Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I A,1 (1914), Sp. 11171119
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8) L. Roscius M(arci) f(ilius) Qui(rina) Aelianus Maccius Celer (der vollständige Name CIL XIV 3612; L. Roscius Aelianus CIL VI 451). Seinen Cursus honorum erfahren wir durch eine Ehreninschrift aus Tibur, die C. Vecilius Probus amico optimo errichtete (CIL XIV 3612 = Dessau 1025); sie zählt seine Ämter (abgesehen vom Consulat und vielleicht vom Vigintivirat, s. u.) in umgekehrter Reihenfolge auf: trib(unus) mil(itum) leg(ionis) IX. Hispan(ae) vexillarior(um) eiusdem in expeditione Germanica, donatus ab imp(eratore) Aug(usto) militarib(us) donis corona vallari et murali, vexillis argenteis II, hastis puris II (R. führte im J. 83 eine Vexillation der britannischen Legio IX Hispana in die Rheinlande zum Chattenkrieg Domitians; in diesem Kriege erhielt er die militärischen Auszeichnungen; vgl. Gsell Domitien 186. Ritterling Österr. Jahresh. VII 1904 Beibl. 27, 31. Riese Westd. Ztschr. XXVI [1118] 1907, 132. Weynand o. Bd. VI S. 2557f.; Tschauschner Leg. Kriegsvexill. 1907, 39f., Xvir stlitib(us) iudic(andis) – es ist nicht ausgeschlossen, daß die Ämter hier nicht chronologisch geordnet sind, der Vigintivirat demnach, wie üblich, dem Militärtribunat voranging –, quaest(or) Aug(usti) – und zwar noch des Domitian, dessen Namen infolge seiner Damnatio memoriae in der Inschrift verschwiegen wird; zur Quaestur des R. vgl. Brassloff Österr. Jahresh. VIII 67 –, tr(ibunus) pl(ebis), pr(aetor), consul (suffectus im letzten Nundinum – wohl November-Dezember – 100 n. Chr. mit Ti. Claudius Sacerdos Iulianus, CIL VI 451 = 30769 – Dessau 3619 vom 29. Dezember 100; vgl. Mommsen Ges. Schr. IV 425; R. wird zu den consules designati gehören, die beim Prozeß des Marius Priscus im Sinne der Ankläger Plinius und Tacitus abstimmten, Plin. ep. II 11, 20), proco(n)s(ul) provinc(iae) Africae (vermutlich 117/118 oder in einem der nächsten Jahre; A. Caecilius Faustinus, der ein Jahr vor R. Consul war, bekleidete den Proconsulat von Africa im J. 116, s. o. Bd. III S. 1201 Nr. 54, vgl. Tissot Fast. d’Afr. 82f, Pallu de Lessert Fast. d. prov. Afr. I 172f.; auf dieselbe Zeit führen die Proconsulate von Asia, s. o. Bd. IV S. 2224. VII S. 252. Heberdey Österr. Jahresh. VIII 231ff.). Es ist auffällig, daß im Cursus honorum des R. weder eine Priesterstellung noch ein consularisches Amt außer dem (durch Losung besetzten) Proconsulat von Africa genannt wird. Doch dürfte kaum daraus zu schließen sein, daß R., weil er von Domitian ausgezeichnet worden war, von Traian bei der Besetzung der kaiserlichen Ämter übergangen wurde: hat ihm doch Traian schon im dritten Jahre seiner Regierung den Consulat verliehen, auf den er wohl bereits unter Domitian Anspruch gehabt hätte. Man wird vermuten dürfen, daß der Dedikant der Statue, vielleicht ein alter Kriegskamerad des R., dessen militärische Wirksamkeit besonders hervorheben und sonst nur eine Auswahl aus seinen Ämtern geben wollte. In Tibur bekleidete R. das Priesteramt eines Saliers (CIL XIV 3612), besaß demnach das Bürgerrecht dieser Stadt. Doch stammte er, wie seine Tribus zeigt, nicht aus Tibur, das der Tribus Camilia angehörte (Kubitschek Imp. Rom. trib. discr. 50). Auch Brixia, wo seine Nachkommen begütert waren (s. Nr. 11), kann seine Heimatstadt nicht gewesen sein (die Tribus der Stadt war die Fabia, s. o. Bd. III S. 884f.). Man könnte vermuten, daß R. der facundus Aelianus ist, der Martial, als dieser bereits in der Heimat weilte, mit einem Wagen beschenkte (Mart. XII 24, nach Friedländer z. St. ‚vermutlich ein Landsmann Martials‘; in demselben Epigramm wird [L. Stertinius] Avitus, Consul 92, erwähnt, Mart. XI 40 ist der Name Aelianus wohl fingiert). Vielleicht war R. der leibliche Sohn eines M. Maecius Celer und Bruder des gleichnamigen Mannes, der ein Jahr nach ihm (101) den Consulat bekleidete (Prosop. imp. Rom. II 319 nr. 40. Friedländer S. G. IV⁸ 108f.), und wurde von einem Roscius Aelianus adoptiert (vgl. Mommsen Ges. Schr. IV 397ff.). Ob zwischen ihm und den Roscii [1119] Coelii Murenae (Nr. 13ff.) Verwandtschaft bestand, ist zweifelhaft. Die Nachkommen des R. lassen sich bis ins 3. Jhdt. im Senate nachweisen (s. Nr. 9–11. 23. 24); die Familie wurde in den Patriziat aufgenommen (vgl. Nr. 9) und zählte zwei eponyme Consulate (s. Nr. 9. 11). Die Ausführungen Borghesis über die Roscii Aeliani (Oeuvr. III 115f. VI 49ff.) und die Stammtafel, die er entwirft (VI 53), sind heute überholt.