Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 1217–1218
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Arpi (Ἄρποι Ptol. III 1, 72; Einwohner Arpanus Plin. II 211. III 104. Lib. col. 210. 260 Lachm.; Ἀρπανῶν die Münzen; Arpinus Liv. XXIV 45. 47), Stadt in der getreidereichen apulischen Ebene östlich von Mons Garganus, den Diomedis campi (Strab. VI 284. Liv. XXII 12 u. a.). Sie soll von Diomedes gegründet und zum Andenken an seine Heimat Ἄργος ἵππιον genannt sein, woraus dann Ἀργυρίππα (Argyrǐpa des Verses halber Verg. Aen. XI 246. Sil. Ital. VI 554. XIII 30. XVII 321; vgl. Serv. Aen. XI 246) geworden sei (Strab. V 215. Plin. III 104. Appian. Hannib. 31. Iust. XX 1. Lyk. Alex. 592 und Tzetz. z. d. St. Steph. Byz. s. v.). Die Etymologie ist natürlich ohne Gewähr, auch dass A. eine wirklich griechische Gründung, höchst unwahrscheinlich (sie fehlt in den Colonienverzeichnissen des Skylax und Skymnos); richtig aber soviel, dass die ursprüngliche messapische Ansiedlung durch die benachbarten hellenischen Colonien stark beeinflusst wurde. Ihre Münzen, Silber und Kupfer, meist aus dem 3. Jhdt. v. Chr. (Garrucci Monete d’Italia 111. Münzkatal. des [1218] Berliner Mus. III 1, 179-183) tragen auf der einen Seite neben dem Kopfe der Stadtgöttin den Namen ΑΡΠΑΝΩΝ, auf der andern Magistratsnamen messapischer Form. Die Stadt war gross (den weiten, noch in späterer Zeit erhaltenen Mauerring erwähnt Strabon ausdrücklich) und durch Handel blühend; ihr Emporium scheint Sipontum gewesen zu sein (Liv. XXXIV 45), nicht wie Strabon VI 283 angiebt Salapia (Mommsen CIL IX p. 66). Mit den samnitischen Bergstämmen lebten die Arpaner in steter Fehde und wurden von ihnen hart bedrängt, weshalb sie sich im J. 320 bereitwillig dem Consul Papirius anschlossen und ihn bei der Belagerung von Luceria unterstützten (Liv. IX 13). Auch im pyrrhischen Kriege standen sie treu zu den Römern (Dionys. ant. XX 3). Im hannibalischen dagegen schloss sich die Stadt nach der Schlacht bei Cannae den Karthagern an (Polyb. III 88. 118. Appian. Hannib. 31), wurde aber 213 v. Chr. von Fabius Maximus wieder erobert (Liv. XXIV 45-47) und um einen Teil ihres Gebietes gestraft (römische Bürgercolonie nach Sipontum 194 v. Chr. Liv. XXXIV 45, 3). Seitdem sank die Stadt und war in der Kaiserzeit ganz unbedeutend. Gelegentlich erwähnt wird sie von Cic. ad Attic. IX 3, 2. Oros. IV 15, 1; genannt bei Plinius und Ptolemaios, sowie noch auf der Tab. Peut. Unbedeutende Ruinen finden sich beim Dorfe Arpe, unweit Foggia; lateinische Inschriften fehlen bisher gänzlich; vgl. Mommsen Unterital. Dialekte 89-92.