Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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sagenhafter König Babylons
Band VII,1 (1910) S. 13631364
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Gilgamos, Γίλγαμος, Aelian. hist. an. XII 21, sagenhafter babylonischer König. Dem babylonischen König Σευήχορος prophezeien Chaldaier, daß der Sohn seiner Tochter ihm die Herrschaft entreißen werde. Seuechoros läßt seine Tochter streng bewachen, trotzdem bekommt sie von einem unbekannten Manne ein Kind. Ihre Wächter nehmen das Knäblein und werfen es von den Zinnen der Burg hinab. Ein Adler sieht es, fliegt rasch hinzu, fängt es auf seinem Rücken auf und trägt es nach einem fernen Garten, wo er es sanft zu Boden setzt. Der Hüter des Gartens findet den Knaben und erzieht ihn. Er erhält den Namen G. und wird König der Babylonier.

Der Inhalt dieser Erzählung berührt sich mehrfach mit anderen Sagen. An die Danaesage erinnert Aelian selbst. Mit der legendenhaften Geschichte des altbabylonischen Königs Sargon von Agade hat obige Erzählung gemeinsam: die Abstammung des Helden von einer Mutter aus edlem Geschlecht, während der Vater unbekannt bleibt, und die Erziehung durch einen Gärtner. Der Adlerflug findet sich in der babylonischen Etanalegende wieder. Der Name des Helden ist zuerst 1890 durch Pinches (Babyl. and Oriental Record IV 264) in der Form Gilgameš auf einer Keilschrifttafel gelesen worden; in ideographischer Schreibweise (IZ-ṬU-BAR bezw. GIŠ-ṬU-BAR) war er längst bekannt. Die Identität von Gilgamos und Gilgameš hat zuerst Sayce (Academy 1890 II 421) betont.

Die Abenteuer des Gilgames sind in einem Epos von zwölf Tafeln geschildert, von dem umfangreiche Bruchstücke noch erhalten sind (herausgegeben von Haupt Assyriol. Bibliothek Bd. 3; [1364] Beiträge zur Assyr. I 48ff. 94ff. 316ff.), zum erstenmal vollständig umschrieben und übersetzt von Jensen (Keilinschriftl. Bibliothek VI 1, 116ff.). Ein weiteres Fragment veröffentlichte B. Meissner Mitt. d. Vorderasiat. Ges. VII (1902) Heft 1. Über die Verwandtschaft der G.-Sage mit anderen s. Meissner Alexander und Gilgamos (Hallische Hab.-Schrift), Leipz. 1894 und (sehr ausführlich) P. Jensen D. Gilgamesch-Epos in der Weltliteratur Bd. 1 Straßb. 1906.