RE:Idistaviso

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IX,1 (1914), Sp. 903–905
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Idistaviso. Im J. 16 n. Chr. war Germanicus in Wiederholung seines im vorherigen Jahre unternommenen Feldzuges mit einer großen Flotte in die Ems eingefahren, war hier zu Lande bis zur Weser vorgerückt, dann über diesen Fluß gegangen und hatte auf dem Felde I. zwischen der Weser und einer bewaldeten Höhenkette den verbündeten Germanen unter Arminius eine Schlacht geliefert. Von dem Schlachtfelde heißt es bei Tac. ann. II 16 sic accensos et proelium poscentes in campum cui Idistaviso nomen deducunt; is medius inter Visurgim et colles ut ripae fluminis cedunt aut prominentia montium resistunt, inaequaliter sinuatur; pone tergum insurgebat silva. Die Bestimmung dieser Örtlichkeit begegnet großen Schwierigkeiten, einmal weil es nicht feststeht, auf welchem Wege Germanicus zur Weser zog, zweitens weil die Weser im Laufe von fast zwei Jahrtausenden hier ihr Bett erheblich verändert hat, drittens weil der Bericht des Tacitus an geographischer Genauigkeit und militärischer Klarheit sehr viel [904] zu wünschen übrig läßt. Schon über Art und Richtung des Anmarsches des Germanicus herrscht unter den Forschern großer Widerstreit, da bei Tacitus sich keine Bemerkungen finden, die einen wirklich sicheren Anhalt bieten. Die wichtigste Literatur hierüber verzeichnet Baehr Die Örtlichkeit der Schlacht auf I., Halle a. d. S. 1888, 12. 2; besonders eingehend behandelt diesen Teil der Frage ferner noch Hartmann Welchen Weg nahm Germanicus von der Ems zur Weser?, Monatsschr. f. Gesch. Westdeutschlands IV (1878) 57-63. Kessler Die Tradition über Germanicus, Diss. Leipzig 1905, 49 läßt Germanicus anstatt in die Ems in die Weser einfahren. Im wesentlichen kann es sich nur darum handeln, ob Germanicus von Ems und Hase kommend nördlich des Wiehengebirges marschierte, infolgedessen unterhalb der Porta an die Weser kam, oder ob er weiter südlich durch die Gegend des heutigen Osnabrück und den Herforder Kessel zog und so oberhalb der Porta auf genannten Fluß traf. In dem Punkte also, daß Germanicus in der Nähe der Porta zur Weser gelangte, herrscht im allgemeinen Einigkeit, dagegen gehen die Meinungen bezüglich der Frage auseinander, ob das oberhalb oder unterhalb dieses Punktes geschah, und dementsprechend der campus I., auf dem Germanicus nach seinem Übergange über den Fluß die Schlacht lieferte, auf dem rechten Weserufer nördlich oder südlich der Porta zu suchen sei. Die oben angegebenen Schwierigkeiten lassen meiner Ansicht nach eine endgültige Entscheidung nicht zu, ich begnüge mich daher, die wichtigste Literatur anzuführen. Oberhalb der Porta suchen den campus I. und zwar bei Hessisch-Oldendorf v. Wietersheim Abh. der Sächs. Akad. 1850, 449ff. und v. Abendroth Terrainstudien zu dem Rückzuge des Varus und den Feldzügen des Germanicus, Leipzig 1862, 41. Für die Lage im Süden der Porta entscheiden sich ferner besonders: Wagener Die Lage des Schlachtfeldes v. I., Ztschr. für vaterländ. Gesch. und Altertumskunde XXXVI 2. Heft (1878), 186–192: gegenüber Varenholz. Draeger Ausg. von Tacitus’ Annalen³, Leipzig 1878, 104; Nipperdey-Andresen Ausg. des Tacitus⁷, Berlin 1879, 144; Deppe Der römische Rachekrieg in Deutschland, Heidelberg [905] 1881, 72. Sehr eingehend Knoke Die Feldzüge des Germanicus in Deutschland, Berlin 1887, 384–475, bes. 404ff., der das Schlachtfeld in der Ebene von Eisbergen zwischen Vlotho und Rinteln sucht; derselbe: Stand der Forschungen über die Römerkriege im nordwestlichen Deutschland, Berlin 1903, 62; Dahm Die Feldzüge des Germanicus in Deutschland, Westd. Ztschr. Ergänzungsheft XI; zwischen Hausberge und Holtrup, also hart südlich der Porta, unterhalb der Porta lag der campus I. nach Wippermann Beschreibung des Bukki-Gaues, Göttingen 1859, 142ff.; Boemers Campus I., Gütersloh 1866, 15, bes. 28ff.; Hartmann a. a. O. 57; Bähr a. a. O. 19. Mit seiner Ansicht, daß das Schlachtfeld auf dem linken Weserufer zu suchen sei, steht ziemlich allein Höfer Der Feldzug des Germanicus im J. 16, Bernburg und Leipzig 1885, 35ff., bes. 48ff.; Ztschr. f. Gymnasialwesen, N. F. XXI (1887) 534. v. Pflugk-Harttung Rh. Mus., N. F. XLI (1886), bes. 80ff. verlegt das Schlachtfeld an die Hunte. Am radikalsten ist Delbrück Gesch. der Kriegskunst II² 110ff., der die ganze Schlacht in das Reich der Fabel verweisen will; stark angezweifelt wird sie auch von Spengel S.-Ber. Akad. Münch. 1903, 32f. und Kessler a. a. O. 52ff.

Weniger umstritten als die Lage des campus I. ist die Bedeutung des Namens. Grimm; Abh. Akad. Beil. 1842, 5f.; Mythologie I⁴ 332 schlug vor, anstelle von Idistaviso vielmehr Idisiaviso zu lesen, das er als nympharum pratum, Elfenwiese, erklärt; seinem Vorschlage ist außer den meisten der oben angegebenen Forscher auch Müllenhoff Deutsche Altertumskunde IV 205. 563 gefolgt. Abweichende Erklärungen geben u. a. Wagener a. a. O. Deppe a. a. 0. 84. Höfer Feldzug 58. Knoke Feldzüge 441ff.