Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Bergwerksstadt im heutigen Ostbosnien
Band V,1 (1903) S. 12941296
Bildergalerie im Original
Register V,1 Alle Register
Linkvorlage für WP   
* {{RE|V,1|1294|1296|Domavia|[[REAutor]]|RE:Domavia}}        

Domavia (CIL III 8292. 8359. 8360. 8363 = 12733 Dom...., 12732 [in] muni[cipio Do]maviano; vgl. 8297. 12728. 12729), Bergwerksstadt und einer der wichtigsten Punkte des dalmatinisch-pannonischen Bergbaues, jetzt Gradina an dem Zusammenflusse des Majdanski potok und der Saska rijeka in dem ostbosnischen Bezirke Srebrenica mit zahlreichen Überresten (Stollen, Fahrstrassen, welche die einzelnen Bergbaue mit den Aufbereitungsstätten und mit der Schmelzhütte [1295] verbanden, u. s. w.) des hier auf dem nordöstlichen Abhange des Kvaracgebirges ausgiebig betriebenen Blei- und Silberbergbaues. Wahrscheinlich schon eine vorrömische bergbautreibende Ansiedlung (vgl. den Namen [A. Holder Altkelt. Sprachsch. s. v.] und die noch in römischer Zeit erhaltenen epichorischen Namen, CIL III 8292), war D. in der Kaiserzeit erst ein vicus (CIL III 8292 mag(ister) Dom.) Namens metallum Domavianum (Hirschfeld zu CIL III 12729. 12730) wurde municipium (als solches unter Macrinus, CIL III 8363 = 12733 genannt; vgl. 8297. 8359. 8360. 12732) und Colonie (erwähnt unter Gallus CIL III 12728. 12729 ordo dec(urionum) col(oniae) m(etalli?) D(omaviani)) und blühte im Gegensatze zu dem sich sonst fast überall zeigenden Verfalle noch im J. 274 (CIL III 12736); die Münzfunde reichen bis auf Constantin II. (Wissenschaftl. Mitt. aus Bosnien und der Hercegovina I 251). Die älteste datierbare Inschrift gehört Septimius Severus an (CIL III 12727; die Beziehung von CIL III 12742 auf Marc Aurel und L. Verus ist unsicher); dass der Ort jedoch schon früher bestand, ist zweifellos, vgl. CIL III 6575 = 7127. Hirschfeld Arch.-epigr. Mitt. III 41. A. v. Domaszewski ebd. XIII 133. Bezeugt sind ausser dem oben angeführten magister die res publica (CIL III 8363 = 12733) und der ordo decurionum (CIL III 12728. 12729. 8359. 8360. 8297), von öffentlichen Anstalten ein macellum (CIL III 8363 = 12733) und ein balneum publicum, das im J. 220 eine Wasserleitung erhielt (CIL III 12734) und im J. 274 wiederhergestellt wurde (CIL III 12736). Überall treten in der Gemeindeverwaltung die Procuratoren hervor; von diesen werden namhaft gemacht: procurator metallorum Pannoniorum et Delmatiorum, L. Domitius Eros (CIL III 8361 = Dessau 1443, vgl. Patsch Arch.-epigr. Mitt. XVI 92), vielleicht dieselbe Charge hat bekleidet C. Iulius Melanio (CIL III 12732, vgl. Boissieu Inscr. de Lyon 17 nr. XIV. Dessau Prosopogr. II 215); vir egregius ducenarius: M. Aurelius Busticus (gleichzeitig mit Eros, CIL III 8361, E. Klebs Prosopogr. 1214); vir egregius procurator argentariorum: Valerius Super (unter Macrin und 220, CIL III 8363 = 12733. 12734. Rohden-Dessau Prosopogr. III 378), Aurelius Verecundus (im J. 274, CIL III 12736. Klebs Prosopogr. I 217), ein namenloser in CIL III 12737; vir egregius procurator: Iul. Tacitianus (in der letzten Zeit des Severus Alexander , CIL III 8359. 8360. Dessau Prosopogr. II 216), M. Arrius [? Iu]nianus (Arch.-epigr. Mitt. XVI 91), .....tus (unter Gordian, Arch.-epigr. Mitt. XVI 92), namenlose in CIL III 12738 und Wissenschaftl. Mitt. IV 227.

D. war auch Station der beneficiarii consularis (Patsch Arch.-epigr. Mitt. XVI 134). Die blühende Stadt zog auch griechische Ansiedler an, die Monumente in ihrer Sprache – die einzigen griechischen im Osten Dalmatiens – hinterlassen haben (Patsch Wissenschaftl. Mitt. V 238). Ein beträchtlicher Teil des wichtigen Ortes, der in eine Ober- und Unterstadt zerfiel, ist durch die Grabungen der Gewerkschaft ,Bosnia‘ und des bosnisch-herccgovinischen Landesmuseums blossgelegt worden (vgl. L. Pogatschnig Wiss. Mitt. II 152ff. W. Radimsky ebd. I 218ff. IV 202ff. [1296] Patsch Arch.-epigr. Mitt. XVI 126ff.). Vgl. H. Kiepert Formae orbis antiqui XVII Beibl. S. 5. Über den mittelalterlichen Bergbau der Ragusaeer und der siebenbürgischen Sachsen (vgl. noch die heutigen Ortsnamen Sase, Kvarac = Quarz) daselbst vgl. C. Jireček Die Handelsstrassen und Bergwerke von Serbien und Bosnien während des Mittelalters 50f.

[Patsch. ]