Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Stadt der Kaspeiraioi in Vorderindien
Band VII,1 (1910) S. 466
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Gagasmira, nach Ptolem. VII 1, 50 Stadt der Kaspeiraioi in Vorderindien. Unter diesen Kaspeiraioi ist das Reich der westtibetischen Tocharen (chinesisch Ta-Yüeh-či) zu verstehen, die im 1. Jhdt. n. Chr. von Baktrien her im Kabultal eindringen. Kašmir wird ein Zentrum ihrer Herrschaft, daher der Name Kaspeiraioi. Von hier erobern sie das Panğab und die westhindostanische Tiefebene, im Süden bis zur Grenze des Dekhans, dem Vindhiagebirge. Nach der von Ptolemaios gegebenen Position lag G. im südlichsten Teil des Kaspeiraioireiches und dürfte identisch sein mit dem heutigen Adjmir (Adjamira aus Adjamidha), an den nordöstlichen Ausläufern des die große indische Wüste von Rajputana im Osten begrenzenden Aravāligebirges (bei Ptolemaios Apokopa) gelegen (so auch Lassen und St. Martin, andere = Jajhar). Adjmir ist heute eine erste Handelsstadt; seine schöne Lage inmitten von Gärten und Rosenfeldern ist hochberühmt und hat Veranlassung gegeben, daß die mongolischen Kaiser hier sich ein Schloß erbauten. Aber seine Bedeutung geht in alte Zeiten zurück, und sehr wesentlich muß dazu der in der Nähe gelegene berühmte brahmanische Wallfahrtsort beigetragen haben, eines der Wunder Hindostans, der See von Poškur. Heute von herrlichen Bauten, Tempeln, Türmen, Gallerien, Marmortreppen umgeben, zeigt er auch noch antike Bauten unter seinem jetzigen Wasserspiegel. Der See mag wohl der alten Stadt ihren Namen gegeben haben: mira bedeutet ,See‘ (vgl. Kašmir aus Kasjapa-mira = See des Kasjapa), gadja ist ein gewöhnliches Wort für den ,Elefanten‘; also G. = Elefantensee, offenbar weil hier in buddhistischer Zeit das heilige Tier verehrt wurde.