. Uhr wird wiederumb mit allen Glocken geleutet / umb 5. Uhr der Anfang des GOttes-Dienstes mit den Morgen-Liedern und nachfolgends specificirten [5] Buß-Gesängen gemacht / nach dem Gesange / Wend ab deinen Zorn lieber GOtt mit Gnaden / auff die Cantzel getretten / die Früh-Predigt auß Matth. 3. v. 12. ER hat seine Worffschauffel in seiner Hand --- mit Ewigen Feuer / abgeleget / nach derselben beygefügtes Buß-Gebeth abgelesen / das Vater Unser und den Segen gesprochen / die Litaney und Collecte gesungen / und mit dem Psalm / Erhalt unß HErr bey deinem Wort / der Früh-GOttesdienst beschlossen.


5.

Umb 7. Uhr werden abermahls Morgen-Lieder und etliche der nachgesetzten Buß-Gesänge angestimmet / dazwischen die Collecte vorm Altar abgesungen / die Lection auß Joel 2. v. 1. bis 22. abgelesen / mit dem Psalmen / Wend ab deinen Zorn lieber GOtt mit Gnaden / auff die Cantzel gegangen / auß 4. Buch Mos. 14. v. 11. 12. da erschein die Herrligkeit des Herrn / biß unnvertilgen / die Predigt gethan / nach derselbigen [6] das Buß-Gebeth sambt den Fürbitten verlesen / nach dem Vater Unser und Segen Aaronis die Litaney gesungen / Communion gehalten / oder sonsten die auffgesetzten Buß-Lieder Continuiret und mit dem Erhalt unß HErr bey deinem Wort / der GOttes Dienst geendiget


6.

Nachmittages wird zu gewöhnlicher Zeit in allen Kirchen wieder geleutet / mit Buß-Liedern angefangen / dazwischen die Collecte / und Lection aus Matth: 24. v. 29: bis 37: abgelesen / weiter fortgesungen / nach dem Gesange / Wend ab deinen Zorn lieber GOtt mit Gnaden / auß dem Texte Jerem: 10. v: 1. 2. 3. Höret was der Herr -- sind lauter nichts / die Predigt verrichtet / darnach voriges Buß-Gebeht sambt den Fürbitten abgelesen / nach dem Vater Unser und Segen die Litaney angestimmet / die Collecta pro Pace sambt noch etlichen Buß-Gesängen gesungen / und mit dem Erhalt unß HErr bey deinem Wort / und Sey Lob und Ehr mit hohem Preiß / die gantze Devotion[6] dieses Tages in der Kirchen zu Ende gebracht.


[7]
7.

Buß-Psalmen / so auff diß Fest mehr oder weniger / nachdem die Predigten verzögert oder abgekürtzt werden / sind nachfolgende außersehen worden.

Durch Adams Fall ist gantz verderbt /
HErr straff mich nicht in deinem Zorn /
Ach GOtt vom Himmel stehe darein /
Es spricht der Unweisen Mund wohl /
Von allen Menschen abgewand /
O HErre GOtt begnade mich /
Erbarm dich mein O HErre GOtt /
Auß tieffer Noth schrey ich zu dir /
Allein zu dir HErr JEsu CHrist /
Ich ruff zu dir HErr JEsu CHrist /
O JEsu CHrist du höchstes Gutt /
Wo sol ich fliehen hin /
Ach GOtt und HErr / wie groß und schwehr /
Kommt her zu mir spricht GOttes Sohn /
Wenn wir in höchsten Nöthen seyn /
Nim von unß HErr du treuer GOtt /
GOtt hat das Evangelium /
Wacht auff jhr Christen alle /
Es ist gewißlich an der Zeit /
Du Frieden-Fürst HErr JEsu CHrist /
Wer in dem Schutz des Höchsten ist /
Wo GOtt der HErr nicht bey unß hält /
In dich hab ich gehoffet HErr /
Ach lieben Christen seyt getrost /
Auff meinen lieben GOtt /
Von GOtt wil ich nicht lassen /
Was mein GOtt wil das gescheh allzeit.


[8]
B. Lutherus Tom. VI. Wittenberg.
Lat. Comm. in Genes. 9. p. 114.

Aristoteles de Cometa disputat, esse incensum vaporem. Mihi longè tutius & certius esse videtur, ut à priore definiamus ista, nempè qvod cùm Deus vult, ardet Cometa in signum terroris, sicut cùm vult, refulget in cœlo Iris signum gratiæ.[7]


Idem in der Kirchen - Postill über das Evangelium
Domin. 2. Adventus f. 27.

Die Laufft des Himmels sind von Ewigkeit drauff gericht / daß sie vor diesem (Jüngsten) Tage solten solche Zeichen machen / Die Heyden schreiben / der Comet erstehe auch natürlich / aber GOtt schaffe keinen / der nicht bedeute ein gewiß Unglück / Und kurtz soltu wissen / was sich wandelt am Himmel über die gemeine Weise / daß da gewißlich GOttes Zorn sein Zeichen sehen lässet.

Et fol. 28. Wir wissen wol / daß GOttes Wort und Zeichen müssen verachtet werden von den klugen Götzen / Du aber halt dich an das Evangelium / das lehret dich glauben / daß grosse Winde und Wasserbrausen Zeichen sind / und wiewol zuvor mehrmal solche Zeichen geschehen sind / sollen sie doch viel und groß seyn vor dem Jüngsten Tage.


Item über das Evangelium an der Heil. Drey
Könige Tag / fol. 167.

So solt du auch wissen / wenn die Sonne den Schein verleuret / daß gewißlich ein böse Zeichen sey / da ein Unfall nachkommen wird / desselbigen gleichen wenn der Comet / der Schwantz-Stern scheinet / denn also lehret die Erfahrung / dazu CHristus Luc. 21. saget / daß solche Zeichen in der Sonne / Mond und Sternen seyn sollen / die das letzte Unglück der Welt bedeuten.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. lat. fünfzigster [Tag]; siebter Sonntag vor Ostern
  2. Vorlage: Augeu
  3. Anhänger der Lehre des griech. Philosophen Epikur
  4. achter Sonntag vor Ostern
  5. lat. Beichtende
  6. lat. Andacht
  7. Übersetzung: Aristoteles setzt über Kometen auseinander, dass sie entflammte Glut seien. Mir schien es lange Zeit vertretbarer und gewisser, dass wir diese von Anfang an genau bestimmen sollten, weil doch wohl ein Komet, wenn Gott es will, als Vorzeichen brennt. Gleichsam wenn er will, schimmert am Himmel Iris als Zeichen der Gnade.