RE:Euagrius 7

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VI,1 (1907), Sp. 833
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7) Euagrios (Scholasticus), geboren um 536 in Epiphaneia in Koilesyrien, in Antiochien gebildet, war dort lange als Anwalt tätig; die Ehrentitel eines Quaestors und Expraefecten hat er von den Kaisern um 580 und 590 erhalten und dem antiochenischen Patriarchen Gregor große Dienste geleistet. Vor 600 dürfte er nicht gestorben sein. Hier kommt er in Betracht als Verfasser einer Kirchengeschichte in 6 τόμοι, die vom J. 431 bis 594 reicht und eine Fortsetzung von Sozomenos, Sokrates, Theodoret, den Fortsetzungen des Euseb, sein will. Die älteren Ausgaben, auch Migne Gr. 86, 2 sind antiquiert, seit unter Verwendung der bedeutsamen Vorarbeiten de Boors J. Bidez und L. Parmentier London 1898 the ecclesiastical history of Euagrius with the Scholia publiziert haben. E. schreibt selbst für den Geschmack des Photios bibl. 29 zu wortreich, erzählt für einen griechischen Kirchenhistoriker auffallend viel von seinen Meinungen und Arbeiten bezw. Arbeitsplänen, weiß mit dem weströmischen Gebiet gar nicht Bescheid, vertritt die ängstlichste chalkedonensisch-iustinianische Orthodoxie, und hat wenig Sinn für den Unterschied von Kirchen- und Reichsgeschichte. Aber er ist nie bewußt unwahrhaftig, hat sich redlich Mühe gegeben, seinen Stoff zusammenzubringen und zu einer leidlich zusammenhängenden Geschichte zu gestalten, und benutzt eine Anzahl jetzt verlorener Quellen. Die wörtliche Aufnahme amtlicher Aktenstücke macht sein Werk noch besonders verdienstlich; bezeichnend für die Kulturverhältnisse um 600 ist die häufige, nahezu zaghafte Rücksichtnahme auf heidnische Kritik an den Vorkommnissen in der Kirche. Die von Dangers in einer Göttinger Dissertation von 1841 De fontibus, indole et dignitate librorum, quos de hist. eccl. scrips. Theodorus Lector et Euagr. ist kaum noch brauchbar, da der Verfasser von einer so wichtigen Quelle wie Zacharias Rhetor nichts wissen konnte, auch L. Jeep Quellenunters. zu d. griech. Kirchenhistorikern, Leipzig 1884 reicht nicht aus; das bisher Beste bei K. Krumbacher Gesch. d. byz. Literat.² 1897, 245ff.