Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Reiher, Vogelart
Band VI,1 (1907) S. 483
GND: 4202113-3
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Erodios (Ἐρωδιός), der Reiher, soll nach Ant. Lib. transform. 7 Martini, laut Glosse übereinstimmend mit Boios Ornithogonie 1, ein Sohn des Melaneussohnes Autonoos und der Hippodameia, Bruder des Anthos (nach dem die Sage heisst), Schoineus, Akanthos und der schönen Akanthis gewesen sein. Er gehörte zu derjenigen Gruppe der Familie, die nicht wie der Wiesen- und Ackerlandbesitzer Anthos kulturfreundlich war, sondern auf schilf- und dorntragendem Land Pferdezucht trieb. E., der älteste Sohn, war von seinem Vater so benannt, weil ihn sein Gebiet zu sehr in der Bewegungsfreiheit beschränkte (αὐτὸν ἠρώησεν). Über die Heilvorsuche Oders, Knaacks, Kaibels s. Martinis Ausgabe a. O. Wirklich trieb E. seines Vaters Stuten über die Grenzen auf das gepflegte Nachbargebiet des jüngeren Bruders Anthos. S. den Art. Akanthis über die Raserei der menschenfressenden Stuten, den Tod des Anthos und die Verwandlung von Eltern und Kindern in gleichnamige Vögel. Zwischen ἄνθος und ἐρωδιός sei noch bis jetzt Feindschaft. Zu der ganzen Erfindung dieser Vogel- und Menschengeschichte sind Motive aus dem Mythenkreis des Diomedes entlehnt: die menschenfressenden Rosse, die Verwandlung in ἐρωδιοί (in Daunien) und eine ἄκαρπος χώρα (Dauniens Diomedis campi).