Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Lagunensiedlung südlich von Aquileia
Band VII,2 (1912) S. 1690
Grado (Friaul-Julisch Venetien) in der Wikipedia
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Grado bei Pleiades
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Gradus (heute Grado), Siedlung auf der gleichnamigen Laguneninsel südlich von Aquileia, wird erst seit der Langobardenzeit genannt, hat aber schon, wie die Funde beweisen, im Altertum bestanden. Da mit gradus, κλίμακες, die mit Treppen versehenen Anlegeplätze bezeichnet wurden (Val. Max. III 6. Constit. XXXI Zachariae p. 192. Strab. XVII 792), in Südfrankreich ein Gradus Massilitanorum Itin. Ant. 507 genannt ist, liegt der Schluß nahe, in G. den Hafenplatz von Aquileia zu erblicken, das Ausonius nob. urb. IX moenibus ac portu celeberrima nennt, und das nach Strabon 60 Stadien landeinwärts lag. Da die Küste sinkt, durch die Flüsse andererseits wieder Neuland geschaffen wird, ist es kaum möglich, den antiken Festlandsrand zu erkennen. Doch muß die Lagune einen geringeren Umfang gehabt haben, wofür Paul. hist. Lang. V 17 spricht (daß nämlich im J. 663 eine Reiterabteilung in Grados insulam von Aquileia her per stratam, quae antiquitus per mare facta fuerat, gelangte), und was eine Notiz in den Mitt. d. Zentralkomm. 1902, 326 zu bestätigen scheint, der zufolge in der Nähe der äußersten Landzunge des Gebiets von Aquileia bei sehr tiefem Wasserstand die Spuren der römischen Straße sich sicher konstatieren lassen und in unmittelbarer Nähe dieser ergiebige Reste von Grabmonumenten, Aschenurnen usw. gefunden werden (vgl. Czoernig Das Land Görz und Gradisca, Wien 1873, 161). Die bedeutendsten Funde aus G.s ältester und frühmittelalterlicher Zeit sind, auf der Piazza della corte gemacht worden, worüber Swoboda und Wilberg Österr. Jahresh. IX (1906) Beibl. 1ff. ausführlich handeln. Mit der Flucht des Patriarchen Paulinus von Aquileia nach Grado 568, der vor den Langobarden dahin die aquileiensischen Kirchenschätze schaffte (Paul. hist. Lang. II 10), tritt der Ort in die Geschichte ein.

[Weiss. ]